steif

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›steif‹ als Erstglied: ↗Steifigkeit · ↗Steifleinen · ↗steifbeinig · ↗steifgestärkt · ↗steifhalten
 ·  mit ›steif‹ als Letztglied: ↗bocksteif · ↗bolzensteif · ↗bolzsteif · ↗froststeif · ↗halbsteif · ↗stocksteif
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
in der Bewegung gehemmt, starr
Beispiele:
ein steifes Gelenk, ein steifer Fuß, Rücken
eine steife Hand
ein steifes Bein haben
sie bekam durch die Erkältung einen steifen Hals
meine Finger sind ganz steif
im Alter werden die Glieder steif
ich bin steif vor Kälte
sie wurde vor Schreck ganz steif
steif sitzen
vor Überraschung blieb er steif (= regungslos) und starr stehen
die Arme steif halten
seine Zehen sind steif gefroren
umgangssprachlich sich steif machen
umgangssprachlich steif sein wie ein Brett, Stock
umgangssprachlich So lagen wir steif wie Mumien im Bett [RennKindheit26]
ungelenk
Beispiele:
ein steifer Gang
er ging in steifer Haltung
mit steifen Schritten kommen
seine Bewegungen sind steif
bildlich
Beispiel:
einen steifen Nacken haben (= unbeugsam sein)
übertragen
Beispiele:
ein steifer (= schwerfälliger) Stil
umgangssprachlich etw. steif und fest (= hartnäckig) behaupten
2.
beständig in Form und Festigkeit, nicht biegsam
Beispiele:
ein steifer Hut
eine steife Pappe
steife (= gestärkte) Wäsche
ein steifer Kragen
eine steife Leinwand
das Hemd ist steif gestärkt
3.
erstarrt, fest
Beispiele:
ein steifer Pudding
einen steifen Brei kochen
das Eiweiß steif schlagen
4.
von starker Wirkung, hoher Intensität
Beispiele:
ein steifer Frost
ein steifer Sturm
gegen Abend kam eine steife Brise auf
der Wind stand steif aus Südost
es weht steif aus Nordwest
ein steifer (= stark gebrauter) Grog, Kaffee
bald sind sie allein mit der steifen (= stark bewegten) See ringsum [WeisenbornMädchen173]
5.
förmlich, ohne Wärme
Beispiele:
ein steifer Mensch, steifes Zeremoniell
eine steife Gesellschaft
eine steife (= keine Behaglichkeit verbreitende) Pracht
er ist immer steif und zugeknöpft
steif und förmlich bleiben
steif und vornehm tun
bei ihnen geht es stets steif zu
sich steif begrüßen
[zwei Schulräte] tragen das Feiertagskleid mit einer gewissen steifen Würde [FedererGeschichten328]
Fernand ... gab sich steif und verärgert [Feuchtw.Narrenweisheit267]
gezwungen
Beispiele:
ein steifes Benehmen, Lächeln, Gespräch
eine steife Höflichkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

steif · Steife · Steifheit · steifen · versteifen
steif Adj. ‘nicht biegsam, starr, förmlich im Umgang’, spätmhd. stīf ‘starr, fest, aufrecht, wacker, stattlich’. Das im 14. Jh. vom Niederrhein. ins Hd. eingedrungene Adjektiv mnd. stīf, mnl. nl. stijf, aengl. stīf ‘unbiegsam, starr, fest, hart’, engl. stiff ist verwandt mit afries. stīva ‘steif sein’ und den (ablautenden) unter ↗Stift (s. d.) genannten Formen. Außergerm. schließen sich an lat. stīpes ‘Pfahl, Stamm, Stock, Stange’, lat. stīpāre ‘dicht zusammendrängen’, (ablautend) stipula ‘Strohhalm’, lit. stìpti ‘erstarren, verenden’, stiprùs ‘stark’ sowie griech. sté͞ibein (στείβειν) ‘(auf etw.) treten, durch Treten dicht machen, fest-, zertreten’, aruss. stьblo, stьblь, russ. stébel’ (стебель) ‘Stengel’ und lit. stíebas ‘Mastbaum, Säule, Stamm, Stengel’. Zugrunde liegt ie. *stē̌ip-, *stī̌p- bzw. *stē̌ib(h)-, *stī̌b(h)- ‘Stange, Stecken; steif; zusammendrängen’. steif ‘unbiegsam, starr, aufrecht’ bezeichnet zuerst wohl eine Eigenschaft von hölzernen Pfählen. Steife f. ‘Zustand, Eigenschaft des Unbiegsamseins’ (16. Jh.) neben älterem gleichbed. Steifheit f. (15. Jh.), übertragen ‘förmliches, unzugängliches Wesen und Verhalten’ (18. Jh.). steifen Vb. ‘steif machen, stärken’ (16. Jh.), aus dem Nd. bzw. Nl., vgl. mnd. stīven, nl. stijven. versteifen Vb. ‘(mit Stützen) steif machen, stärken, steif werden’ (um 1800), reflexiv ‘hartnäckig auf etw. bestehen’ (1. Hälfte 19. Jh.), vgl. mnd. vorstīven ‘steif werden oder machen’, übertragen ‘hartnäckig machen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
formell · ↗förmlich · ↗unpersönlich  ●  steif  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bewegungslos · feststehend · ↗immobil · ↗rigide · ↗starr · ↗statisch · steif · ↗unbeweglich · ↗unveränderlich
Assoziationen
Synonymgruppe
fest · ↗starr · steif · verkrampft · verspannt
Synonymgruppe
frostklamm · ↗klamm · steif · steifgefroren · ↗verfroren
Synonymgruppe
fest · ↗glatt · steif (Stoff)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Brise Eischnee Fahrgastzelle Förmlichkeit Gegenwind Gelenk Genick Glied Grog Hals Hemdkragen Hut Hüfte Karosserie Karosseriestruktur Krage Kragen Nacken Oberlippe Verbeugung Zeremoniell fest gefroren geschlagen starr stumm unbeholfen unbeweglich ungelenk

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›steif‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit steifem Hals mussten sie die medizinische Abteilung ihrer Teams besuchen.
Der Tagesspiegel, 21.06.2001
Am nächsten Tag sah das zerbrechliche Papier, steif vor Farbe, immer noch nach etwas aus.
Süddeutsche Zeitung, 03.06.1995
Meine Finger wurden so steif, daß ich nicht schreiben konnte.
Maron, Monika: Stille Zeile Sechs, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1991, S. 133
Endlich hatte er sich bis dicht an die steifen Hüte herangedrängt.
Kästner, Erich: Emil und die Detektive, Hamburg: Dressler 1991 [1928], S. 54
Wir haben bisher hier, im Vergleich zu anderen Orten, ein idyllisches Leben geführt; das hat nunmehr aufgehört, und wir werden die Ohren steif halten müssen.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8009
Zitationshilfe
„steif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/steif>, abgerufen am 16.10.2019.

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