strömen

Grammatik Verb · strömt, strömte, ist geströmt
Aussprache  [ˈʃtʀøːmən]
Worttrennung strö-men
Grundform Strom
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
etw. [ein Gewässer] strömtvon FlüssenZDL   sich schnell vorwärts, in eine Richtung bewegenZDL
Beispiele:
Irgendwo strömen dann diese unterirdischen Flüsse aus Höhlenportalen und stürzen über Wasserfälle in die Tiefe. [Luzerner Zeitung, 22.06.2020]ZDL
Hier [bei Dresden] blühten Bäume, hier strömte die Elbe, und hier erblühte eine Poesie[…]. [Süddeutsche Zeitung, 28.07.2017]ZDL
Still und mächtig strömte der Fluß[.] [ HesseNarziß5,151]
2.
etw. strömt (irgendwohin, irgendwoher)ZDLin großen Mengen stark und ununterbrochen fließen
a)
von Flüssigkeiten
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: ungehindert strömen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: aus einem Leck, ins Meer strömen
mit Aktiv-/Passivsubjekt: das Rohöl, Öl, Blut, Wasser strömt
Beispiele:
bei strömendem Regen reisten wir ab
Tränen strömten aus ihren Augen, ihr aus den Augen
das Blut strömte mir rascher durch die Adern
bildlichder Schweiß strömt über sein Gesicht
Riesige Wassermassen strömen in den Nordatlantik, sinken dort wegen ihrer hohen Dichte in die Tiefe, fliessen am Westrand des Ozeans nach Süden und gelangen an verschiedenen Stellen wieder an die Oberfläche. [Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2020]ZDL
Je nach Abwassersystem strömt Regenwasser entweder das ganze Jahr ungefiltert in die Gewässer oder zumindest bei Starkregen, wenn eine Überlastung der Kläranlagen droht, in diesem Fall sogar zusammen mit ungereinigtem Abwasser. [Süddeutsche Zeitung, 23.02.2021]ZDL
b)
von Luft, Gas, thermischer EnergieZDL
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: ungehindert strömen
mit Aktiv-/Passivsubjekt: das Erdgas, Gas strömt
Beispiele:
frische, kalte Luft strömte (durch das offene Fenster) ins Zimmer
Hitze strömte aus der Heizung
Zuerst strömt der Rauch in deinen Mund. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2021]ZDL
[…] ein leises Zischen strömenden Gases […] [ HartungWunderkinder21]
Er trank und fühlte mit Behagen die Wärme in seine Glieder strömen[.] [ H. Lebertin: Österr. Erzähler2,84]
c)
gelegentlich abwertend von Menschen   in Massen kommen
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: scharenweise, zahlreich, zuhauf, massenhaft strömen
mit Aktiv-/Passivsubjekt: die Schaulustigen, Besucher, Touristen, Tausende strömen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: in Scharen, zu Tausenden, in Masse strömen; in die Messehalle, Arena strömen
mit vergleichender Wort-/Nominalgruppe: wie die Lemminge strömen
Beispiele:
die Menschen strömten in den, aus dem Saal
sie strömten ins Theater
die Kinder strömten aus der Schule
Ordnungsbürgermeister Clemens Maier sagt, dass Stadt und Polizei vermeiden wollten, dass die Demonstrierenden »unkontrolliert durch die Stadt strömten«. [Süddeutsche Zeitung, 06.04.2021]ZDL
d)
von Geldern
Kollokationen:
mit Aktiv-/Passivsubjekt: das Kapital strömt
Beispiele:
Ausländisches Kapital strömte ins Land, die Wirtschaft boomte, und die Menschen konnten sich auf einmal Reisen ins Ausland leisten, nach Europa oder in die USA. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.2021]ZDL
Der Dukatensegen ist durch Eure Finger geströmt[.] [ C. F. MeyerJenatsch1,209]
e)
gehoben von Worten, Informationen, Gefühlen, Sinneseindrücken o. Ä.ZDL
Beispiele:
»Ein wohliges Gefühl strömte durch meinen Körper« [Überschrift] [Bild am Sonntag, 18.11.2012]ZDL
Wie damals der Strom, so werden bald Informationen in unser Leben strömen. [Süddeutsche Zeitung, 01.08.2009]ZDL
[…] aus dem Munde der herrschaftlichen Commissäre strömte das Lob des Deichgrafen[.] [ StormSchimmelr.7,246]
Eine Welle von Liebe strömte durch Mauds Herz[.] [ Kellerm.Tunnel13]
