stoßen

GrammatikVerb · stößt, stieß, hat/ist gestoßen
Aussprache
Worttrennungsto-ßen
Wortbildung mit ›stoßen‹ als Erstglied: ↗Stoßball · ↗Stoßdegen · ↗Stoßerei · ↗Stoßtaucher · ↗stoßsicher
 ·  mit ›stoßen‹ als Letztglied: ↗Gewichtstoßen · ↗Kugelstoßen · ↗abstoßen · ↗aneinanderstoßen · ↗anstoßen · ↗aufeinanderstoßen · ↗aufstoßen · ↗ausstoßen · ↗bestoßen · ↗dazustoßen · ↗dranstoßen · ↗draufstoßen · ↗durchstoßen · ↗einstoßen · ↗emporstoßen · ↗fortstoßen · ↗gesundstoßen · ↗herabstoßen · ↗herausstoßen · ↗hereinstoßen · ↗herumstoßen · ↗herunterstoßen · ↗hervorstoßen · ↗hinabstoßen · ↗hinausstoßen · ↗hineinstoßen · ↗hinunterstoßen · ↗hinzustoßen · ↗nachstoßen · ↗niederstoßen · ↗umstoßen · ↗verstoßen · ↗vorstoßen · ↗wegstoßen · ↗wundstoßen · ↗zurückstoßen · ↗zusammenstoßen
 ·  mit ›stoßen‹ als Grundform: ↗stossend · ↗stoßend · ↗zerstoßen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit schneller, heftiger (und gezielter) Bewegung
a)
einmal kurz an jmdn., etw. anprallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er hat mich gestoßen
er hat an das Tischbein gestoßen
er stieß ihn leicht, heftig mit der Faust, dem Fuß, Ellbogen, mit seinem Schirm
sie hat mich, mir heimlich in die Rippen, Seite gestoßen
jmdn. vor, gegen die Brust stoßen
der Ziegenbock hat das Kind gestoßen
der Bock stößt (= hat die Eigenschaft, Stöße auszuteilen)
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichjmdn. vor den Kopf stoßen (= beleidigen, kränken)
b)
jmdm., einem Tier einen spitzen Gegenstand, eine Stichwaffe in einen Körperteil hineinstechen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er stieß ihm das Messer, den Dolch in die Brust, ins Herz
der Barfüßler [fand] den Mut, seinen Stecken, der unten einen eisernen Stachel trug, in die Hinterbacke des Tieres zu stoßen [G. Hauptm.4,483]
etw. in etw. rammen
Beispiele:
Stangen, Rohre in die Erde stoßen
Die Träger stießen hastig die Schäfte ihrer Kreuze und Banner in die Erde [le FortPapst6]
etw. schnell und kräftig in etw. hineinstecken
Beispiele:
Der Mann ... stieß den Schlüssel ins Schloß [FusseneggerAntlitz55]
Der Wachtmeister stieß den Säbel in die Scheide [L. FrankRäuberbande1,15]
2.
jmdn., etw. durch einen Stoß von sich, etw. weg, irgendwohin bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er stieß ihn in den Graben, ins Wasser
er hat ihn brutal zur Seite, zu Boden gestoßen
der Junge stieß den Ball mit dem Fuß vor sich her
Sporter stößt die Kugel zwölf Meter weit, hat einen neuen Rekord gestoßen
Wieberneit ... schüttelt die Frau ab und stößt sie gegen den Ofen [BobrowskiBoehlendorff67]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichjmdn. mit der Nase auf etw. stoßen (= jmdn. ausdrücklich auf etw. hinweisen)
umgangssprachlicher hat alles wieder über den Haufen gestoßen (= den ursprünglichen Plan verworfen, umgestoßen)
saloppjmdn. aus dem Anzug stoßen (= verprügeln)
übertragen
Beispiel:
jmdn. ins Unglück, in Not und Elend stoßen
3.
durch eine Bewegung mit jmdm., etw. unbeabsichtigt einmal kurz, heftig in Berührung kommen, an, auf, gegen jmdn., etw. prallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
ich bin an den Stuhl gestoßen
er war so groß, dass er an die Decke stieß
das Schiff ist auf Grund gestoßen
er war beim Rückwärtsfahren mit dem Auto gegen einen Baum gestoßen
4.
sich (an etw.) stoßenmit einem Körperteil mit etw. heftig in Berührung kommen, an etw. anprallen und sich dabei Schmerz oder eine Verletzung zufügen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ich habe mich am Schrank gestoßen
sie hat sich am Arm, ans Schienbein gestoßen
geh vorsichtig, dass du dich nicht stößt!
sie hat sich [Dativ] den Ellenbogen blutig, in der Dunkelheit den Kopf blutig gestoßen
das Kind hatte sich [Dativ] an der Stirn ein Horn gestoßen (= eine Beule bekommen)
übertragen sich an etw. stoßenetw. missbilligen, beanstanden
Beispiele:
er stieß sich an seinem unhöflichen Benehmen, Ton
du darfst dich nicht an seinem Äußeren stoßen
sich an manchen Dingen, Einzelheiten stoßen
5.
