Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

stehlen

Grammatik Verb · stiehlt, stahl, hat gestohlen
Aussprache 
Worttrennung steh-len
Wortbildung  mit ›stehlen‹ als Erstglied: Stehler · Stehlerei · Stehlsucht · stehlsüchtig
 ·  mit ›stehlen‹ als Letztglied: abstehlen · bestehlen · davonstehlen · einstehlen · fortstehlen · hereinstehlen · hinausstehlen · hineinstehlen · hinstehlen · wegstehlen
 ·  formal verwandt mit: Diebstahl

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. jmdm. heimlich und widerrechtlich wegnehmen, entwenden
    1. [bildlich] ...
  2. 2. ⟨sich irgendwohin stehlen⟩ sich heimlich irgendwohin begeben, schleichen
    1. [gehoben, bildlich] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. jmdm. heimlich und widerrechtlich wegnehmen, entwenden
Beispiele:
Geld, Schmuck stehlen
der Dieb hat ihm die Uhr gestohlen
umgangssprachlicher stiehlt wie ein Rabe, wie eine Elster
umgangssprachlich, scherzhaftwoher nehmen und nicht stehlen? (= das besitze ich leider nicht)
bildlich
Beispiele:
jmdm. die Ruhe, den Schlaf stehlen (= ihn darum bringen)
jmdm. die Zeit stehlen (= jmdn. von der Arbeit abhalten)
umgangssprachlichjmdm. den letzten Bissen vom Mund stehlen (= jmdm. alles wegnehmen)
umgangssprachlichjmdm. die Schau stehlen
umgangssprachlichmit dem kann man Pferde stehlen (= mit dem kann man alles unternehmen)
saloppdem lieben Gott den Tag stehlen (= faulenzen)
salopper kann mir gestohlen bleiben (= ich will nichts von ihm wissen)
aber jetzt muß er meine Ideen stehlen [ BrechtDreigroschenroman177]
2.
sich irgendwohin stehlensich heimlich irgendwohin begeben, schleichen
Beispiele:
sich aus dem Haus stehlen
er stahl sich leise ins Zimmer
gehoben, bildlich
Beispiele:
ein Seufzer stahl sich aus ihrer Brust
Und dann stiehlt sich ein Lächeln in sein Gesicht [ LoestSportgesch.287]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehlen Vb. ‘jmdm. etw. wegnehmen, entwenden, sich unrechtmäßig aneignen’, ahd. stelan (8. Jh.), mhd. stel(e)n, auch reflexiv ‘sich heimlich wegbegeben’, mnd. mnl. stēlen, nl. stelen, afries. stela, asächs. aengl. stelan, engl. to steal, anord. stela, schwed. stjäla, got. stilan (germ. *stelan). Keine gesicherten Anschlußmöglichkeiten. Wenn griech. stéresthai (στέρεσθαι) ‘beraubt sein, entbehren, verlustig gehen’ und mir. serb (aus *steru̯ā) ‘Diebstahl’ vergleichbar sind, so kann von einer Wurzel ie. *ster- ‘rauben, stehlen’ mit einer für das Germ. verbindlichen Variante *stel- ausgegangen werden, sofern man das im Germ. auftretende -l- nicht aus einer Kreuzung mit dem unter hehlen (s. d.) genannten Verb erklären will. Die seit dem Mhd. begegnende reflexive Verwendung ‘sich heimlich davonmachen’ (vgl. stahl ich mich aus Carlsbad Goethe) wird vornehmlich in nhd. sich davonstehlen (vgl. mhd. sich dan stelen, spätmhd. sich von dannen stelen) und sich wegstehlen (vgl. mhd. sich enwec stelen) bewahrt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich an fremden Sachen) vergreifen  ●  (etwas) entwenden  Amtsdeutsch · (etwas) stehlen  Hauptform · (sich bei etwas) bedienen  verhüllend · (sich) widerrechtlich aneignen  juristisch · auf's Bezahlen vergessen  ironisch · (etwas) klauen  ugs. · (etwas) mausen  ugs. · (etwas) mitgehen lassen  ugs., scherzhaft · (etwas) mopsen  ugs. · (etwas) organisieren  derb · (etwas) schnipfen  ugs., bairisch · (etwas) stibitzen  ugs. · (sich etwas) besorgen  ugs., verhüllend · (sich etwas) einfach nehmen  ugs. · (sich etwas) klemmen  ugs. · böhmisch einkaufen  derb, selten · lange Finger machen  ugs. · polnisch einkaufen  derb, selten
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) davonschleichen · (sich) davonstehlen · (sich) fortstehlen · (sich) heimlich davonmachen · (sich) verdrücken  ●  (sich) in die Büsche schlagen  fig. · (sich) stehlen (aus)  auch figurativ · (sich) verflüchtigen  scherzhaft · (sich) von der Truppe entfernen  fig. · (sich) abseilen  ugs., fig. · (sich) dünne machen  ugs. · (sich) dünnemachen  ugs. · (sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · (sich) verpissen  derb · entschwinden (lit.)  geh., scherzhaft, literarisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›stehlen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stehlen‹.

Verwendungsbeispiele für ›stehlen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn es geht um sehr viel mehr als um gestohlenes Geld. [Die Zeit, 27.12.2010 (online)]
Durch etwa fünf bis acht Hände geht ein gestohlenes Werk. [Die Zeit, 24.05.2010, Nr. 21]
Er stahl noch gar nichts, und sie traten ihn schon. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 348]
Während er bewußtlos war, hat man ihm seine Uhr gestohlen. [Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 1]
Das erst vor wenigen Monaten in Rom gestohlene Bild hatte gerade für wenige Tausend Euro den Besitzer gewechselt, hieß es. [Die Zeit, 04.06.2007 (online)]
Zitationshilfe
„stehlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stehlen>.

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