streben
Vb.
‘auf eine körperliche oder geistige Vorwärtsbewegung gerichtet sein, seine Bemühungen auf etw. richten, wonach trachten’.
Das nur im
Dt. und
Nl. bezeugte schwache Verb
ahd.
streben,
strebōn
‘sich regen, bewegen’
(11. Jh.),
mhd.
streben
(
md.
auch
streven)
‘sich heftig bewegen, zappeln, Widerstand leisten, sich aufrichten, abmühen, kämpfen, starren, steif sein, strotzen’,
mnd.
strēven
‘zappeln, sich bewegen, sich bemühen, starr in eine Richtung weisen, sich auflehnen’,
mnl.
strēven
‘nach etw. trachten, sich widersetzen’,
nl.
streven
steht deverbativ neben einem resthaft belegten
gleichbed. stark flektierenden Verb
mhd.
*strīben
(vgl. bezeugtes
strep,
gestreben)
und wahrscheinlich
nl.
(älter)
strijven
‘streben, streiten’.
Verwandt ist das Adjektiv
mnd.
strif
‘angespannt, steif, starr’,
stref
‘straffgespannt, fest angezogen (von Sehnen), starr, steif’.
Vergleichbar ist
griech.
striphnós
(
στριφνός)
‘dicht, fest, hart’,
so daß auf eine Labialerweiterung
ie.
*strē̌ibh-
der unter
starren
(s. d.)
dargestellten Wurzel
ie.
*(s)ter(ə)-,
*(s)trē-
‘starr, steif sein’
zurückgegangen werden kann.
Möglicherweise sind im Verb
streben
zwei ursprünglich getrennte,
wenn auch zu einer Wurzel gehörende Bildungen zusammengefallen,
die sich in älterer Zeit nach ihren Bedeutungen trennen lassen;
einmal
‘starren, steif sein, emporragen’
(bis 15. Jh.),
dem Adjektiv
mnd.
strif,
stref
(s. oben) nahestehend, zum anderen
‘(sich) regen, bewegen’
auf ein ursprünglich
räumliches Ziel zu, auch gegen Widerstand,
bereits früh (
mhd. beginnend) übertragen auf
Gedanken und willensbestimmte Handlungen.
–
Strebe
f.
‘Stützpfeiler, Querbalken’
(16. Jh.),
anfangs
‘schräge Neigung von Wand- und Mauerflächen’;
vgl.
mhd.
widerstrebe
‘Widerstand’.
verstreben
Vb.
‘mit Stützbalken versehen’
(19. Jh.),
von
Strebe
abgeleitet.
Unabhängig davon
mhd.
verstreben
‘strebend überwinden’.
Strebebogen
m.
‘bogenförmige Stütze’
(16. Jh.),
in gotischen Kirchen
‘frei schwebender Bogen, der den Schub vom Mittelschiff zu den Strebepfeilern des Seitenschiffs herableitet’
(19. Jh.).
Strebepfeiler
m.
‘Stützpfeiler’
(15. Jh.).
Streber
m.
‘wer sich um ein Ziel bemüht’
(18. Jh.),
meist abschätzig
‘Ehrgeizling’,
vor allem in der Schülersprache
(19. Jh.),
älter
‘(Wider)streiter’
(16. Jh.).
strebsam
Adj.
‘beharrlich und fleißig ein Ziel verfolgend’
(Anfang 19. Jh.).
zielstrebig
Adj.
‘sich um ein bestimmtes Ziel bemühend, zweckgerichtet’
(19. Jh.).
widerstreben
Vb.
‘Widerstand leisten, sich sträuben, zuwider sein’,
mhd.
widerstreben.