Zimt stoßenZimt (in einem Mörser) zerstoßen, zerkleinern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Kümmel, Zucker stoßen
gestoßener Pfeffer
6.
auf jmdn., etw. stoßen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
umgangssprachlich auf jmdn. stoßenjmdm. (zufällig) begegnen
Beispiele:
im Urlaub stieß ich auf einen alten Bekannten
wir stießen dort ganz zufällig wieder auf ihn
b)
auf etw. stoßenetw. (unvermutet) finden
Beispiele:
bei Ausschachtungsarbeiten stieß man auf alte Grundmauern
ich bin auf die bekannte Stelle, einen interessanten Hinweis in dem Buch gestoßen
Wenn sie [Geologen] nach Erdöl bohren und dabei auf Methan stoßen, dann sagen sie »es riecht nach Öl« [Wissenschaft und Fortschritt1955]
c)
übertragen
Beispiele:
auf Widerstand, Schwierigkeiten, Ablehnung stoßen
sein Plan ist bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen
7.
umgangssprachlich zu jmdm., etw. stoßenmit jmdm., etw. zusammentreffen, sich mit jmdm., etw. vereinigen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
im nächsten Ort werden die anderen wieder zu uns stoßen
die Nachhut stieß wieder zur Truppe
[mein Bruder Heinrich] lebte damals ... in Rom und schlug mir vor, zu ihm zu stoßen [Th. Mann12,388]
obwohl sich Arbeiter und Arbeitslose den Parteibeitrag vom Munde absparen mußten, stießen immer neue Klassenkämpfer zur KPD [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,106]
8.
etw. stößt an etw.etw. grenzt an etw. an
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
sein Zimmer stößt an das Wohnzimmer
unser Garten stößt an einer Seite an die Straße
9.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
die Straße stößt direkt auf den Marktplatz, Bahnhof (= führt direkt auf ihn zu)
10.
etw. stößt
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
Beispiele:
ein Wagen stößt (= rüttelt)
Der Wagen stößt ... schrecklich auf den zerfahrenen Landwegen [FalladaWolf2,388]
b)
Beispiele:
der Wind stieß (= wehte stoßweise) rau und kalt
er berichtete mit stoßendem Atem (= stoßweise erfolgendem Atem)
11.
Jägersprache
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
der Habicht stößt auf seine Beute (= fährt plötzlich hastig aus der Luft auf seine Beute nieder)
12.
jmdn. stößt etw.etw. erfasst jmdn. heftig (und stoßweise)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ihn stieß ein Schluchzen, Lachen
Der Universitätsprofessor lag ... am Boden, gestoßen vom Schreikrampf [L. Frank6,281]
salopp, bildlich
Beispiel:
jmdn. stößt der Bock (= jmd. ist störrisch) (= jmd. schluchzt ununterbrochen)
13.
salopp jmdm. etw. stoßenjmdn. deutlich auf etw. hinweisen, jmdm. unmissverständlich etw. zu verstehen geben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
jmdm. Bescheid stoßen (= jmdm. die Meinung sagen)
Dem Mann hat einer was gestoßen [DöblinAlexanderpl.127]
14.
