steigen

GrammatikVerb · stieg, ist gestiegen
Aussprache
Worttrennungstei-gen
Wortbildung mit ›steigen‹ als Erstglied: ↗Steigbügel · ↗Steigeisen · ↗Steigeleitung · ↗Steiger · ↗Steiggeschwindigkeit · ↗Steighöhe · ↗Steigleitung · ↗Steigriemen · ↗Steigrohr · ↗Steigung · ↗steigfähig
 ·  mit ›steigen‹ als Letztglied: ↗absteigen · ↗ansteigen · ↗aufsteigen · ↗aussteigen · ↗bergsteigen · ↗drübersteigen · ↗durchsteigen · ↗einsteigen · ↗emporsteigen · ↗ersteigen · ↗herabsteigen · ↗heraufsteigen · ↗heraussteigen · ↗hereinsteigen · ↗herniedersteigen · ↗heruntersteigen · ↗hinabsteigen · ↗hinaufsteigen · ↗hineinsteigen · ↗hinuntersteigen · ↗hinübersteigen · ↗hochsteigen · ↗nachsteigen · ↗niedersteigen · ↗reinsteigen · ↗umsteigen · ↗zusteigen · ↗übersteigen
 ·  mit ›steigen‹ als Grundform: ↗besteigen · ↗entsteigen · ↗versteigen
 ·  formal verwandt mit: ↗Treppensteigen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die Füße kräftig aufsetzend
a)
nach oben, einem hochgelegenen Ort gehen
Beispiele:
bergauf steigen
im Gebirge steigen
langsam, schnell steigen
er kann gut steigen
auf einen Berg, Turm steigen
b)
sich irgendwohin begeben
Beispiel:
umgangssprachlich bald müssen wir wieder steigen (= aufbrechen)
mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
auf etw. steigen
Beispiele:
auf einen Stuhl steigen
er stieg aufs Fahrrad
in Verbindung mit »aus«
aus etw. steigen
Beispiele:
aus dem Zug, dem Fenster steigen
der Reiter stieg aus dem Sattel (= der Reiter stieg ab)
umgangssprachlich aus dem Bett steigen (= aufstehen)
in Verbindung mit »durch«
durch etw. steigen
Beispiele:
durch das Fenster steigen
umgangssprachlich dann sind Sie ja ... durch ganz Netzig gestiegen (= gelaufen) [H. MannUntertan4,15]
in Verbindung mit »in«
in etw. steigen
Beispiele:
in das Auto steigen
in den Keller steigen
in Verbindung mit »von«, »vom«
von etw. steigen
Beispiel:
vom Pferd steigen
bildlich mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
die revolutionären Arbeiter stiegen auf die Barrikaden (= erhoben sich)
salopp jmdm. aufs Dach, auf den Kopf steigen (= jmdn. tadeln)
in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
umgangssprachlich Sie stieg aus dem grauen Wollrock (= zog den grauen Wollrock aus) [H. W. RichterSpuren223]
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
umgangssprachlich in die Kleider steigen (= die Kleider anziehen)
umgangssprachlich in die Prüfung, ins Examen steigen (= die Prüfung, das Examen ablegen)
in den Ring steigen (= zum Boxen, Ringen antreten)
in Verbindung mit »zu«
Beispiel:
Jägersprache der Auerhahn steigt zu Baume (= der Auerhahn fliegt auf den Baum)
2.
etw. steigtetw. bewegt sich (senkrecht) nach oben, steigt (senkrecht) empor, auf
Beispiele:
der Ballon, das Flugzeug steigt
die Nebel steigen
die Kinder lassen ihre Drachen steigen
der Rauch stieg aus den Schornsteinen
der Saft steigt in den Bäumen
die Sonne steigt in die Höhe
der Mond stieg über die Dächer
die Vögel, Raketen steigen in die Luft
der angenehme Duft stieg ihm in die Nase
das Blut, der Wein steigt ihm zu Kopfe
bildlich
Beispiele:
das Glück, der Ruhm steigt ihm zu Kopfe (= macht ihn überheblich)
er ... ließ seine Raketen steigen (= ließ seine plötzlichen Einfälle aufblitzen) [HardenKöpfe425]
3.
