stechen

GrammatikVerb · sticht, stach, hat/ist gestochen
Aussprache
Worttrennungste-chen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›stechen‹ als Erstglied: ↗Stechapfel · ↗Stechbeitel · ↗Stecheisen · ↗Stecherei · ↗Stechfliege · ↗Stechheber · ↗Stechkarte · ↗Stechmücke · ↗Stechpalme · ↗Stechrüssel · ↗Stechschloss · ↗Stechschritt · ↗Stechuhr · ↗Stechzirkel
 ·  mit ›stechen‹ als Letztglied: ↗abstechen · ↗anstechen · ↗aufstechen · ↗ausstechen · ↗bestechen · ↗durchstechen · ↗einstechen · ↗erstechen · ↗herausstechen · ↗hervorstechen · ↗hineinstechen · ↗niederstechen · ↗totstechen · ↗umstechen2 · ↗umstechen1 · ↗zerstechen · ↗zustechen · ↗überstechen
 ·  mit ›stechen‹ als Grundform: ↗Stechen · ↗gestochen · ↗stechend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
mit einem spitzen Gegenstand, mit einer spitzen Waffe zustoßen, jmdn. verletzen
Beispiele:
Mücken, Disteln stechen
die Rose sticht mit ihren Dornen
er wurde von einer Wespe gestochen
er stach ihn, ihm mit dem Messer in den Rücken
die Biene stach ihn, ihm mit ihrem Stachel in die Hand
er stach sich [Dativ] einen Splitter in den Fuß
fachsprachlich Schweine, Kälber stechen (= schlachten)
Jägersprache Schnepfen stechen sich (= stoßen sich bei der Balz mit dem Stecher)
vulgär er blutete wie ein gestochenes Schwein (= er blutete sehr)
umgangssprachlich sie rannte weg, wie von der Tarantel gestochen (= sie lief sehr schnell weg)
bildlich
Beispiele:
die Schlange sticht (= beißt)
umgangssprachlich ihre Lästerzunge sticht (= sie führt verletzende Reden)
Er ... stach beständig mit dem rechten Zeigefinger in die Luft [Th. MannTristan9,170]
nach jmdm. (mit etw.) stechenjmdn. (mit etw.) zu verletzen suchen
Beispiel:
mit dem Dolch nach jmdm. stechen
seine Augen stechenseine Augen blicken scharf, durchbohrend
Beispiele:
stechende Augen haben
Sobald sie aber ... etwas sann, hatten diese Augen einen stechenden und starren Blick [FedererBerge274]
übertragen
Beispiele:
jmdm. den Star stechen (= jmdm., der eine falsche Vorstellung von etw. hat, den wahren Sachverhalt klarmachen)
in ein Wespennest stechen (= eine heikle Angelegenheit berühren, aufdecken)
salopp ihn sticht der Hafer (= er ist übermütig)
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
Kartenspiel Karo stichtKaro übertrifft an Wert alle anderen Farben
Beispiele:
Eichel sticht
welche Farbe soll stechen?
jmd. sticht
jmd. gibt eine Karte mit einem höheren Wert als die anderen Teilnehmer ins Spiel
Beispiel:
einen König mit dem Ass stechen
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
fachsprachlich mit einem spitzen Werkzeug, mit einer spitzen Vorrichtung
a)
etw. in etw. bohren, eingraben
Beispiele:
der Apparat stach mit einer feinen Nadel Löcher in einen Papierstreifen
ein Monogramm, die Zeichnung mit dem Stichel in Kupfer, Stahl stechen
seine Schrift sieht wie gestochen (= gleichmäßig und sauber, wie gedruckt) aus
Fast jeder [in Frankreich] ... sticht auf Metallplatten Figuren, Blumen oder Früchte [Bild. Kunst1956]
bildlich
Beispiel:
das Bild war gestochen scharf (= sehr scharf)
b)
etw. aus etw. herausholen
Beispiele:
Aale, Hechte stechen (= mit einem spitzen Fanggerät aus dem Wasser fischen)
Rasen, Torf stechen (= mit dem Spaten aus der Erde ausheben)
Spargel mit dem Messer stechen
Jägersprache der Dachs sticht nach Engerlingen (= wühlt die Erde nach ihnen auf)
c)
Beispiele:
die Kontrolluhr (= Löcher in den Papierstreifen der Kontrolluhr) stechen
Jägersprache die Büchse stechen (= das Stechschloß spannen)
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. stichtetw. schmerzt brennend, beißend
Beispiele:
der Rauch stach (= biss schmerzhaft) in die Augen
die Leber sticht
es sticht mir, mich (= ich fühle schmerzhafte Stiche) in der Brust
der Bart, die raue Wolle sticht (= kratzt)
eine stechende (= scharfe, beißende) Kälte
der stechende Geruch des Chlors
stechende (= von heftigen Stichen begleitete) Schmerzen haben
ihn plagte ein Stechen in der Seite
die Sonne sticht (= scheint grell und brennend heiß)
umgangssprachlich, bildlich etw. sticht jmdn.etw. plagt, reizt jmdn.
