steinern

GrammatikAdjektiv
Worttrennungstei-nern (computergeneriert)
GrundformStein
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
aus Stein
Beispiele:
ein steinerner Fußboden
eine steinerne Treppe
Und da er wie ein steinern Bild an seiner Mauer blieb [Storm7,311]
2.
übertragen unbeweglich, starr
Beispiele:
ein steinerner Blick
eine steinerne Haltung, Miene
ein steinernes Herz haben (= hartherzig sein)
eine steinerne Ruhe zeigen
sein Gesicht war steinern
steinern dasitzen
Unsere Mitinsassen wurden sichtlich bleich und steinern bei dieser Revision [DurieuxTür283]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stein · steinhart · steinreich · steinalt · steinern · steinig · steinigen · versteinern · versteinert · Versteinerung · Steinbock · Steinbrech · Saxifraga · Steingut · Steinmetz · Steinpilz
Stein m. ‘natürlicher, aus Mineralien bestehender, fester, harter Körper, Fels’, ahd. (8. Jh.), mhd. stein, asächs. mnd. stēn, mnl. nl. steen, aengl. stān, engl. stone, anord. steinn, schwed. sten, got. stains (germ. *staina-) kann wie griech. stī́on (στῖον) ‘Kiesel’, aslaw. stěna, russ. stená (стена) ‘Wand’ als Bildung mit dem Suffix ie. -no- im Sinne von ‘das Harte, Verdichtete’ zu einer Wurzel ie. *stāi-, *stī̌- ‘(sich) verdichten, zusammendrängen, stopfen, gerinnen, stocken’ gestellt werden, zu der vielleicht auch aind. styā́yatē ‘gerinnt, wird fest’, griech. stī́ā (στία) ‘Steinchen, Kiesel’, stéār (στέαρ) ‘(stehendes) Fett, Talg’ (s. ↗Stearin), lat. stīria ‘Tropfen’, lit. stìngti ‘fest werden, starr, steif werden, gerinnen’ gehören. Redensartlich Stein des Anstoßes ‘Ursache für ein Ärgernis’ (Luther), jmdm. einen Stein in den Garten werfen ‘etw. jmdm. zum Ärger tun’, Steine in den Weg legen ‘Hindernisse bereiten’ (16. Jh.). steinhart Adj. ‘hart wie Stein, sehr hart, mitleidlos’, mhd. steinherte, -hart. steinreich Adj. ‘viele Steine, Felsbrocken aufweisend’, vor allem steigernd ‘sehr reich’ (15. Jh.). Ebenfalls vergleichend-steigernd steinalt Adj. ‘hochbetagt’ (16. Jh.). steinern Adj. ‘aus Stein bestehend’ (um 1500), älter ahd. (um 800), mhd. steinīn. steinig Adj. ‘voller Steine, uneben’, ahd. steinag (um 800), mhd. steinec, steinic. steinigen Vb. ‘durch Steinwürfe töten’ als Art der Hinrichtung (15. Jh.); älter steinen nach entsprechendem ahd. steinōn (9. Jh.), mhd. steinen; vgl. dagegen ahd. steinen ‘mit Edelsteinen besetzen’ (8. Jh.). versteinern Vb. ‘zu Stein machen oder werden’ (Ende 17. Jh.), für älteres versteinen, mhd. versteinen; versteinert Part.adj. ‘zu Stein geworden’ (von Fossilien), ‘erstarrt’ (18. Jh.); Versteinerung f. ‘zu Stein gewordener Überrest eines Lebewesens’ (18. Jh.). Steinbock m. Ziegengattung des Hochgebirges, mhd. steinboc, zu Stein ‘Fels’ (s. oben); daneben Steingeiß f., mhd. steingeiʒ. Als Name eines Tierkreiszeichens und Sternbilds (Stainpock, 15. Jh.) Übersetzung von lat. caprīcornus; aus lat. caper, Genitiv caprī ‘Bock’ und lat. cornū n., cornus m. ‘Horn’, entsprechend griech. aigócerōs (αὶγόκερως), aus griech. aíx, Genitiv aigós (αἴξ, αἴγός) f. ‘Ziege’, m. ‘Bock’ und kéras, in der Komposition -kerōs (κέρας, -κερως) ‘Horn’. Steinbrech m. Heilpflanze, gilt seit der Antike als „Steine brechendes“ Mittel bei Nieren- und Blasensteinen, ahd. steinbrehha, -brech(e) f. (Hs. 11. Jh.), spätmhd. steinbreche f., mnd. stēnbreke. Der Name ist eine Übersetzung von lat. saxifraga (herba) f., zu lat. saxifragus Adj. ‘Steine brechend’, aus lat. saxum ‘Fels, Stein’ und lat. frangere (frāctum) ‘zerbrechen’. Als Gattungsbegriff botan.-lat. Saxifraga (Linné 1753). Maskulines Genus beginnt vom 14. Jh. an sich durchzusetzen. Heilende Wirkung bei Steinleiden wird der Pflanze heute nicht mehr zugeschrieben. Doch die spätere Erklärung, der Name der Pflanze sei entstanden, weil sie „auf den Felsen und Steinklippen wachse“, ist eine nachträgliche und für eine Wiesenpflanze wie den Steinbrech überdies unzutreffende Interpretation. Vgl. Marzell 4, 139. Steingut n. ‘Geschirr aus Ton, glasierte Tonware’ (18. Jh.). Steinmetz m. ‘Bearbeiter von Steinen’, ahd. steinmezzo (um 1000), mhd. steinmetze. Dessen zweiter Bestandteil gilt als Rückentlehnung aus galloroman. *matsio ‘Maurer’ (woraus mlat. macio, matio sowie afrz. frz. maçon ‘Maurer’), das seinerseits aus dem Germ. hergeleitet wird, und zwar aus einem zu germ. *makō(n) in der Endung latinisierten *makjo ‘Maurer, Steinmetz’. In germ. *makō(n) sieht man eine Substantivbildung zu dem unter ↗machen (s. d.) behandelten Verb, hier in seiner frühen, vorauszusetzenden Bedeutung ‘kneten, formen, zusammenfügen’ im Bereich des Lehmbaus. Steinpilz m. (Anfang 18. Jh.), wohl nach seinem festen Fleisch und dem steinähnlichen Äußeren der jungen Pilze.

Thesaurus

Synonymgruppe
eisenhart · ↗eisern · ↗hart · steinern · ↗steinhart

Typische Verbindungen
computergeneriert

Balustrade Bogenbrücke Brautbett Brücke Brüstung Einfassung Floß Glocke Koloß Löwe Miene Monstrum Monument Pfeiler Pflanzenstruktur Riese Rinne Roland Sarkophag Sockel Statue Stele Torbogen Treppe Wasserspeier Wendeltreppe Zeuge Zeugnis bronzen hölzern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›steinern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Heute speien seine Tore ihr steinernes Leben in Brocken auf die Höfe aus.
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2003
An diesem Ort, in diesem weltfernen steinernen Grab, hatte er sieben Jahre lang gelegen.
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 167
Die steinerne Welt ist eben, was sie androht, eine ganze Welt.
Die Zeit, 28.06.1963, Nr. 26
Auf den steinernen Tisch, in den die Gesetze eingegraben sind, habe ich das Zeichen »Im Namen des Gottes« eingraben lassen.
Klabund: Der Kreidekreis. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 15006
Zwei große steinerne Ungeheuer hüteten den Eingang mit einem jahrhundertalten Grinsen.
Heyking, Elisabeth von: Tschun. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 8471
Zitationshilfe
„steinern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/steinern>, abgerufen am 16.02.2019.

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