steil

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›steil‹ als Erstglied: ↗Steilabfall · ↗Steildach · ↗Steilhang · ↗Steilkurve · ↗Steilküste · ↗Steilpass · ↗Steilufer · ↗Steilvorlage · ↗Steilwand · ↗Steilwandzelt · ↗Steilzelt
 ·  mit ›steil‹ als Grundform: ↗Steile · ↗Steilheit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
oft bis zur Senkrechten nach oben ansteigend oder nach unten abfallend
Beispiele:
ein steiler Weg, Abhang, Anstieg, ein steiles Ufer, Dach
eine steile Flugbahn
einen steilen Berg erklimmen
der Rennwagen ging in eine steile Kurve
die Böschung ist steil
es geht steil bergauf
die Schlucht fällt steil (= jäh) ab
eine steile (= gerade, senkrecht aufsteigende) Flamme, Säule, Stirn
Ballspiel eine steile Vorlage (= Vorlage über die Köpfe der Spieler hinweg)
die Treppe führt steil nach oben
der Ball fliegt steil hoch
die Sonne steht steil (= hoch) am Himmel
eine steile Schrift
steil (= gerade aufgerichtet) gehen, sitzen
sich steil aufrichten
[die Pferde] stellten die Ohren steil [LöscherAlles Getrennte121]
übertragen
Beispiele:
eine steile Aufwärtsentwicklung
ein steiler Niedergang
die steile Höhe des Ruhmes
er machte eine steile Karriere
2.
veraltend, salopp großartig
Beispiele:
ein steiles Erlebnis
eine steile Party
ein steiler Zahn (= ein hinreißendes, kesses Mädchen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

steil · Steile · Steilheit
steil Adj. ‘jäh ansteigend oder abfallend’. Frühnhd. (15. Jh.), mnl. nl. steil, mnd. stēl ist eine Kontraktionsform aus ahd. steigal (um 800), mhd. steigel, mnd. stēgel, (ablautend) aengl. stǣgel, gebildet mit dem Suffix (mit Bindevokal) germ. -ala- zu dem unter ↗steigen (s. d.) behandelten Verb. Vgl. noch asächs. stēgili ‘abschüssige Stelle’, aengl. stǣger (engl. stair) ‘Stufe, Treppe’, mnl. steigher ‘steil’, anord. steigurliga ‘steil, aufrecht’. steil setzt sich erst im 18. Jh. gegen steigel durch. Steile f. ‘steile Beschaffenheit’ (18. Jh.), abgelöst von Steilheit f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(stark) abfallend · ↗(stark) geneigt · ↗abschüssig · steil
Assoziationen
  • abenteuerlich (Spekulation o.ä.) · ↗wild · ↗wirr · ↗wüst  ●  ↗abstrus  geh. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · ↗konfus  geh.
  • (abenteuerliche) Vermutungen (anstellen) · ↗(drauflos) spekulieren · Kaffeesatzleserei (betreiben) · Spekulationen anstellen · ↗herumspekulieren · keine gesicherte Datenbasis (zugrunde legen) · ↗orakeln · wilde Spekulationen (...) · zwischen den Zeilen (lesen)  ●  ↗(herum)fantasieren  abwertend · ↗(sich etwas) zusammenphantasieren  abwertend · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen  variabel · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig. · ↗herumraten  ugs. · herumspinnen  ugs., abwertend · herumspintisieren  geh., abwertend
  • dahin stehen (ob) · ↗ungewiss · ↗unsicher · ↗unvorhersehbar  ●  (das) wissen die Götter  fig. · auf wackeligen Füßen stehen(d)  fig., variabel · ↗fraglich (sein)  Hauptform · (das) sei mal dahingestellt  ugs. · (sich) nicht so sicher (sein)  ugs. · Nichts Genaues weiß man nicht.  ugs., Spruch, scherzhaft · da wäre ich (mir) nicht (so) sicher  ugs., Spruch · das ist die Frage!  ugs., variabel · in den Sternen stehen(d)  ugs., fig. · kann man nicht wissen  ugs. · mit Vorsicht zu genießen  ugs. · wage ich zu bezweifeln  ugs. · weiß keiner so genau  ugs.
  • (ein) Streitthema (sein) · (sich) uneinig sein (über etwas / in einem Punkt) · angefochten werden · bestritten (werden) · ↗fraglich · in Frage stehen(d) · ↗kontrovers · kontrovers diskutiert werden · nicht ausdiskutiert · nicht unumstritten · ↗streitig · ↗strittig · ↗unsicher · zur Debatte stehen(d)  ●  dünnes Eis  fig. · ↗kontroversiell  österr. · ↗umstritten  Hauptform · Darüber streiten sich die Gelehrten.  ugs., Spruch · mit Vorsicht zu genießen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfahrt Abhang Anstieg Aufstieg Berghang Böschung Fels Felsen Felswand Gasse Hang Hügel Karriere Klippe Kursanstieg Kurve Pfad Rampe Serpentine Stiege Talfahrt Treppe Zinskurve Zinsstrukturkurve abfallen abfallend ansteigen ansteigend aufragend steinig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›steil‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es geht rasant nach oben, aber manchmal auch steil nach unten.
Die Welt, 03.11.2005
Seit einem Jahr geht es an Wall Street steil bergab.
Der Tagesspiegel, 17.03.2001
In seinen letzten Jahren hat v. Koch eine steile Entwicklung durchgemacht.
Helmer, Axel: Koch (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 29753
Sie betrat mutig meine steilen Pfade des Lebens, unbekümmert um das falsche bestehende Gesetz.
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 6345
Auf einem schiefen Brett kriecht sie nach der Richtung der steilsten Linie aufwärts.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Zitationshilfe
„steil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/steil>, abgerufen am 20.10.2019.

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