Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

sterben

Grammatik Verb · stirbt, starb, ist gestorben
Aussprache 
Worttrennung ster-ben
Mehrwortausdrücke  im Sterben liegen

Bedeutungsübersicht+

  1. zu leben aufhören
    1. a) ...
    2. b) ⟨für jmdn., etw. sterben⟩ für jmdn., etw. sein Leben hingeben
    3. c) ⟨einen schnellen Tod sterben⟩ einen schnellen Tod haben
    4. d) [gehoben, übertragen] aufhören, vergehen
eWDG

Bedeutung

zu leben aufhören
a)
Beispiele:
ruhig, leicht, schwer, jung, hochbetagt, unerwartet, plötzlich, verlassen, einsam, vergessen, arm, elend, zu früh sterben
eines langsamen, jähen, sanften, qualvollen, natürlichen, unnatürlichen, gewaltsamen Todes sterben
er musste früh, in der Blüte seiner Jahre, Jugend sterben
sie ist zu Hause, im Krankenhaus, in den Armen ihrer Tochter gestorben
Professor N ist im 79. Lebensjahr gestorben
er ist mit 85 Jahren, im Alter von 85 Jahren, nach langem, schwerem Leiden, an Altersschwäche, an einem Gehirnschlag, Herzschlag, an einer Infektionskrankheit, an den Folgen eines (Verkehrs)unfalls gestorben
gehobener ist durch Mörderhand gestorben
auf dem Schafott, durch die Hand des Henkers sterben
er starb über seiner Arbeit, kurz vor Vollendung seines Werkes
das Kind starb bei der Geburt
vor, an Hunger sterben
gehobenHungers sterben
umgangssprachlichwährend einer Epidemie sind die Menschen früher oft wie die Fliegen gestorben (= während einer Epidemie sind die Menschen früher oft sehr zahlreich gestorben)
sterben müssen, wollen
damals hatte er viele Soldaten sterben sehen
nicht leben und nicht sterben können (= schwerkrank, siech sein)
das sterbende Tier kroch in das Dickicht
der Sterbende sank in die Kissen zurück
im Sterben liegen (= mit dem Tode ringen, kurz vor dem Tode stehen)
gehobensich zum Sterben hinlegen (= den Tod erwarten)
zum Sterben bereit sein
das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel (= das reicht nur notdürftig)
umgangssprachlichdaran, davon stirbt man nicht (= das ist nicht so schlimm, nicht so gefährlich)
bildlich
Beispiele:
veraltendin den Sielen (= bis zum letzten Atemzug arbeitend, mitten in der Arbeit) sterben
gehobendie Natur stirbt (= es wird winterlich)
das Sterben einer Zeche
die sterbende kapitalistische Gesellschaft
jmdm. stirbt jmd.jmd. verliert jmdn. durch den Tod
Beispiel:
heute ist ihm seine Frau gestorben
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlichvor Angst, Sehnsucht, Hunger und Durst sterben (= große Angst, große Sehnsucht, großen Hunger und Durst haben)
umgangssprachlichsie waren vor Ungeduld, Neugier fast gestorben (= sie waren sehr ungeduldig, neugierig)
umgangssprachlichsie wäre vor Lange(r)weile fast gestorben (= es war sehr langweilig für sie)
umgangssprachliches ist hier ja zum Sterben (= sehr) langweilig
umgangssprachlich, scherzhaftso was lebt, und Schiller musste sterben! (= dass es so etwas überhaupt gibt!)
b)
für jmdn., etw. sterbenfür jmdn., etw. sein Leben hingeben
Beispiel:
er ist für seine Überzeugung gestorben
übertragen für etw. leben und sterbensich mit äußerster Begeisterung und Tatkraft mit etw. beschäftigen, für etw. einsetzen
Beispiel:
er lebt und stirbt für seinen Kleingarten, für den Motorsport
c)
einen schnellen Tod sterbeneinen schnellen Tod haben
Beispiele:
einen schönen, schweren Tod sterben
Und als der Krieg im vierten Lenz / … Da zog der Soldat seine Konsequenz / Und starb den Heldentod [ BrechtGedichte75]
dichterischvon den Toden, die da gestorben worden waren [ BöllBillard19]
d)
gehoben, übertragen aufhören, vergehen
Beispiele:
das Gespräch, Lachen ist plötzlich gestorben
dichterischeine Flamme stirbt (= erlischt)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sterben · absterben · aussterben · ersterben · versterben · Verstorbener · sterbenskrank · Sterbenswörtchen · sterblich · Sterblichkeit · unsterblich · Unsterblichkeit