veraltend ins Horn stoßeneinmal kurz, kräftig ins Horn blasen und einen Ton (als Signal) erzeugen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Der Bataillonshornist von der Landwehr stieß in die Trompete. Sturmsignal! [Kisch1,272]
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlichmit jmdm. in das gleiche, dasselbe Horn stoßen (= mit jmdm. einer Meinung sein, jmdn. in seiner Meinung unterstützen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stoßen · Stoß · Stößel · abstoßen · abstoßend · anstoßen · Anstoß · anstößig · verstoßen · Verstoß · vorstoßen · Vorstoß
stoßen Vb. ‘mit kurzer, heftiger Bewegung an etw. anprallen, etw. mit heftigem Druck in eine Richtung bewegen’. Das stark flektierende Verb ahd. stōʒan (um 800), mhd. stōʒen, asächs. stōtan, mnd. mnl. stōten, nl. stoten, got. stautan (germ. *stautan) und schwach flektierendes anord. stauta führen mit den außergerm. Verwandten aind. tudáti ‘stößt, schlägt, sticht’, air. dotuit ‘fällt’, lat. tundere ‘stoßen, schlagen’, studēre ‘betreiben, streben, trachten’ auf mit Dental weitergebildetes ie. *(s)teud- der nur in Erweiterungen auftretenden Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Stief-, ↗Stock, ↗Stubbe, ↗Stück). Stoß m. ‘kurzer, heftiger Anprall, ruckartige gezielte Bewegung’, ahd. (8. Jh.), mhd. stōʒ ‘Stoß, Stich, Streit’ (germ. *stauti-); auch ‘aufgeschichteter, zusammengestoßener Haufen’ (15. Jh.). Dazu die Wendung sich einen Stoß geben ‘sich ermuntern, aufraffen’ (19. Jh.), älter seinem Herzen einen Stoß geben (18. Jh.), seiner Seele einen Stoß tun (17. Jh.). Stößel m. ‘Werkzeug zum Zerkleinern und Zerstampfen’, ahd. stōʒil (Hs. 12. Jh.), mhd. stœʒel, mit dem Suffix germ. -ila- gebildete Gerätebezeichnung. abstoßen Vb. ‘durch einen Stoß entfernen, absondern, lostrennen, etw. ausscheiden, sich einer Sache oder Person entledigen, zurückweisen’, ahd. abastōʒan ‘herabstoßen, seines Amtes entheben, vertreiben, verdrängen’ (um 1000), mhd. abestōʒen ‘herabstoßen, entfernen, abladen, brechen, absegeln, von der rechten Fährte abweichen’; abstoßend Part.adj. ‘Abneigung, Widerwillen hervorrufend, ekelerregend’ (Ende 18. Jh.). anstoßen Vb. ‘an etw. stoßen, Gläser klingen lassen, Ärgernis verursachen’, ahd. anastōʒan ‘an etw. stoßen, anstürmen, anschlagen’ (9. Jh.), mhd. anestōʒen ‘in See stechen, anzünden, befallen’; Anstoß m. ‘erster, auslösender Stoß, Anprall, Ärgernis’, ahd. anastōʒ ‘Stoß, Anprall, Antrieb’ (11. Jh.), mhd. anstōʒ ‘Angriff, Anfechtung’; anstößig Adj. ‘angrenzend’ (15. Jh.), ‘Ärgernis erregend’ (16. Jh.). verstoßen Vb. ‘jmdn. von sich stoßen, abweisen, sich vergehen, zuwiderhandeln’, ahd. firstōʒan ‘vertreiben, ablehnen, Anstoß nehmen’ (9. Jh.), mhd. verstōʒen ‘stoßen, aus der Richtung bringen, vertreiben, entfernen, sich irren, verirren’; Verstoß m. ‘Verletzung einer Bestimmung, Versehen, Fehler’ (17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Mittel zum Verstopfen von Öffnungen’ (16. Jh.). vorstoßen Vb. ‘nach vorn stoßen’ (15. Jh.), militärisch ‘vordringen, plötzlich angreifen’ (19. Jh.), ahd. furistōʒan ‘in Bewegung setzen, nach vorn stoßen’ (11. Jh.); Vorstoß m. ‘Angriff’ (19. Jh.), älter ‘Hervortretendes’ an Kleidungsstücken, Bauwerken (17. Jh.), ‘das Nachvorngestoßene’, z. B. ‘das Wachs, womit die Bienen den Stock für den Winter verschließen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
rempeln · ↗schubsen · stoßen  ●  schupsen  regional · ↗stupsen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausstechen · ↗durchlöchern · ↗durchstechen · ↗einstechen · ↗lochen · ↗stanzen · ↗stechen · stoßen  ●  ↗piercen  engl. · ↗piken  ugs. · ↗piksen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
schlagen · stoßen
Synonymgruppe
einrammen · ↗festrammen · ↗rammen · ↗stauchen · stoßen

Typische Verbindungen zu ›stoßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ablehnung Gegenliebe Grenze Horn Interesse Kopf Kritik Ohr Plan Resonanz Schwierigkeit Skepsis Unverständnis Verständnis Vorschlag Widerspruch Widerstand Zustimmung ab abstoßen an anstoßen auf aus ausstoßen vor vorstoßen zusammen zusammenstoßen zustoßen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stoßen‹.

Verwendungsbeispiele für ›stoßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In iranischen Medien stießen die Auszeichnungen für den Film dagegen auf Kritik.
Die Zeit, 14.01.2013 (online)
Trotzdem stieß er einmal mit der Gabel gegen den kranken Zahn.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 290
Dort stießen Wissenschaftler auf riesige Köpfe aus Stein, drei Meter hoch.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12
Während er sich unsicher hinaustastete, stieß er gegen den Tisch.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 49
Da er es von selber nicht tat, stieß ihn das Schicksal.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 438
Zitationshilfe
„stoßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sto%C3%9Fen>, abgerufen am 17.02.2020.

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