Beispiele:
die Neugier, der Ehrgeiz stach ihn
Diese Herren sticht unser Wohlstand [HagelstangeSpielball9]
etw. sticht jmdm. in die Augenetw. erweckt in jmdm. Verlangen
Beispiel:
der kostbare Pelz stach ihr in die Augen
salopp etw. sticht jmdm. in die Nase
Beispiel:
salopp seine Villa stach ihm in die Nase [WelkGrambauer261]
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. sticht aus, in etw.etw. ragt aus etw. heraus, in etw. hinein
Beispiele:
der Turm sticht hoch in den Himmel
Ihre Nase stach spitz aus dem graugelben Gesicht [NachbarMond145]
bildlich
Beispiel:
die Farbe sticht ins Grüne (= geht ins Grüne über, spielt ins Grüne hinüber)
6.
mit Hilfsverb ›ist‹
Seemannssprache in See stechenauf die offene See hinausfahren, den Hafen verlassen
Beispiele:
das Schiff ist in See gestochen
sie stechen in den Wind (= segeln dicht beim Wind)
7.
mit Hilfsverb ›hat‹
Reiten ein unentschiedenes Springturnier durch Wiederholung entscheiden
Beispiele:
es musste gestochen werden
Nach dem ersten Durchgang kam es für drei Teilnehmer zum Stechen um den Sieg [Tageszeitung1954]
8.
mit Hilfsverb ›hat‹
historisch im Turnier mit der Lanze kämpfen
Beispiel:
der Ritter stach seinen Gegner aus dem Sattel, vom Pferd (= stieß ihn mit der Lanze vom Pferd herunter)
salopp, übertragen
Beispiele:
das ist weder gehauen noch gestochen (= das ist nichts Rechtes, Ordentliches)
es ging auf Hauen und Stechen (= es kam zu heftigen Auseinandersetzungen)
Jetzt hat das Hauen und Stechen begonnen [Tageszeitung1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stechen · ausstechen · Stecher · Stechapfel · Stechpalme · abstechen · Abstecher · anstechen · Anstich
stechen Vb. ‘mit einer Spitze verletzen bzw. in etw. eindringen’, ahd. stehhan (um 800), mhd. stechen (auch ‘turnieren’), asächs. stekan, mnd. mnl. stēken, nl. steken, afries. steka (westgerm. *stekan) führen mit den unter ↗stecken, ↗Stachel, ↗Stake (s. d.) genannten Formen sowie mit ahd. stehhōn ‘anstacheln, erstechen’ (8. Jh.), got. staks ‘Wundmal’ auf ie. *(s)teg-. Demgegenüber setzen die außergerm. Verben und Nomina aind. tḗjatē ‘ist, wird scharf, schärft’, tigmáḥ ‘scharf, spitzig, heiß, heftig’, griech. stízein (στίζειν) ‘stechen, punkten, tätowieren, brandmarken’, stígma (στίγμα) ‘Stich, Brandmal, Malzeichen, Kennzeichen’, lat. īnstīgāre ‘anstacheln, anspornen, aufreizen’ ie. *(s)teig-, *(s)tig- voraus. Mit Sicherheit liegt eine ie. Ausgangsform mit i-Vokal bzw. i-Diphthong auch in aengl. stician ‘stechen, durchstoßen’, engl. to stick ‘stechen, stoßen, stecken’, einem Teil der unter ↗Stecken (s. d.) genannten Formen sowie in ablautendem anord. steikja ‘braten’, eigentlich ‘an den Bratspieß stecken’, vor. Bei einer Reihe verwandter Wörter aber (s. ↗Stich, ↗Stichel, ↗sticken, ↗ersticken) bleibt offen, ob das i der Wurzelsilbe aus dem Ie. ererbt oder (außerhalb des Got.) durch ein ursprüngliches i bzw. j der Folgesilbe aus e entstanden ist. Ie. *(s)teig-, *(s)tig- und die Variante *(s)teg- ‘stechen, spitz, Stange, Pfahl, Stock’ sind Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *(s)tei- ‘spitzig’, die unerweitert in lat. stilus, stimulus (s. ↗Stil, ↗stimulieren) enthalten ist. ausstechen Vb. ‘durch Stechen herausnehmen oder entfernen’, asächs. ūtstekan, spätmhd. ūʒstechen; auch ‘beim Turnier aus dem Sattel stechen’, daher ‘jmdn. von seinem Platze verdrängen, seine Stellung einnehmen, ihn übertreffen’ (17. Jh.). Stecher m. ‘wer sticht’, mhd. stechære, stecher, auch ‘gedungener Mörder, Turnierkämpfer, stechende Waffe, Dolch’; vgl. Kupferstecher, s. auch ↗Feldstecher. Stechapfel m. giftiges Nachtschattengewächs mit stachligen Früchten (16. Jh.). Stechpalme f. Strauch mit glänzenden, stachligen Blättern, dessen immergrüne Zweige vielfach am Palmsonntag geweiht und in der Prozession mitgeführt werden (16. Jh.). abstechen Vb. ‘mit einem Stichwerkzeug abtrennen, durch einen Stich schlachten, ablaufen lassen, markieren, abgrenzen, sich von oder gegen etw. abheben’, mhd. abestechen ‘abtrennen, durchtrennen, schlachten, durch Stechen (im Turnier) besiegen, übertreffen’. Abstecher m. ‘kleiner, von der vorgegebenen Route abweichender Ausflug’ (18. Jh., zuvor nd. affsteker, um 1700), zu abstechen in der älteren Bedeutung ‘sich entfernen, davonmachen’ (16. Jh.). anstechen Vb. ‘in etw. hineinstechen, es damit öffnen’ (ein Faß), mhd. anestechen ‘anzapfen’, auch ‘antreiben (mit den Sporen), Feuer anlegen’, ahd. anastehhan ‘hineinstechen’ (9. Jh.). Anstich m. ‘das Anzapfen’ (eines Fasses, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausstechen · ↗durchlöchern · ↗durchstechen · ↗einstechen · ↗lochen · ↗stanzen · stechen · ↗stoßen  ●  ↗piercen  engl. · ↗piken  ugs. · ↗piksen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
stechen  ●  ↗punktieren  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Bauch Biene Brust Hafer Hals Hinterhand Joker Messer Mittelhand Mücke Nadel Rücken See Spargel Trumpf Vorhand Wespe Wespennest abstechen anstechen ausstechen durchstechen einstechen herausstechen hervorstechen hineinstechen nieder niederstechen zustechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Plötzlich zieht der eine ein Messer, sticht wie von Sinnen immer wieder seinem Opfer in den Rücken.
Bild, 17.01.2004
Unsere Logik sticht immer noch, weil sich die Zahlen binnen weniger Tage nicht verändert haben.
Der Spiegel, 29.05.2000
Am meisten ins Auge stechen die vielen Formen, die sich aus der fügsamen Masse gießen lassen.
Der Tagesspiegel, 09.12.1999
Das bläuliche Licht des Rauches stach ihr in die Augen.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 305
Bevor er aber ein radikales Ende mit sich macht, wird ihm auf eine Weise, die ich hier nicht bezeichne, der Star gestochen.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 6
Zitationshilfe
„stechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stechen>, abgerufen am 26.04.2019.

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