eine größere Höhe, ein höheres Niveau erreichen
a)
etw. steigtetw. erreicht einen höheren Stand, steigt an
Gegenwort zu fallen
Beispiele:
das Thermometer, die Temperatur steigt
die Kälte, das Hochwasser ist gestiegen
die Einwohnerzahl, der Verkehr steigt
das Fieber stieg auf 40 Grad
die Produktion war gegenüber dem Vorjahre um sieben Prozent gestiegen
das Flugzeug stieg bis zu 12 000 Meter
die steigende Wärme
das Steigen des Barometers
etw. führt höher, gewinnt an Höhe
Beispiele:
der Weg, das Gelände steigt
eine steigende Kurve, Linie
bildlich
Beispiele:
die Melodie steigt
Sprachwissenschaft der steigende Ton (= Akut)
Herrn Schumanns Stimme stieg und fiel [H. Mann9,229]
übertragen
Beispiele:
das Einkommen, der Umsatz, die Leistung, der Wohlstand steigt
steigende Einnahmen
die Waren steigen im Preis
die Fahrpreise stiegen auf das Doppelte (des bisherigen Preises)
er war hoch gestiegen (= stand in der Rangordnung oben)
im Gehalt, Rang steigen (= eine höhere Stufe erreichen)
jmd. steigt im Ansehen (= gewinnt an Ansehen)
er ist in meiner Achtung gestiegen
Er würde ... in der großen Fabrik von Stufe zu Stufe steigen (= eine immer höhere Stellung erreichen) [OelfkenTraum41]
b)
Börsenwesen an Wert gewinnen
Beispiele:
die Aktien, Papiere steigen
die steigende Tendenz der Kurse
c)
zunehmen
Beispiele:
die Stimmung, Begeisterung steigt
die Ungeduld, Wut steigt
jmds. Ansehen, Chancen steigen
die Aufregung stieg bis zur Siedehitze
Und wenn dann die heitere Spannung am höchsten gestiegen war [Feuchtw.Füchse655]
oft im Part. Präs.
Beispiele:
eine steigende Angst
steigende Ansprüche stellen
seine Aufmerksamkeit erhöhte sich in steigendem Maße (= immer mehr)
er hörte mit steigendem Interesse zu
4.
eine Treppe, Stufe steigeneine Treppe, Stufe hinaufgehen
Beispiele:
es fällt ihm schon schwer, Treppen zu steigen
Er kann keine Stufen mehr steigen [St. ZweigBalzac510]
5.
