stopfen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungstop-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›stopfen‹ als Erstglied: ↗Stopfbuchse · ↗Stopferei · ↗Stopfgarn · ↗Stopfkorb · ↗Stopfnadel · ↗Stopfpilz · ↗Stopftwist · ↗Stopfung · ↗Stopfwolle
 ·  mit ›stopfen‹ als Letztglied: ↗ausstopfen · ↗hineinstopfen · ↗kunststopfen · ↗unterstopfen · ↗vollstopfen · ↗wegstopfen · ↗zustopfen
 ·  mit ›stopfen‹ als Grundform: ↗Stopfen · ↗verstopfen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. (mit etw.) so füllen, dass es gedrängt voll wird
Beispiele:
eine Matratze mit Rosshaar stopfen
den Ofen voll Holz stopfen
einen Strohsack stopfen (= mit Stroh füllen)
eine Pfeife stopfen (= mit Tabak füllen)
die Wurst stopfen (= den Darm mit Fleischmasse füllen)
Musik die Trompete stopfen (= mit dem Dämpfer die Tonstärke vermindern)
Musik ein gestopfter (= gedämpfter) Ton
er hat sich [Dativ] die Taschen voll Äpfel gestopft
bildlich
Beispiele:
er hat sechs hungrige Münder zu stopfen (= er hatte sechs Kinder zu versorgen)
salopp er hat sechs hungrige Mäuler zu stopfen (= er hatte sechs Kinder zu versorgen)
salopp jmdm. den Hals stopfen (= jmdn. zufriedenstellen)
umgangssprachlich jmdm. den Mund stopfen (= jmdn. durch Bestechung oder Gewalt zum Schweigen bringen)
umgangssprachlich, salopp, derb jmdm. das Maul stopfen (= jmdn. durch Bestechung oder Gewalt zum Schweigen bringen)
umgangssprachlich gestopft vollganz voll, überfüllt
Beispiel:
die Läden sind gestopft voll
2.
einen Schaden in einem Gewebe mit Nadel und Faden, die Gewebestruktur nachahmend, beseitigen, ausbessern
Beispiele:
sie hat den Pullover kunstvoll mit Wolle gestopft
ein Loch, den Riss in der Hose stopfen
Strümpfe stopfen
gestopfte Socken tragen
etw. abdichten, zustopfen
Beispiele:
ein Leck mit Werg stopfen
von Kindesbeinen an hab ich gehört, der Priehl sei nicht zu stopfen [StormSchimmelr.7,211]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich eine Lücke in seinem Wissen stopfen (= sein Wissen vervollständigen)
3.
umgangssprachlich etw., jmdn. in, unter etw. stopfenetw., jmdn. in, unter etw. unterbringen, stecken
Beispiele:
Wäsche in einen Schrank, Koffer stopfen
sich [Dativ] Watte in die Ohren stopfen
er hat sich [Dativ] einen Bissen in den Mund gestopft
Die Frau stopfte die zwei jüngsten Kinder ins Bett [SeghersRettung451]
4.
etw. stopftetw. füllt an, verstopft
Beispiele:
Mehl, Kartoffelbrei stopft (= sättigt sehr)
Kakao, Schokolade stopft (= hemmt den Stuhlgang, macht hartleibig)
5.
umgangssprachlich viel und gierig essen
Beispiele:
stopf nicht so!
Stanislaus stopfte [StrittmatterWundertäter80]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stopfen · Stopfen · ausstopfen · vollstopfen · verstopfen · Verstopfung
stopfen Vb. ‘undurchlässig, dicht machen, füllen, hineinpressen’, ahd. stophōn ‘stechen, anstacheln’ (9. Jh.), mhd. stopfen, (md.) stoppen ‘stechen, dicht machen, verstopfen’, mnd. mnl. nl. stoppen ‘dicht machen, verstopfen, anhalten, hindern’ (s. ↗stoppen), aengl. forstoppian ‘zustoßen, dicht machen’, engl. to stop ‘füllen, dicht machen, zum Stehen bringen, anhalten’ stellt sich mit intensivierender Konsonantengemination wohl zu ie. *(s)teup-, *(s)teub(h)- ‘stoßen’ (s. auch ↗Stief-), einer Labialerweiterung der unter ↗stoßen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (vgl. die alten Bedeutungen ‘stechen, zustoßen’). Das Verb gerät (vermutlich am Niederrhein) unter den Einfluß von mlat. stuppare ‘mit einem Wergpfropfen verschließen, dicht machen’, zu lat. stuppa, stūpa ‘Werg, grober Flachs’, griech. stýppē (στύππη) ‘Werg’, und übernimmt dessen Bedeutung. Für ‘ein Loch zunähen, flicken, mit Nadel und Faden ausbessern’ seit dem Anfang des 18. Jhs. belegt. Stopfen m. ‘Stöpsel, Korken’, eigentlich ‘Wergbausch zum Verschließen’ (18. Jh.). ausstopfen Vb. ‘einen Hohlraum füllen’ (17. Jh.) vollstopfen Vb. ‘fest mit etw. ausfüllen’ (17. Jh.). verstopfen Vb. ‘dicht, undurchlässig machen oder werden’, ahd. firstophōn (11. Jh.), mhd. verstopfen, -stoppen; Verstopfung f. ‘Abdichtung, Darmverstopfung’, mhd. verstopfung ‘das Verstopftsein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
dichtmachen · stopfen
Synonymgruppe
auffüttern · ↗füttern · ↗mästen · stopfen
Assoziationen
Synonymgruppe
drücken · ↗knautschen · ↗pferchen · ↗pfropfen · ↗pressen · ↗quetschen · stopfen · ↗zwängen  ●  proppen  norddeutsch
Oberbegriffe
  • sonstige Verben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bundeshaushalt Etatloch Finanzloch Haushaltsloch Korb Leck Loch Lücke Maul Milliardenloch Mund Pfeife Plastiktüte Rachen Rentenkasse Rucksack Schlupfloch Socke Sommerloch Steuerschlupfloch Strumpf Tasche Tüte Verlustloch Verlustquelle ausstopfen hineinstopfen reinstopfen vollstopfen zustopfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stopfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer frisst, stopft sich das Maul; plaudern kann er nicht mehr.
Der Tagesspiegel, 22.12.2002
Gnadenlos stopft man uns voll mit bizarren Informationen über völlig fremde Länder.
Die Welt, 15.06.2002
Zusammen mit meiner Mutter stopfte er die Decke in meinen Rücken.
Rasp, Renate: Ein ungeratener Sohn, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1967, S. 53
Am liebsten hätte sie es auf einmal in den Mund gestopft.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 23.04.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Geschäftig stopfte ich das alles in die dunkelste Ecke dicht zusammen.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21523
Zitationshilfe
„stopfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stopfen>, abgerufen am 21.06.2019.

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