stehlen
GrammatikVerb · stiehlt, stahl, hat gestohlen
Worttrennungsteh-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›stehlen‹ als Erstglied: ↗Stehler · ↗Stehlerei · ↗stehlsüchtig
 ·  mit ›stehlen‹ als Letztglied: ↗abstehlen · ↗davonstehlen · ↗einstehlen · ↗fortstehlen · ↗hereinstehlen · ↗hinausstehlen · ↗hineinstehlen · ↗hinstehlen · ↗wegstehlen
 ·  Ableitung von ›stehlen‹: ↗bestehlen  ·  formal verwandt mit: ↗Diebstahl
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. jmdm. heimlich und widerrechtlich wegnehmen, entwenden
Beispiele:
Geld, Schmuck stehlen
der Dieb hat ihm die Uhr gestohlen
umgangssprachlich er stiehlt wie ein Rabe, wie eine Elster
umgangssprachlich, scherzhaft woher nehmen und nicht stehlen? (= das besitze ich leider nicht)
bildlich
Beispiele:
jmdm. die Ruhe, den Schlaf stehlen (= ihn darum bringen)
jmdm. die Zeit stehlen (= jmdn. von der Arbeit abhalten)
umgangssprachlich jmdm. den letzten Bissen vom Mund stehlen (= jmdm. alles wegnehmen)
umgangssprachlich jmdm. die Schau stehlen
umgangssprachlich mit dem kann man Pferde stehlen (= mit dem kann man alles unternehmen)
salopp dem lieben Gott den Tag stehlen (= faulenzen)
salopp er kann mir gestohlen bleiben (= ich will nichts von ihm wissen)
aber jetzt muß er meine Ideen stehlen [BrechtDreigroschenroman177]
2.
sich irgendwohin stehlensich heimlich irgendwohin begeben, schleichen
Beispiele:
sich aus dem Haus stehlen
er stahl sich leise ins Zimmer
gehoben, bildlich
Beispiele:
ein Seufzer stahl sich aus ihrer Brust
Und dann stiehlt sich ein Lächeln in sein Gesicht [LoestSportgesch.287]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehlen Vb. ‘jmdm. etw. wegnehmen, entwenden, sich unrechtmäßig aneignen’, ahd. stelan (8. Jh.), mhd. stel(e)n, auch refl. ‘sich heimlich wegbegeben’, mnd. mnl. stēlen, nl. stelen, afries. stela, asächs. aengl. stelan, engl. to steal, anord. stela, schwed. stjäla, got. stilan (germ. *stelan). Keine gesicherten Anschlußmöglichkeiten. Wenn griech. stéresthai (στέρεσθαι) ‘beraubt sein, entbehren, verlustig gehen’ und mir. serb (aus *steru̯ā) ‘Diebstahl’ vergleichbar sind, so kann von einer Wurzel ie. *ster- ‘rauben, stehlen’ mit einer für das Germ. verbindlichen Variante *stel- ausgegangen werden, sofern man das im Germ. auftretende -l- nicht aus einer Kreuzung mit dem unter ↗hehlen (s. d.) genannten Verb erklären will. Die seit dem Mhd. begegnende refl. Verwendung ‘sich heimlich davonmachen’ (vgl. stahl ich mich aus Carlsbad Goethe) wird vornehmlich in nhd. sich davonstehlen (vgl. mhd. sich dan stelen, spätmhd. sich von dannen stelen) und sich wegstehlen (vgl. mhd. sich enwec stelen) bewahrt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) bestehlen · (sich) an fremden Sachen vergreifen · (sich) widerrechtlich aneignen · ↗entwenden · ↗ergaunern  ●  das Bezahlen vergessen  ironisch · stehlen  Hauptform · ↗(einfach) mitnehmen  ugs. · ↗(etwas) organisieren  ugs. · ↗(jemanden) beklauen  ugs. · ↗(sich) bedienen  ugs., verhüllend, ironisch · (sich) einfach (weg)nehmen (ohne zu bezahlen)  ugs. · böhmisch einkaufen  derb, österr. · ↗klauen  ugs. · lange Finger machen  ugs. · ↗mausen  ugs. · mitgehen lassen  ugs. · ↗mopsen  ugs. · polnisch einkaufen  derb · ↗stibitzen  ugs. · vergessen zu bezahlen  ugs., ironisch, variabel
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auto Autoradio Bargeld Brieftasche Computer Diebe Einbrecher Einbruch Fahrrad Geldbörse Gemälde Handtasche Handy Laptop Nacht Portemonnaie Schau Schmuck Show Tresor Täter Unbekannte Verantwortung Wagen Zigaretten aufgebrochen davonstiehlt eingebrochen lügt mordet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stehlen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immerhin ist es ihre Profession, jedem anderen nach Kräften die Schau zu stehlen.
Die Welt, 08.12.2000
Aber die Reifen passten nicht, und so stahl der Teenager einen Jeep.
Der Tagesspiegel, 27.10.2000
Ich muß mir morgen eine ruhige Stunde stehlen, dann kann ich doch eher einen vernünftigen Brief auf die Beine bringen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 24.04.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Für sie hatte er gestohlen, aber er stellte sich ungeschickt an.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 411
Während er bewußtlos war, hat man ihm seine Uhr gestohlen.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 1
Zitationshilfe
„stehlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stehlen>, abgerufen am 23.01.2018.

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