umgangssprachlich eine Veranstaltung steigteine Veranstaltung findet statt
Beispiele:
der Ball, das Fest steigt
Also Ende Februar steigt unsere Maskerade [BredelVäter85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

steigen · Steigung · Steig · Stieg · Steiger · versteigen · verstiegen
steigen Vb. ‘sich aufwärts bewegen’, ahd. stīgan (8. Jh.), mhd. mnd. stīgen, asächs. stīgan, mnl. stīghen, nl. stijgen, afries. stīga, aengl. stīgan, anord. stīga, schwed. stiga, got. steigan (germ. *steigan) läßt sich mit aind. (tiefstufig) stighnōti ‘schreitet, tritt, steigt’, griech. sté͞ichein (στείχειν) ‘einherschreiten, marschieren, steigen, ziehen, gehen’, air. tīagu ‘schreite, gehe’, lit. steĩgti ‘(be)gründen, errichten’, älter ‘eilen, sich beeilen, hasten’, lett. steigt ‘eilen, beschleunigen’, aslaw. postignǫti ‘hingelangen, erreichen, treffen’, russ. postígnut’ (постигнуть), postigát’ (постигать) ‘ereilen, treffen, begreifen, fassen’ sowie (schwundstufig) aslaw. stьẓa, russ. stezjá (стезя) ‘Pfad’ und vielleicht auch mit lat. vestīgium ‘Fußstapfe, -spur, -sohle’ auf eine Wurzel ie. *steigh- ‘schreiten, steigen’ zurückführen. Steigung f. ‘Erhöhung, Höhenunterschied’, spätmhd. stīgunge (Hs. 15. Jh.). Steig m. ‘Fußweg’, ahd. stīg ‘Pfad’ (Hs. 12. Jh., zuvor schon nidar-, ūfstīg, 9. Jh.), mhd. stīc, mnd. stīch, aengl. stīg, anord. stīgr, schwed. stig. Stieg m. ‘Ersteigung, steiler Pfad, schmaler Fußweg’ (18. Jh.), nhd. Abstraktbildung in Analogie zu seit dem 16. Jh. belegten Ab-, An-, Aufstieg. Vereinzelt belegtes frühnhd. stig (15. Jh.) dürfte noch als undiphthongierte Form (mit langem Vokal) aufzufassen sein. Steiger m. ‘wer steigt, Kletterer’, spätmhd. stīger; in der Bergmannssprache ‘aufsichtführender Bergmann’ (16. Jh.). versteigen Vb. reflexiv ‘zuweit steigen und sich dadurch in Gefahr begeben’ (16. Jh.), vereinzelt spätmhd. verstīgen ‘über etw. steigen und es dadurch verletzen’; übertragen ‘sich vermessen (in Gedanken und Taten)’ (17. Jh.), ‘sich in etw. verrennen’ (18. Jh.); dazu verstiegen Part.adj. ‘überspannt, abwegig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
besteigen · ↗erklettern · ↗erklimmen · ↗hochsteigen · steigen  ●  ↗klettern (auf)  Hauptform · ↗hochklettern  ugs. · ↗hochkraxeln  ugs. · ↗kraxeln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Aufstieg · ↗Besteigung
  • Enterdregge · ↗Enterhaken · Kletterhaken · Wurfanker · Wurfhaken  ●  Kagi-Nawa  fachspr., japanisch
Synonymgruppe
(an Zahl) zunehmen · (an)steigen (Zahl) · (immer) häufiger vorkommen · (immer) häufiger werden · (immer) öfter vorkommen · ↗(sich) häufen · mehr und mehr werden · mehr werden · sich mehren · zahlenmäßig zulegen · zahlreicher werden
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) verteuern · ↗anziehen (Preis) · im Preis steigen · steigen (Preis) · teurer werden
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktie Anteil DM Dollar Euro Gewinn Jahr Kurs Milliarde Million Monat Nachfrage Preis Prozent Punkt Quartal Umlaufrendite Umsatz Vergleich Vorjahr Zahl absteigen ansteigen aufsteigen aussteigen einsteigen umsteigen weiter weitersteigen wieder

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›steigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch ihm ist jetzt das Blut in den Kopf gestiegen.
Lebert, Benjamin: Crazy, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1999 [1999], S. 24
Zwar stieg die Zahl der Touristen im vergangenen Jahr tatsächlich um ein Viertel, doch erwartet werden weit mehr.
Die Zeit, 18.10.1996, Nr. 43
Der Export sinkt, der Import steigt, es steigen die Preise.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1962]
Oder man könnte ihm gar am Ende zumuten, auf eine Leiter zu steigen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 38
Die Zahl der beschäftigten Kinder steigt also mit zunehmendem Alter.
Abelsdorff, Walter: Kinderarbeit (gewerbliche). In: Grotjahn, Alfred u. Kaup, J. (Hgg.) Handwörterbuch der sozialen Hygiene, Leipzig: Vogel 1912, S. 978
Zitationshilfe
„steigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/steigen>, abgerufen am 22.10.2019.

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