staunen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungstau-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›staunen‹ als Letztglied: ↗anstaunen · ↗erstaunen  ·  mit ›staunen‹ als Grundform: ↗bestaunen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
eine ungewöhnliche Sache, Person mit Verwunderung wahrnehmen
Beispiele:
er staunte, dass es schon dunkel wurde
»das soll alles sein?« staunt er
neugierig, unverwandt, ungläubig, fassungslos staunen
umgangssprachlich er staunte nicht schlecht, als er mich plötzlich wiedersah
umgangssprachlich, scherzhaft da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich
salopp Bauklötze staunen
der staunende Beobachter
etw. mit staunenden Augen betrachten
staunend dastehen, blicken, zuhören
»Wir haben uns lange nicht gesehen«, sagte er mit staunendem Lächeln [KreuderGesellschaft5]
über etw., jmdn. staunenüber etw., jmdn. verwundert sein
Beispiele:
über diesen Zufall staunst du wohl?
wir staunten über diesen einfältigen Menschen
2.
einem bedeutenden Werk, einer hervorragenden Persönlichkeit Bewunderung entgegenbringen
Beispiele:
sie staunte, wie schön das Gemälde war
ehrlich, ergriffen, begeistert staunen
über etw., jmdn. staunen
über etw., jmdn. voll Bewunderung sein
Beispiele:
über ein Kunstwerk, einen Dichter staunen
eine staunende Menge, Welt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

staunen · erstaunen · erstaunlich
staunen Vb. ‘verwundert sein’, im 18. Jh. von dem Schweizer A. v. Haller in die Literatursprache eingeführt, schweiz. stūnen ‘in Gedanken versunken vor sich hinblicken’, eigentlich ‘starr sein, starr blicken’. Vergleichbar ist mnd. stǖnen, mnl. stunen ‘sich widersetzen’ und wohl auch griech. stȳ́ein (στύειν) ‘steif emporrichten’, aind. sthū́ṇā ‘Pfosten, Pfeiler, Säule’, so daß Anschluß an die schwundstufige Form der Erweiterung ie. *st(h)āu-, *st(h)ū- (s. ↗stauen, ↗Staude, ↗stützen) der unter ↗stehen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ möglich ist. Im Hd. früher bezeugt ist erstaunen Vb. ‘in Verwunderung versetzen, geraten’ (16. Jh.), ebenfalls aus dem Schweiz., eigentlich ‘erstarren, vor Verwunderung starr werden’. erstaunlich Adj. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(erst einmal) nichts zu sagen wissen · (sehr) erstaunt sein · ↗(sich) wundern · ↗angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · ↗bestaunen · ↗bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit offenem Mund dastehen · nicht schlecht staunen (Verstärkung) · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · staunen · verwundert anstarren  ●  (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen (Verstärkung)  ugs. · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft
Assoziationen
  • außer Fassung · ↗entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges (humor. altertümelnd)  geh. · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (sich) (verwundert) die Augen reiben · ↗(sich) wundern · (ungläubig) den Kopf schütteln · erstaunt sein (über) · verdutzt sein  ●  (jemanden) mit großen Augen anschauen  ugs., variabel · (jemanden) ungläubig anschauen  ugs. · mit den Ohren schlackern  ugs. · verdattert sein  ugs. · vonne Socken sein  ugs., ruhrdt.
  • (etwas) nicht fassen können · (etwas) nicht glauben wollen · nicht bedacht haben · nicht eingestellt (gewesen) sein auf · nicht gerechnet haben (mit) · überrascht werden (von)  ●  (völlig) überrascht (sein)  Hauptform · (für jemanden / jemandem) sehr plötzlich kommen  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · aus allen Wolken fallen  ugs., fig. · kalt erwischt werden  ugs. · mit etwas überhaupt nicht gerechnet haben  ugs. · nicht auf dem Schirm (gehabt) haben  ugs., fig.
  • erstaunt · ↗perplex · ↗platt · ↗sprachlos · verblüfft · ↗verdattert · ↗verdutzt · verwundert  ●  ↗baff  ugs. · bass erstaunt (Verstärkung)  geh., veraltend · geplättet  ugs., fig. · platt wie 'ne Flunder (Verstärkung)  ugs. · platt wie eine Briefmarke  ugs.
  • Neugieriger · Schaulustiger · Umstehender · ↗Zaungast  ●  ↗Gaffer  ugs. · ↗Maulaffe  ugs., abwertend
  • du wirst es kaum für möglich halten · du wirst es kaum glauben · man glaubt es kaum · ob du es glaubst oder nicht · so unglaublich es auch klingt  ●  du machst dir (ja) keine Vorstellung!  ugs. · tataa!  ugs. · und jetzt halt dich fest: ...  ugs.
  • schreckgeweitet (Augen)  ●  vor Schreck weit auf(gerissen)  ugs.
  • (na) der wird sich (aber) wundern! · der wird Augen machen!

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauklotz Besucher Betrachter Fachmann Fachwelt Fan Laie Leser Passant Publikum Spaziergänger Tourist Tribüne Zuhörer Zuschauer anstaunen bewundern da darüber ehrfürchtig gucken lachen manchmal schlecht schmunzeln selbst staunen stutzen ungläubig wundern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›staunen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer das Büro betritt, staunt erstmal ausgiebig zum Fenster hinaus.
Der Tagesspiegel, 09.09.2001
Und wieder staunt der Leser, staunt wohl vor allem über sein Staunen.
Die Welt, 01.04.2000
Ich mußte selbst staunen, ich lief so schnell, daß ich das Tempo wirklich nicht sehr verringern mußte.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 29.05.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Du staunst wohl über mich, weil ich so heiter aufgelegt bin?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.08.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Und Du wirst staunen, nein, ich glaube, Du mußt Dich sogar setzen, denn wann habe ich Dir mal so viel zu lesen geschickt.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 15.08.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„staunen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/staunen>, abgerufen am 18.10.2019.

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