sterben Vb. ‘das Leben verlieren’. Das nur westgerm. bezeugte starke Verb ahd. sterban (9. Jh.), mhd. sterben, asächs. sterƀan, mnd. mnl. nl. sterven, afries. sterva, aengl. steorfan, engl. to starve ‘vor Hunger und Durst umkommen’ (westgerm. *sterban) ist verwandt mit ahd. sterbo ‘Pest, Tod’ (9. Jh.), mhd. sterb(e) ‘das Sterben, Tod, ansteckende Krankheit, Pest’, asächs. -sterƀo, aengl. steorfa ‘Pest’, anord. stjarfi ‘Starrkrampf’, stirfinn ‘halsstarrig, trotzig’, starfa ‘sich abmühen’ und mit mir. ussarb (aus *uks-sterbhā) ‘Tod’, griech. stérphos (στέρφος) ‘Haut, Fell, Hülle’, russ. (älter) stérbnut’ (стербнуть) ‘fest, hart werden, erstarren, absterben’ sowie den s-losen Formen lat. torpēre ‘erstarrt, betäubt, gefühllos, taub sein’, lit. tir̃pti ‘erstarren, gefühllos werden’, aslaw. trьpěti ‘ertragen’, russ. terpét’ (терпеть) ‘leiden, dulden’. Alle Bildungen sind auf ie. *(s)terp-, *(s)terbh- rückführbar, eine Labialerweiterung der unter starren (s. d.) verzeichneten Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’, so daß für das germ. Verb von einer verhüllenden Bedeutung ‘steif, starr werden’ auszugehen ist. absterben Vb. ‘das Leben beenden, eingehen, welken’, mhd. abesterben, rechtssprachlich ‘durch den Tod des Besitzers frei werden’; seit dem 18. Jh. auch ‘gefühllos werden’ (durch Druck, Abschnürung, Kälte). aussterben Vb. ‘untergehen, aufhören zu existieren, sich verlieren’ (15. Jh.). ersterben Vb. ‘vergehen’, ahd. irsterban (8. Jh.), mhd. ersterben ‘(ab)sterben’. versterben Vb. ‘sterben’, mhd. versterben; Verstorbener m. substantiviertes Part.adj. (16. Jh.). sterbenskrank Adj. ‘sehr krank’ (17. Jh.), anfangs neben sterbekrank Sterbenswörtchen n. in der Fügung kein Sterbenswörtchen ‘überhaupt nichts’ (19. Jh.), verkürzt aus kein sterbendes (‘schwaches, vergängliches’) Wörtchen (18. Jh.); vgl. auch kein Sterbenswort (18. Jh.). sterblich Adj. ‘dem Tod unterworfen, vergänglich’, mhd. sterblich; vgl. ahd. stirbīg (9. Jh.); Sterblichkeit f. ‘Vergänglichkeit, Zahl der Todesfälle’, mhd. sterbelīcheit; unsterblich Adj. mhd. unsterbelich; vgl. ahd. unstirbīg (11. Jh.); Unsterblichkeit f. mhd. unsterbelīcheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · (seinen) letzten Atemzug tun · ableben · das Zeitliche segnen · erlöschen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · verdämmern · verscheiden · versterben · wegsterben  ●  (die) Augen für immer schließen  verhüllend · (die) Reihen lichten sich  fig. · abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · davongehen  fig. · entschlafen  fig., verhüllend · fallen  militärisch · gehen  verhüllend · heimgehen  fig., verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne (des Lebens) abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · dahinscheiden  geh., verhüllend · den Geist aufgeben  ugs. · den Weg allen Fleisches gehen  geh. · die Grätsche machen  ugs., salopp · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Ewigkeit abberufen werden  geh., fig. · in die Grube fahren  ugs., fig. · in die Grube gehen  ugs. · ins Grab sinken  geh., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · sein Leben aushauchen  geh. · seinen Geist aufgeben  ugs. · seinen Geist aushauchen  geh. · vor seinen Richter treten  geh., religiös, fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Assoziationen
  • auf dem Feld der Ehre sein Leben gelassen · gefallen · getötet worden  ●  auf dem Feld der Ehre gefallen  pathetisch · den Heldentod gestorben  pathetisch · im Feld geblieben  fig., verhüllend · draußen geblieben  ugs., Jargon
  • (seinen Verletzungen) erlegen · aus dem Leben geschieden · dahingegangen · dahingeschieden · gestorben · mit jemandem ist es aus · nicht mehr sein · nicht mehr unter den Lebenden · nicht mehr unter uns (weilen) · seligen Angedenkens (nachgestellt) · seligen Gedenkens (nachgestellt) · tot · verschieden · verstorben  ●  (nur) mit den Füßen zuerst  fig. · draußen geblieben  militärisch · gefallen  militärisch · hat uns verlassen  verhüllend, fig. · selig (nachgestellt)  veraltet · tot und begraben  Verstärkung · von uns gegangen  verhüllend, fig. · (jemand) hat es hinter sich  derb · draufgegangen (bei)  ugs. · gehimmelt  ugs. · unterm Torf  ugs., salopp, fig. · verblichen  geh. · weg vom Fenster  ugs., fig.
