Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

staunen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung stau-nen
Wortbildung  mit ›staunen‹ als Letztglied: anstaunen · bestaunen · erstaunen
Mehrwortausdrücke  Bauklötze staunen
eWDG

Bedeutungen

1.
eine ungewöhnliche Sache, Person mit Verwunderung wahrnehmen
Beispiele:
er staunte, dass es schon dunkel wurde
»das soll alles sein?« staunt er
neugierig, unverwandt, ungläubig, fassungslos staunen
umgangssprachlicher staunte nicht schlecht, als er mich plötzlich wiedersah
umgangssprachlich, scherzhaftda staunt der Laie und der Fachmann wundert sich
saloppBauklötze staunen
der staunende Beobachter
etw. mit staunenden Augen betrachten
staunend dastehen, blicken, zuhören
»Wir haben uns lange nicht gesehen«, sagte er mit staunendem Lächeln [ KreuderGesellschaft5]
über etw., jmdn. staunenüber etw., jmdn. verwundert sein
Beispiele:
über diesen Zufall staunst du wohl?
wir staunten über diesen einfältigen Menschen
2.
einem bedeutenden Werk, einer hervorragenden Persönlichkeit Bewunderung entgegenbringen
Beispiele:
sie staunte, wie schön das Gemälde war
ehrlich, ergriffen, begeistert staunen
über etw., jmdn. staunen
über etw., jmdn. voll Bewunderung sein
Beispiele:
über ein Kunstwerk, einen Dichter staunen
eine staunende Menge, Welt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

staunen · erstaunen · erstaunlich
staunen Vb. ‘verwundert sein’, im 18. Jh. von dem Schweizer A. v. Haller in die Literatursprache eingeführt, schweiz. stūnen ‘in Gedanken versunken vor sich hinblicken’, eigentlich ‘starr sein, starr blicken’. Vergleichbar ist mnd. stǖnen, mnl. stunen ‘sich widersetzen’ und wohl auch griech. stȳ́ein (στύειν) ‘steif emporrichten’, aind. sthū́ṇā ‘Pfosten, Pfeiler, Säule’, so daß Anschluß an die schwundstufige Form der Erweiterung ie. *st(h)āu-, *st(h)ū- (s. stauen, Staude, stützen) der unter stehen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ möglich ist. Im Hd. früher bezeugt ist erstaunen Vb. ‘in Verwunderung versetzen, geraten’ (16. Jh.), ebenfalls aus dem Schweiz., eigentlich ‘erstarren, vor Verwunderung starr werden’. erstaunlich Adj. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(erst einmal) nichts zu sagen wissen · (jemanden) groß ansehen · (sehr) erstaunt sein · (sich) wundern · Stielaugen bekommen · angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · bestaunen · bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit großen Augen ansehen · mit offenem Mund dastehen · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · staunen · verwundert anstarren  ●  nicht schlecht staunen  Verstärkung · (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen  ugs., Verstärkung · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft
Assoziationen
  • außer Fassung · entgeistert · fassungslos · geschockt · ratlos · schockiert · verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  (ganz) aufgelöst  ugs. · (ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · konsterniert  geh. · verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (sich) (verwundert) die Augen reiben · (sich) wundern · (ungläubig) den Kopf schütteln · erstaunt sein (über) · verdutzt sein  ●  (jemanden) mit großen Augen anschauen  ugs., variabel · (jemanden) ungläubig anschauen  ugs. · mit den Ohren schlackern  ugs. · verdattert sein  ugs. · vonne Socken sein  ugs., ruhrdt.
  • (etwas) nicht fassen können · (etwas) nicht glauben wollen · erstaunt (sein) · nicht bedacht haben · nicht eingestellt (gewesen) sein (auf) · nicht gerechnet haben (mit) · nicht vorbereitet (gewesen) sein (auf) · überrascht werden (von)  ●  (völlig) überrascht (sein)  Hauptform · (für jemanden / jemandem) sehr plötzlich kommen  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemandem) fällt die Kinnlade herunter  ugs., salopp · (jemandem) klappt die Kinnlade herunter  ugs., salopp · aus allen Wolken fallen  ugs., fig. · kalt erwischt werden  ugs. · mit etwas überhaupt nicht gerechnet haben  ugs. · nicht auf dem Schirm (gehabt) haben  ugs., fig.
  • erstaunt · perplex · platt · sprachlos · verblüfft · verdattert · verdutzt · verwundert  ●  baff  ugs. · bass erstaunt  geh., veraltend, Verstärkung · erstaunten Auges (adverbial)  geh., scherzhaft, altertümelnd · geplättet  ugs., fig. · platt wie 'ne Flunder  ugs., Verstärkung · platt wie eine Briefmarke  ugs.
  • Neugieriger · Schaulustiger · Umstehender · Zaungast  ●  Gaffer  ugs. · Maulaffe  ugs., abwertend

Typische Verbindungen zu ›staunen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›staunen‹.

Ard-zuschauer Bauklotz Besucher Betrachter Fachmann Fachwelt Fr-leser Fußball-welt Laie Leser-reporter Modedesigner Passante Publikum Tennis-welt Trainings-kiebitz Tv-zuschauer Waldbauer Zdf-zuschauer Zuhörer Zuschauer da darueber darüber ehrfürchtig manchmal nur schlecht ungläubig worüber

Verwendungsbeispiele für ›staunen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn man aber den Fuß erst einmal an Land gesetzt hat, dann darf man staunen. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 603]
Wenn die Post funktionieren würde, würdest Du staunen und Du hättest wieder von mir Päckchen. [Brief von Ernst G. an Irene G. vom 11.12.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Wenn man älter wird, staunt man eher über die Überlebenden. [Die Zeit, 21.10.1999, Nr. 43]
Wenn man bedenkt, daß dies alles schon vor 30 Jahren angefangen hat, dann darf man staunen, wie lebendig das noch ist. [Die Zeit, 26.11.1998, Nr. 49]
Ich mußte selbst staunen, ich lief so schnell, daß ich das Tempo wirklich nicht sehr verringern mußte. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 29.05.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Zitationshilfe
„staunen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/staunen>.

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