stilisieren

Grammatik Verb · stilisiert, stilisierte, hat stilisiert
Worttrennung sti-li-sie-ren
Herkunft Latein
Wortbildung  mit ›stilisieren‹ als Erstglied: ↗Stilisierung  ·  mit ›stilisieren‹ als Letztglied: ↗emporstilisieren · ↗hinaufstilisieren · ↗hochstilisieren
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. im sprachlichen Ausdruck entsprechend gestalten
Beispiele:
einen Brief gut stilisieren
ein schlecht, angenehm stilisiertes Buch
künstlich stilisierte Sätze
Er stilisierte die Erlasse des Feldherrn an die jüdische Bevölkerung [ Feuchtw.Jüd. Krieg197]
2.
bildende Kunst eine natürliche Form im Sinne einer bestimmten künstlerischen Auffassung (durch Auslassen des Zufälligen sowie der Details) verändern
Beispiele:
ein Porträt, Plakat stilisieren
die Menschen, die der Maler darstellte, waren stilisiert
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
stilisierte Vögel
eine stilisierte Lilie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stil · Stilist · Stilistik · stilistisch · stilisieren
Stil m. ‘zweckabhängige Art und Weise des schriftlichen und mündlichen sprachlichen Ausdrucks, charakteristische Ausdrucksform in Kultur und Kunst’, Entlehnung (1. Hälfte 15. Jh.) von lat. stilus ‘spitzer Gegenstand, Pfahl, Stiel, Stengel, Griffel zum Schreiben’, übertragen ‘das Schreiben, schriftliche Abfassung, Darstellung, Ausdrucksweise, Schreibart, Literatur, Sprache’, mlat. auch ‘Gewohnheit, Herkommen.’ Im Dt. zuerst ‘Schreibgriffel’ und ‘schriftliche und mündliche Ausdrucksweise, Darstellungsart’, besonders die ‘übliche Form der Abfassung von (amtlichen) Schriftstücken, der Rechtsprechung und Prozeßordnung’, dann (seit dem 17. Jh.) übertragen auf die Ausdrucksform in Musik und bildender Kunst sowie auf die jmdm. entsprechende ‘spezielle Lebensweise und Lebensführung’, neuerdings auch ‘Art, Technik der Ausübung einer Sportart’ (1. Hälfte 20. Jh.). Die bis Anfang des 19. Jhs. geltende Schreibung Styl beruht (wie bei frz. engl. style) auf einer orthographischen Variante, entstanden aus einer irrtümlichen Verbindung des Wortes mit griech. stȳ́los (στῦλος) ‘Säule, Pfeiler’. Stilist m. ‘wer einen bestimmten (guten) Stil schreibt’, anfangs ‘(Prosa)schriftsteller’ (18. Jh.). Stilistik f. ‘Stilkunde, Lehre vom sprachlichen Ausdruck und seinen Mitteln’ (um 1800). stilistisch Adj. ‘den Stil betreffend’ (19. Jh.). stilisieren Vb. ‘einen Text abfassen, formulieren’ (17. Jh.), ‘natürliche Strukturen in künstlerisch abstrahierter Form darstellen, typisieren’ (18. Jh.), mit negativem Unterton ‘verkünsteln, einengen, schematisieren’ (18. Jh.); gebildet zum Substantiv.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›stilisieren‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stilisieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›stilisieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So sieht er sich jedenfalls, so stilisiert er sich selbst immer wieder.
Süddeutsche Zeitung, 12.02.1999
Nein, der alte Herr stilisiert sich keineswegs zum frühen Helden.
Die Zeit, 13.02.1998, Nr. 8
Sein ganzes Leben hat er sich nicht nur als antiakademisch, sondern geradezu als antiliterarisch stilisiert.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 163
Es ist ihm Bedürfnis, das Bild seiner Person zu stilisieren.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 356
Gewiß ist es, daß ich bis zu einer gewissen Epoche meines Lebens häufig bestrebt war, mich zu stilisieren.
Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070
Zitationshilfe
„stilisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stilisieren>, abgerufen am 30.11.2020.

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