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strömen

Grammatik Verb · strömt, strömte, ist geströmt
Aussprache 
Worttrennung strö-men
Grundform Strom
Wortbildung  mit ›strömen‹ als Letztglied: ↗abströmen · ↗anströmen · ↗ausströmen · ↗dahinströmen · ↗durchströmen · ↗einströmen · ↗entströmen · ↗herabströmen · ↗herausströmen · ↗herbeiströmen · ↗hereinströmen · ↗hervorströmen · ↗hinströmen · ↗umströmen · ↗verströmen · ↗vorbeiströmen · ↗zurückströmen · ↗zusammenströmen · ↗zuströmen · ↗überströmen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ein Fluss strömtdie Wassermengen des Flusses bewegen sich rasch vorwärts
Beispiel:
Still und mächtig strömte der Fluß [ HesseNarziß5,151]
2.
in großen Mengen stark und ununterbrochen fließen
a)
von Flüssigkeiten
Beispiele:
bei strömendem Regen reisten wir ab
Tränen strömten aus ihren Augen, ihr aus den Augen
der Schweiß strömt über sein Gesicht
das Blut strömte mir rascher durch die Adern
b)
von Luft, Gas
Beispiele:
frische, kalte Luft strömte (durch das offene Fenster) ins Zimmer
Hitze strömte aus der Heizung
ein leises Zischen strömenden Gases [ HartungWunderkinder21]
Er trank und fühlte mit Behagen die Wärme in seine Glieder strömen [ H. Lebertin: Österr. Erzähler2,84]
c)
von Menschen   in Massen kommen
Beispiele:
die Menschen strömten in den, aus dem Saal
sie strömten ins Theater
die Kinder strömten aus der Schule
Die jungen, im Klassenkampf noch unerfahrenen Arbeiter ... die in die Partei strömten, brauchten marxistische Schulung [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,107]
d)
von Geldern
Beispiel:
Der Dukatensegen ist durch Eure Finger geströmt [ C. F. MeyerJenatsch1,209]
e)
gehoben von Worten
Beispiele:
jmds. Rede strömt
aus dem Munde der herrschaftlichen Commissäre strömte das Lob des Deichgrafen [ StormSchimmelr.7,246]
f)
gehoben von Gefühlen
Beispiele:
Eine Welle von Liebe strömte durch Mauds Herz [ Kellerm.Tunnel13]
Aus diesen Worten des Narren in Christo strömte eine so volle, reine Güte und Zärtlichkeit [ G. Hauptm.Quint1,396]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Strom · strömen · Strömung · Stromlinie · Stromlinienform
Strom m. ‘großer breiter Fluß, Strömung’, ahd. stroum (8. Jh.), mhd. stroum, strōm, strām ‘Fluß, Strömung’, asächs. strōm, mnd. strōm(e), mnl. nl. stroom, afries. strām, aengl. strēam, engl. stream, anord. straumr, schwed. ström (germ. *strauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- gegenüber griech. rhé͞uma (ῥεῦμα) ‘das Fließen’, russ. (älter) strúmen’ (струмень) ‘Bach’, lett. straume ‘Strom’ mit dem Suffix ie. -men-; alle lassen sich mit aind. srávati ‘strömt, fließt’, griech. rhé͞in (ῥεῖν, aus *ῥεϝειν) ‘fließen, strömen’, lit. sravė́ti ‘gelinde fließen, rieseln, sickern’, aslaw. ostrovъ ‘Insel, Bach’, russ. óstrov (остров) ‘Insel’, eigentlich ‘Umflossenes’, verbinden und mit diesen auf ie. *sreu- ‘fließen’ zurückführen, eine Erweiterung der Wurzel ie. *ser(ə)- ‘strömen, sich rasch und heftig bewegen’, die in lat. serum (s. ↗Serum) und griech. hormā́n (ὁρμᾶν) (s. ↗Hormon) vorliegt. Die germ. (teilweise auch die slaw. und balt.) Formen zeigen t-Einschub zwischen s und r. Die im Mhd. bestehenden Vokalschwankungen (s. oben) setzen sich im Nhd. fort, bis sich im 17. Jh. Strom durchsetzt. Strom bedeutet zunächst ‘schnell fließendes Wasser’ ohne Beachtung seiner Größe, dann (frühnhd.) ‘großer Fluß mit starker Strömung’ (als Synonym neben Fluß), danach (18. Jh.) ‘großer breiter Fluß’ (ohne Berücksichtigung der Art seiner Strömung). Daneben bleibt bis ins 19. Jh. die Verwendung im Sinne von ‘Strömung’ erhalten. Seit dem 18. Jh. begegnet übertragener Gebrauch für eine ‘sich in einer Richtung bewegende Menschen- und Volksmenge’, in der Physik für die fließend vorgestellten magnetischen Kräfte bzw. galvanischen, elektrischen Ladungen. Allgemeinsprachlich steht Strom für ‘Elektrizität’. Vom Substantiv abgeleitet strömen Vb. ‘breit und gewaltig dahinfließen’ (16. Jh., geläufig erst seit dem 18. Jh.). Strömung f. ‘gleichmäßig fließende Bewegung des Wassers’ (Ende 17. Jh., geläufig gegen Ende des 18. Jhs.), übertragen ‘historisch bedingte geistige Grundhaltung, Einstellung oder Bewegung, Tendenz’ (Mitte 19. Jh.). Stromlinie f. ‘Stromverlauf’, in der Physik eine Linie, die den Verlauf einer Strömung angibt (19. Jh.). Stromlinienform f. Konstruktionsprinzip für Fahrzeuge zur besseren Überwindung des Reibungswiderstandes (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fließen · ↗fluten · ↗quellen · ↗rinnen · strömen  ●  ↗rauschen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›strömen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›strömen‹.

Verwendungsbeispiele für ›strömen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann strömen sie in Scharen auf die knapp 200 Plätze, die schon vor Eintreffen des Dozenten fast alle belegt sind.
Der Tagesspiegel, 03.07.2001
Vermutlich strömte das Gas aus noch ungeklärter Ursache aus dem Behälter.
Süddeutsche Zeitung, 01.02.1995
Als er erwachte, strömte der volle Morgen schon durch die drei großen gewölbten Fenster.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 296
Bilder strömten durch seinen Kopf, zu wuchtig und zu fiebrig, um sie festzuhalten.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 296
Alles strömt über das Feld nach der Straße, wo angetreten und abgezählt wird.
Langhoff, Wolfgang: Die Moorsoldaten, Stuttgart: Verl. Neuer Weg 1978 [1935], S. 200
Zitationshilfe
„strömen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/str%C3%B6men>, abgerufen am 28.11.2020.

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