streben

GrammatikVerb · strebt, strebte, hat/ist gestrebt
Aussprache
Worttrennungstre-ben
Wortbildung mit ›streben‹ als Erstglied: ↗Strebebalken · ↗Strebebogen · ↗Strebeleiste · ↗Strebepfeiler · ↗Streber · ↗Streberei · ↗Strebewerk · ↗strebsam
 ·  mit ›streben‹ als Letztglied: ↗anstreben · ↗aufstreben · ↗emporstreben · ↗entgegenstreben · ↗erstreben · ↗fortstreben · ↗hinstreben · ↗hochstreben · ↗nachstreben · ↗voranstreben · ↗vorbeistreben · ↗vorwärtsstreben · ↗wegstreben · ↗widerstreben · ↗zustreben
 ·  mit ›streben‹ als Grundform: ↗Strebe · ↗Streben · ↗bestreben
 ·  formal verwandt mit: ↗zielstrebig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
irgendwohin strebensich zügig, unbeirrt in eine bestimmte Richtung, auf ein bestimmtes Ziel zu bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’, mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
nach Hause, zum Ausgang, ins Freie streben
nach vorwärts, nach oben, zum Gipfel des Berges streben
die Pflanze strebt nach dem, zum Licht
Die in alle Windrichtungen aus dem Harz strebenden Flüsse [Natur u. Heimat1960]
gehoben, bildlich sich in die Höhe erstrecken, ragen
Beispiel:
der Pfeiler, die Zinnen, Türme streben in die Höhe, zum Himmel
2.
nach etw. strebenetw. (mit aller Kraft) zu erreichen suchen, sich eifrig um etw. bemühen, nach etw. trachten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
nach Ruhm, Ehre, Glück, Geld, Gewinn, Anerkennung, Wissen streben
er hat stets danach gestrebt, sich beruflich weiterzubilden
all sein Streben war vergebens
Seine Motive waren nicht persönliches Streben nach Macht und Ansehen [Diggelm.Hinterlassenschaft79]
Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen [GoetheFaustII 11936]
mit Fleiß und Ehrgeiz auf das eigene berufliche, gesellschaftliche Fortkommen hinarbeiten
Beispiel:
Ich habe von Kind an gestrebt, / Gab keinen Grund zu Beschwerden [WeinertZwischensp.853]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streben · Strebe · verstreben · Strebebogen · Strebepfeiler · Streber · strebsam · widerstreben
streben Vb. ‘auf eine körperliche oder geistige Vorwärtsbewegung gerichtet sein, seine Bemühungen auf etw. richten, wonach trachten’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte schwache Verb ahd. streben, strebōn ‘sich regen, bewegen’ (11. Jh.), mhd. streben (md. auch streven) ‘sich heftig bewegen, zappeln, Widerstand leisten, sich aufrichten, abmühen, kämpfen, starren, steif sein, strotzen’, mnd. strēven ‘zappeln, sich bewegen, sich bemühen, starr in eine Richtung weisen, sich auflehnen’, mnl. strēven ‘nach etw. trachten, sich widersetzen’, nl. streven steht deverbativ neben einem resthaft belegten gleichbed. stark flektierenden Verb mhd. *strīben (vgl. bezeugtes strep, gestreben) und wahrscheinlich nl. (älter) strijven ‘streben, streiten’. Verwandt ist das Adjektiv mnd. strif ‘angespannt, steif, starr’, stref ‘straffgespannt, fest angezogen (von Sehnen), starr, steif’. Vergleichbar ist griech. striphnós (στριφνός) ‘dicht, fest, hart’, so daß auf eine Labialerweiterung ie. *strē̌ibh- der unter ↗starren (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ zurückgegangen werden kann. Möglicherweise sind im Verb streben zwei ursprünglich getrennte, wenn auch zu einer Wurzel gehörende Bildungen zusammengefallen, die sich in älterer Zeit nach ihren Bedeutungen trennen lassen; einmal ‘starren, steif sein, emporragen’ (bis 15. Jh.), dem Adjektiv mnd. strif, stref (s. oben) nahestehend, zum anderen ‘(sich) regen, bewegen’ auf ein ursprünglich räumliches Ziel zu, auch gegen Widerstand, bereits früh (mhd. beginnend) übertragen auf Gedanken und willensbestimmte Handlungen. Strebe f. ‘Stützpfeiler, Querbalken’ (16. Jh.), anfangs ‘schräge Neigung von Wand- und Mauerflächen’; vgl. mhd. widerstrebe ‘Widerstand’. verstreben Vb. ‘mit Stützbalken versehen’ (19. Jh.), von Strebe abgeleitet. Unabhängig davon mhd. verstreben ‘strebend überwinden’. Strebebogen m. ‘bogenförmige Stütze’ (16. Jh.), in gotischen Kirchen ‘frei schwebender Bogen, der den Schub vom Mittelschiff zu den Strebepfeilern des Seitenschiffs herableitet’ (19. Jh.). Strebepfeiler m. ‘Stützpfeiler’ (15. Jh.). Streber m. ‘wer sich um ein Ziel bemüht’ (18. Jh.), meist abschätzig ‘Ehrgeizling’, vor allem in der Schülersprache (19. Jh.), älter ‘(Wider)streiter’ (16. Jh.). strebsam Adj. ‘beharrlich und fleißig ein Ziel verfolgend’ (Anfang 19. Jh.). zielstrebig Adj. ‘sich um ein bestimmtes Ziel bemühend, zweckgerichtet’ (19. Jh.). widerstreben Vb. ‘Widerstand leisten, sich sträuben, zuwider sein’, mhd. widerstreben.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufstreben · ↗emporstreben · streben
Synonymgruppe
(Kurs) einschlagen · (ein) Ziel verfolgen · (nach etwas) streben · ↗anpeilen

Typische Verbindungen zu ›streben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Atomwaffe Autonomie Börse Harmonie Macht Massenvernichtungswaffe Perfektion Richtung Ufer Unabhängigkeit Weltherrschaft an anstreben aufstreben aufwärts auseinanderstreben danach dorthin emporstreben entgegenstreben fortstreben herausstreben hinausstreben hinstreben nachstreben vorwärts wegstreben weiterstreben zurückstreben zustreben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streben‹.

Verwendungsbeispiele für ›streben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch er strebte - wie sein Vater - nach der letzten endgültigen Form, die seine innere Vision am reinsten wiedergeben sollte.
Der Tagesspiegel, 15.04.1998
Ich strebe nach gar nichts, aber was noch kommt, das weiß ich nicht.
Süddeutsche Zeitung, 26.04.1994
Sie streben danach, nicht so sein zu wollen wie Behinderte.
Klee, Ernst: Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 151
Das frühe Ägypten strebte nach Stabilität; es schuf eine Kultur, die ihm anderthalb Jahrtausende genügen sollte.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 792
Er strebte wohl eine ganze Stunde lang in der Stadt umher.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 154
Zitationshilfe
„streben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/streben>, abgerufen am 28.01.2020.

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