stinken

GrammatikVerb · stank, hat gestunken
Aussprache
Worttrennungstin-ken
Wortbildung mit ›stinken‹ als Erstglied: ↗Stinkbombe · ↗Stinkdrüse · ↗Stinker · ↗Stinkmolch · ↗Stinkmorchel · ↗Stinktier
 ·  mit ›stinken‹ als Letztglied: ↗abstinken · ↗anstinken  ·  mit ›stinken‹ als Grundform: ↗Gestank
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend einen üblen Geruch haben, verbreiten
Beispiele:
die Senkgrube, der Käfig, das Rieselfeld stank
faule Eier stinken entsetzlich
das Fleisch, der Käse fing an zu stinken
es stinkt hier nach Teer, Petroleum, Schwefel, kaltem Rauch
er hat nach Bier, Schnaps, Tabak gestunken
hier stinkt es wie die Pest (= riecht es scheußlich)
salopp er stank sieben Meilen, auf sieben Schritt gegen den Wind
ein pestilenzialisch stinkendes Gas
er klopfte seine stinkende Pfeife aus
salopp, übertragen
Beispiele:
die Schluderei, der Betrug, das Verbrechen stinkt zum Himmel (= ist empörend)
an dieser Sache stinkt etw. (= an dieser Sache stimmt etw. nicht, ist etw. verdächtig)
das stinkt nach Verrat (= sieht nach Verrat aus)
nach Geld stinken (= sehr reich sein)
derb er stinkt vor Faulheit, Geiz (= er ist sehr faul, geizig)
derb sie ist stinkend (= sehr, überaus) faul
sprichwörtlich Eigenlob stinkt (= es macht einen schlechten Eindruck, wenn man sich selbst lobt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stinken · erstinken · erstunken und erlogen · Stunk · Stinktier
stinken Vb. ‘üblen Geruch von sich geben, unangenehm riechen’, ahd. stinkan ‘Geruch von sich geben, duften, riechen’, auch ‘nach Fäulnis, übel riechen’ (um 800), mhd. stinken ‘(üblen) Geruch von sich geben, durch den Geruchssinn wahrnehmen’, mnd. mnl. nl. stinken ‘üblen Geruch verbreiten’, aengl. stincan ‘springen, hüpfen, stieben, Geruch verbreiten und wahrnehmen’, engl. to stink ‘üblen Geruch verbreiten’, anord. støkkva ‘springen, bersten, (be)spritzen, fliehen’, norw. støkke ‘erschrecken’, got. stigqan ‘zusammenstoßen’ (germ. *stenkwan). Herkunft ungewiß. Mit Ablautentgleisung zu den unter ↗Stock und ↗Stück (s. d.) angeführten Formen zur Wurzelerweiterung ie. *(s)teug- ‘stoßen, schlagen’ (Pokorny 1, 1032)? Lautlich stehen nahe lat. stinguere ‘auslöschen’, exstinguere ‘auslöschen, austrocknen, vernichten’, intransitiv ‘ausgehen (vom Feuer)’, lit. stìgti ‘entbehren’, vielleicht auch aind. táṅgati ‘strauchelt, zittert’ und tyájati ‘gibt auf, läßt im Stich’ (vgl. Seebold 472). Die Bedeutungsentwicklung dürfte dann ausgehen von ‘stoßen’, woraus über ‘spritzen, stieben’ im Westgerm. ‘ausdünsten, Geruch verbreiten’. erstinken Vb. ‘anfangen zu stinken, verfaulen’, mhd. erstinken, ahd. irstinkan ‘stark duften’ (um 1000). Dazu die Wendung erstunken und erlogen Part. Prät. ‘erdichtet, nicht der Wahrheit entsprechend, gelogen’ (16. Jh.). Stunk m. ‘Zänkerei, Streit’, späte Ablautbildung (Ende 19. Jh., südwestd., md., berlin.) zu ↗stinken und Stank (s. ↗Gestank), nach Vorbildern wie trinken, Trank, Trunk. Unabhängig davon asächs. stunk ‘Gestank, Geruch’. Vgl. Stunk machen ‘Streit, Ärger anfangen’. Stinktier n. Marderart, die Angreifer mit einem übelriechenden Drüsensekret bespritzt (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Luft verpesten · (einen) pestilenzartigen Geruch verströmen · (einen) strengen Geruch verbreiten · bestialisch stinken · fürchterlich stinken · schlecht riechen · streng riechen · unangenehm riechen · zum Himmel stinken · übel riechen  ●  stinken  Hauptform · aus allen Knopflöchern stinken  ugs., fig. · stinken wie die Pest (Verstärkung)  ugs.
Unterbegriffe
  • nach Fisch riechen  ●  ↗fischeln  schweiz., österr.
Assoziationen
Antonyme
  • stinken  Hauptform
Synonymgruppe
(es) stimmt etwas nicht (an / mit)  ●  (es) ist etwas faul (an)  ugs., fig. · stinken (die Sache / die Geschichte ...)  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgas Eigenlob Fisch Gummi Himmel Kloake Knoblauch Kot Pest Pisse Rauch Schnaps Schwefel Schweiß Urin Verwesung anstinken bestialisch buchstäblich entsetzlich erbärmlich fürchterlich gewaltig her krachen lärmen penetrant qualmen stauben widerlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stinken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Auto stank noch wochenlang danach, und niemand wollte mehr von uns mitgenommen werden.
Bild, 05.07.2002
Sich mit dem Status quo zufrieden zu geben, stinkt dem ehrgeizigen Coach.
Der Tagesspiegel, 15.09.1999
Und weil er damit irgendwo hineingetreten ist, stinkt es gewaltig.
Ossowski, Leonie: Die große Flatter, Weinheim: Beltz & Gelberg 1986 [1977], S. 83
Das unheimliche Tier hockte tatsächlich nicht mehr in seiner Ecke, aber es stank noch immer.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 72
Und tatsächlich stinken sie so und sind so naßweich und faulig, daß es nicht lohnt, sie zu kochen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 163
Zitationshilfe
„stinken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stinken>, abgerufen am 17.10.2019.

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