  • (den) Freitod wählen · (die) (letzte) Konsequenz ziehen · (sein) Leben wegwerfen · (sich) (selbst) richten · (sich) (selbst) töten · (sich) (selbst) umbringen · (sich) das Leben nehmen · (sich) etwas antun · (sich) vom Leben zum Tode befördern · Hand an sich legen · Selbstmord begehen · Suizid begehen · durch eigene Hand sterben · seinem Leben ein Ende machen · seinem Leben ein Ende setzen  ●  (sich selbst) (den) Garaus machen  geh. · (sich) den Tod geben  geh. · (sich) ein Leid antun (lit.)  geh. · (sich) ein Leids antun (lit.)  geh., verhüllend · (sich) entleiben  geh. · (sich) wegschmeißen  derb
  • auslöschen · ermorden · killen · meucheln · tot... · umbringen · ums Leben bringen  ●  (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden  fig. · (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ins Jenseits befördern  fig. · töten (absichtlich)  Hauptform · zum Schweigen bringen  fig. · zur Strecke bringen  fig. · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · abmurksen  ugs. · abservieren  ugs., salopp, fig. · ausknipsen  ugs., fig., salopp · entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs., fig. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · kaltmachen  ugs. · totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs., fig. · umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
  • arbeiten bis zum Schluss · in Ausübung seiner Tätigkeit sterben · in den Sielen sterben · in treuer Pflichterfüllung sterben · jemand arbeitet, bis er tot umfällt
  • knapp überleben · noch einmal mit dem Leben davonkommen · reanimiert werden · von den Toten auferstehen  ●  dem Tod ein Schnippchen schlagen  fig. · dem Tod von der Schippe springen  fig. · wieder auferstehen (von den Toten)  biblisch · beinahe draufgehen bei  derb, variabel
Synonymgruppe
Assoziationen
  • (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · (seinen) letzten Atemzug tun · ableben · das Zeitliche segnen · erlöschen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · verdämmern · verscheiden · versterben · wegsterben  ●  (die) Augen für immer schließen  verhüllend · (die) Reihen lichten sich  fig. · abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · davongehen  fig. · entschlafen  fig., verhüllend · fallen  militärisch · gehen  verhüllend · heimgehen  fig., verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne (des Lebens) abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · dahinscheiden  geh., verhüllend · den Geist aufgeben  ugs. · den Weg allen Fleisches gehen  geh. · die Grätsche machen  ugs., salopp · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Ewigkeit abberufen werden  geh., fig. · in die Grube fahren  ugs., fig. · in die Grube gehen  ugs. · ins Grab sinken  geh., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · sein Leben aushauchen  geh. · seinen Geist aufgeben  ugs. · seinen Geist aushauchen  geh. · vor seinen Richter treten  geh., religiös, fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.

Typische Verbindungen zu ›sterben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sterben‹.

Verwendungsbeispiele für ›sterben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch ihr vor kurzem gestorbener Vater sei bis zu seinem Tod Kommunist geblieben. [Die Zeit, 13.10.2013 (online)]
Der 2003 im Alter von 58 Jahren gestorbene Sänger erhält den 2506. [Die Zeit, 06.09.2013 (online)]
Als er es endlich sah, gestattete er sich zu sterben. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 91]
Sie starb neun Jahre, nachdem sie gefunden wurde, also vermutlich 17 Jahre alt. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 128]
Aber auch er starb schließlich eines mysteriösen Todes in einem amerikanischen Hotel. [Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 131]
Zitationshilfe
„sterben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sterben>.

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