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still

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›still‹ als Erstglied: ↗Still-Leben · ↗Stillleben · ↗still-legen · ↗still-liegen · ↗stillehalten · ↗stillhalten · ↗stilllegen · ↗stillliegen · ↗stillschweigen · ↗stillsitzen · ↗stillstehen · ↗stillvergnügt
 ·  mit ›still‹ als Letztglied: ↗mucksstill · ↗mäuschenstill · ↗nachtstill · ↗stockstill · ↗totenstill · ↗verkehrsstill · ↗windstill
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ohne Geräusch, ruhig
a)
nicht laut, frei von Lärm oder Unruhe
Beispiele:
eine stille Gegend, Ecke, Straße
ein stilles Dorf, Tal, Plätzchen
nach der Saison ist es in diesem Ort sehr still
wir bevorzugten die stillen (= einsamen) Waldpfade
im Wald war es dunkel und still
in einer stillen Stunde (= in einem ruhigen Augenblick, in dem nichts stört) werde ich darüber nachdenken
eine stille Feier
Stille Nacht, heilige Nacht [Weihnachtslied]
umgangssprachlich im stillen Kämmerleinfür sich allein in Stille und Zurückgezogenheit
Beispiel:
das muss ich mir im stillen Kämmerlein noch einmal überlegen
umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend
Beispiel:
ein stilles Örtchen (= Toilette, Klosett)
b)
leise, geräuschlos
Beispiele:
das stille Atmen des Kindes
umgangssprachlich seid doch endlich still! (= hört auf zu reden!)
wir verhielten uns völlig still und sprachen kein Wort
es war merkwürdig still in der Klasse
sie lachte, weinte still vor sich hin
wir verharrten in stillem Gedenken
in stiller Trauer, in stillem Schmerz [bei Todesanzeigen]
es ist still um jmdn., etw. geworden (= die Öffentlichkeit beachtet jmdn., etw. nicht mehr so wie früher)
übertragen
Beispiel:
der stille Portier (= Orientierungstafel mit den Namen aller Hausbewohner, die im Hausflur hängt)
2.
ohne Bewegung, bewegungslos, unbewegt, ruhig
Beispiele:
wir ruderten bei stiller See zur Insel hinüber
die Boote hatten sich vor dem Sturm in das stillere Wasser der Flussmündung geflüchtet
der Stille Ozean
halt die Hände, Füße, den Kopf still!
sitz ganz still!
du musst jetzt still liegen
die Luft war ganz still (= es war windstill)
Phrasem:
stille Wasser sind tief (= ruhige Menschen überraschen oft bei näherer Bekanntschaft) sprichwörtlich
Beispiel:
Er ist ... stark, zuverlässig und gutmütig und im übrigen das, was man »ein stilles Wasser« nennt [RinserinErkundungen57]
3.
nicht lebhaft, nicht gesprächig, zurückhaltend im Wesen
Beispiele:
ein stiller Mensch, ein stilles Kind, Mädchen
er war ein stiller und dankbarer Zuhörer
er führt das Leben eines stillen Gelehrten
du warst gestern so still
4.
sich nicht äußernd, verborgen, heimlich
Beispiele:
ich hatte die stille Hoffnung, Zuversicht, dass ...
es bestand ein stilles Einvernehmen zwischen ihnen
eine stille Zuneigung, Liebe
seine stille Freude an etw. haben
in ihren Augen war ein Ausdruck stillen Glücks zu erkennen
ein stiller Vorwurf traf ihn
wir heben uns diesen Vorrat als stille Reserve (= für den Bedarfsfall) auf
Wirtschaft stille Reserven (= Bestandteil des Eigenkapitals Unternehmungen, der in der Bilanz nicht erscheint)
Wirtschaft ein stiller Gesellschafter (= jmd., der sich als Gesellschafter am Unternehmen eines anderen mit einem Geldbetrag gegen Anteil am Gewinn beteiligt und Dritten gegenüber nicht in Erscheinung tritt)
Wirtschaft eine stille Gesellschaft, Teilhaberschaft, Beteiligung
Wirtschaft der stille Teilhaber
5.
im Stillen
a)
bei sich, im Innern
Beispiele:
er machte sich im Stillen darüber lustig
sich [Dativ] im Stillen etw. vornehmen, wünschen
wir fragten uns im Stillen, ob wir richtig gehandelt hatten
b)
unbemerkt
Beispiele:
wir hatten den Plan im Stillen vorbereitet
er hat im Stillen viel Gutes getan
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