Aus diesen Worten des Narren in Christo strömte eine so volle, reine Güte und Zärtlichkeit […] [ G. Hauptm.Quint1,396]
f)
von DatenZDL
Beispiele:
»Wir haben für die Corona‑App eine minimale Infrastruktur geschaffen. Der Server hinter der App ist beispielsweise nur ein Kanal, der ist nach dem Ende der Pandemie nutzlos.« Die Daten, die durch ihn strömten, sind auf den Telefonen der Nutzer geblieben. [Süddeutsche Zeitung, 06.04.2021]
[…] man muss monatlich Geld bezahlen und kann dann viele Filme und Serien streamen. Dabei strömen Daten aus dem Internet auf das Gerät, auf dem man guckt. [Mittelbayerische, 27.03.2020]
Nicht von ungefähr kommt die Bezeichnung »Streamer« für Bandlaufwerke: Sie arbeiten am besten, wenn die Daten 100‑Megabyte‑weise auf das Band strömen – oder in ebensolchen Mengen zurück in den Rechner fließen. [C’t, 1996, Nr. 8]
übertragen Jetzt sorgt das Internet für Anschluss, die Welt strömt durchs Glasfaserkabel herein, was die Unternehmenskultur enorm beschleunigt hat. [Die Zeit, 17.02.2005]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strom · strömen · Strömung · Stromlinie · Stromlinienform
Strom m. ‘großer breiter Fluß, Strömung’, ahd. stroum (8. Jh.), mhd. stroum, strōm, strām ‘Fluß, Strömung’, asächs. strōm, mnd. strōm(e), mnl. nl. stroom, afries. strām, aengl. strēam, engl. stream, anord. straumr, schwed. ström (germ. *strauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- gegenüber griech. rhé͞uma (ῥεῦμα) ‘das Fließen’, russ. (älter) strúmen’ (струмень) ‘Bach’, lett. straume ‘Strom’ mit dem Suffix ie. -men-; alle lassen sich mit aind. srávati ‘strömt, fließt’, griech. rhé͞in (ῥεῖν, aus *ῥεϝειν) ‘fließen, strömen’, lit. sravė́ti ‘gelinde fließen, rieseln, sickern’, aslaw. ostrovъ ‘Insel, Bach’, russ. óstrov (остров) ‘Insel’, eigentlich ‘Umflossenes’, verbinden und mit diesen auf ie. *sreu- ‘fließen’ zurückführen, eine Erweiterung der Wurzel ie. *ser(ə)- ‘strömen, sich rasch und heftig bewegen’, die in lat. serum (s. Serum) und griech. hormā́n (ὁρμᾶν) (s. Hormon) vorliegt. Die germ. (teilweise auch die slaw. und balt.) Formen zeigen t-Einschub zwischen s und r. Die im Mhd. bestehenden Vokalschwankungen (s. oben) setzen sich im Nhd. fort, bis sich im 17. Jh. Strom durchsetzt. Strom bedeutet zunächst ‘schnell fließendes Wasser’ ohne Beachtung seiner Größe, dann (frühnhd.) ‘großer Fluß mit starker Strömung’ (als Synonym neben Fluß), danach (18. Jh.) ‘großer breiter Fluß’ (ohne Berücksichtigung der Art seiner Strömung). Daneben bleibt bis ins 19. Jh. die Verwendung im Sinne von ‘Strömung’ erhalten. Seit dem 18. Jh. begegnet übertragener Gebrauch für eine ‘sich in einer Richtung bewegende Menschen- und Volksmenge’, in der Physik für die fließend vorgestellten magnetischen Kräfte bzw. galvanischen, elektrischen Ladungen. Allgemeinsprachlich steht Strom für ‘Elektrizität’. Vom Substantiv abgeleitet strömen Vb. ‘breit und gewaltig dahinfließen’ (16. Jh., geläufig erst seit dem 18. Jh.). Strömung f. ‘gleichmäßig fließende Bewegung des Wassers’ (Ende 17. Jh., geläufig gegen Ende des 18. Jhs.), übertragen ‘historisch bedingte geistige Grundhaltung, Einstellung oder Bewegung, Tendenz’ (Mitte 19. Jh.). Stromlinie f. ‘Stromverlauf’, in der Physik eine Linie, die den Verlauf einer Strömung angibt (19. Jh.). Stromlinienform f. Konstruktionsprinzip für Fahrzeuge zur besseren Überwindung des Reibungswiderstandes (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fließen · fluten · quellen · rinnen · strömen  ●  rauschen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›strömen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›strömen‹.

Zitationshilfe
„strömen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/str%C3%B6men>, abgerufen am 27.11.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Stromeinspeisungsgesetz
Stromeinspeisung
Stromeinsparung
Stromeinheit
stromdurchflossen
Stromentnahme
Stromer
stromern
Stromersparnis
Stromerzeuger