still · Stille · stillen · Stilleben
still Adj. ‘ohne Bewegung, lautlos, ruhig, leise, verborgen, geheim’, ahd. stilli (8. Jh.), mhd. stille, asächs. stilli, mnd. mnl. stille, nl. stil, aengl. stille, engl. still (westgerm. *stellja-) läßt sich, ausgehend von ‘unbeweglich stehend’, als Ableitung mit (zu ll assimiliertem) n-Suffix an die unter ↗Stall (s. d.) angegebene Wurzel ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’ anschließen. Die im Mhd. verbreitete Bedeutung ‘verborgen, geheim, heimlich’ bewahren Fügungen wie stiller (‘heimlich gehegter’) Wunsch (18. Jh.), im stillen ‘im geheimen, im verborgenen’ (17. Jh.). Stille f. ‘Bewegungslosigkeit, Lautlosigkeit, Ruhe, Verborgenheit, Heimlichkeit’, ahd. stillī (8. Jh.), mhd. stille. stillen Vb. ‘beruhigen, zum Schweigen bringen, befriedigen’, ahd. stillen ‘zum Schweigen bringen, beruhigen’ (8. Jh.), stillēn ‘ruhig werden, verstummen, nachlassen’ (10. Jh.), mhd. stillen ‘beruhigen, zur Ruhe kommen’, auch ‘einem Säugling die Brust geben’, eigentlich ‘durch Nahrung beruhigen’. Stilleben n. ‘bildliche Darstellung alltäglicher Gegenstände in künstlerischer Anordnung’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter stilliegende Sachen (Anfang 18. Jh.), nach nl. stilleven bzw. stilstaand oder stilliggend leven; vgl. auch (ebenfalls aus dem Nl.) engl. still life, in dt. Übersetzung stilles Leben (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
in Schweigen gehüllt · ↗schweigsam · ↗sprachlos · still · still und stumm · ↗stumm · stumm wie ein Fisch · ↗verschwiegen · verstummt · ↗wortlos
Assoziationen
  • (sich) kurz fassen · ↗einsilbig · kurz angebunden · nicht gesprächig · nicht viele Worte machen · redescheu · wenig auskunftsfreudig · ↗wortarm · ↗wortkarg · ↗zurückhaltend (reagieren)  ●  ↗schmallippig (reagieren)  fig. · kurz ab  ugs. · ↗maulfaul  ugs. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • distanziert · in sich gekehrt · ↗introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · ↗reserviert · ↗unaufgeschlossen · ↗unzugänglich · ↗verschwiegen · ↗zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · ↗verschlossen  Hauptform, fig. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • gehemmt · ↗kontaktarm · ↗kontaktscheu · ↗scheu · ↗schüchtern · selbstunsicher (psychol.) · ↗unsicher · ↗zaghaft · ↗zurückhaltend  ●  ↗verklemmt  ugs.
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu)  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Synonymgruppe
abgeschirmt · gedämpft · ↗geräuscharm (tech.) · geräuschgedämpft (tech.) · geräuschreduziert (tech.) · ↗leise · ↗piano (mus.) · ↗ruhig · ↗schallgedämpft (tech.) · still · ↗tonlos  ●  stille  veraltet
Assoziationen
  • geräuschlos · ↗lautlos · ↗unhörbar
  • extrem leise · fast unhörbar · flüsterleise · im Flüsterton · kaum hörbar · kaum vernehmbar · kaum vernehmlich · kaum zu hören · ↗pianissimo (mus.) · sehr leise
  • in gedämpftem Ton · mit größter Zurückhaltung · sehr zurückhaltend  ●  ↗sotto voce  geh., ital., fig.
Synonymgruppe
lautlos · still · ↗stumm · ↗tonlos
Assoziationen
Synonymgruppe
(ganz) leise · (ganz) still · ↗totenstill  ●  ↗mucksmäuschenstill  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Ruhe jetzt! · Ruhe! · leise! · still!  ●  sei still!  variabel · Ruhe da hinten auf den billigen Plätzen!  ugs., scherzhaft · Ruhe da hinten!  ugs. · Ruhe im Glied!  ugs., veraltend, militärisch · gib endlich Ruhe!  ugs. · pscht!  ugs. · psst!  ugs. · pst!  ugs. · schh!  ugs. · schhh!  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andacht Beteiligung Diplomatie Einlage Einverständnis Gebet Gedenken Genießer Gesellschafter Kämmerlein Last Mineralwasser Nacht Ort Ozean Reserve Revolution Teilhaber Trauer Wasser Winkel atypisch bescheiden daliegen eher gelegt heimlich leise ruhen Übereinkunft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›still‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und jeder wird dennoch still gerechnet haben, wie so viel Nähe sich später einmal politisch bezahlt machen kann.
Die Zeit, 23.02.1996, Nr. 9
Neben den schlagzeilenträchtigen Übernahmen steigt auch die stille Emigration der deutschen Industrie.
Der Spiegel, 25.04.1988
Nichts ist so gesellschaftsverändernd wie die stille Arbeit an sich selbst.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 21
Wir genossen die stille Zeit nach dem großen Lärm der Jahrzehnte.
Hartung, Hugo: Wir Wunderkinder, Düsseldorf: Droste Verl. 1970 [1959], S. 276
Sein heutiges Alter erlaubte es ihm nicht mehr, nach einem schweren Tag abends nur die stillen Wände anzustarren.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 84
Zitationshilfe
„still“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/still>, abgerufen am 19.03.2019.

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