strecken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungstre-cken (computergeneriert)
Wortbildung mit ›strecken‹ als Erstglied: ↗Streckbett · ↗Streckbewegung · ↗Streckgrenze · ↗Streckhang · ↗Streckmetall · ↗Strecksitz · ↗Streckstütz · ↗Streckung · ↗Streckverband · ↗streckbar
 ·  mit ›strecken‹ als Letztglied: ↗abstrecken · ↗ausstrecken · ↗durchstrecken · ↗emporstrecken · ↗entgegenstrecken · ↗erstrecken · ↗herausstrecken · ↗hervorstrecken · ↗hineinstrecken · ↗hinstrecken · ↗hochstrecken · ↗niederstrecken · ↗vollstrecken · ↗vorstrecken
 ·  mit ›strecken‹ als Grundform: ↗gestreckt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., sich, jmdn. zur vollen Länge ausdehnen
a)
sich, die Glieder so lang wie möglich dehnen, recken
Beispiele:
er reckte und streckte sich, streckte und dehnte die Glieder
die Zuschauer streckten die Hälse, um besser sehen zu können
die Katze streckte (= rekelte) sich wohlig in der Sonne und gähnte
b)
etw., besonders ein gebeugtes Körperglied, in eine gerade, ausgestreckte Haltung bringen, geradebiegen
Beispiele:
die Arme, Beine strecken
das gebrochene Bein wurde gestreckt (= kam in einen Streckverband)
etw. mit gestrecktem Arm von sich halten
er zog die Knie an und streckte sie wieder
mit gestrecktem Zeigefinger auf etw. zeigen
Turnenein gestreckter Überschlag (= Überschlag mit lang ausgestrecktem Körper) an den Ringen
Mathematikein gestreckter Winkel (= ein Winkel von 180°)
c)
ein Körperglied, sich in eine bestimmte Richtung ausstrecken
Beispiele:
die Arme, Hände in die Höhe, gegen jmdn., nach jmdm., etw. strecken
den Kopf durch die Tür, aus dem Fenster strecken
der Junge streckte die Zunge aus dem Mund
die Schüler streckten die Finger in die Höhe (= meldeten sich)
der Hund streckt die Nase in den Wind (= wittert)
die Beine, Füße unter den Tisch, lang, weit von sich strecken
bildlich
Beispiele:
sich nach der Decke strecken (= mit wenig auszukommen suchen)
umgangssprachlicher streckt noch die Füße, Beine unter Vaters Tisch (= wird noch von seinem Vater ernährt, wohnt noch bei seinen Eltern)
salopp alle viere von sich streckenArme und Beine im Liegen weit ausstrecken
Beispiele:
nach der weiten Wanderung streckten sie alle viere von sich (= waren sie todmüde, ruhten sie sich aus)
der Hund lag da und hatte alle viere von sich gestreckt (= schlief) (= war verendet)
d)
sich, jmdn., etw. ausgestreckt hinlegen
Beispiel:
sich auf den Boden, aufs Bett, Sofa, Lager, ins Gras, Stroh, zum Schlaf strecken
bildlich
Beispiel:
jmdn. zu Boden strecken (= niederschlagen, im Kampf besiegen)
gehoben, übertragen
Beispiele:
die Waffen strecken (= sich ergeben)
vor diesen Argumenten musste sie die Waffen strecken (= sich geschlagen geben)
e)
gehoben sich (in die Länge, Breite) erstrecken
Beispiel:
Weißgekalkt ... streckte sich ein Dorf am fernen Waldrand [UhsePatrioten1,114]
2.
etw., jmdn., sich (über das bisher eingenommene Längenmaß hinaus) länger, dünner machen
Beispiele:
Schuhe strecken und weiten lassen
die Betonpiste ist auf 3,2 Kilometer gestreckt worden
fachsprachlichEisenblech durch Walzen, Hammerschläge strecken
fachsprachlichdas Verhalten der Werkstoffe beim Strecken und Stauchen
Längsstreifen strecken die Figur vorteilhaft (= lassen die Figur schlanker erscheinen)
ein Kleid mit streckender Knopfreihe
die Schatten streckten sich (= wurden länger)
umgangssprachlichder Weg streckt sich (= zieht sich in die Länge)
umgangssprachlichdas Mädchen hat sich (mächtig, ordentlich) gestreckt (= ist stark gewachsen)
historisch jmdm. auf der Folter die Glieder schmerzhaft in die Länge ziehen, ausrenken
Beispiel:
Sie streckten den Unglücklichen, zwickten ihn mit glühenden Eisen [BredelHeerstraßen139]
3.
umgangssprachlich etw. streckenbewirken, dass etw. länger reicht
a)
Lebensmittel durch Vermischen, Verdünnen mit minderwertigen Zusätzen in der Menge ergiebiger machen
Beispiele:
die Suppe mit Wasser, das Gehackte mit Semmelmehl strecken
(mit Pudding) gestreckte Buttercreme
b)
Vorräte sparsamer verwenden, rationieren
Beispiel:
Die letzten Kartoffeln, die letzten Kohlen ... wer wußte, ob sich das alles noch bis Ende August strecken ließ [A. ZweigBeil576]
4.
Jägersprache Wild erlegen, zur Strecke bringen
Beispiel:
[die Wisentherde] wurde durch Wilderer bis auf das letzte Stück gestreckt [Urania1957]
5.
Sport ein Gewicht zur Hochstrecke bringen
Beispiel:
er hat im Dreikampf 180 Kilogramm gestreckt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

strecken · Strecke · niederstrecken · vorstrecken · erstrecken
strecken Vb. ‘gerade und straff ausdehnen’, reflexiv ‘sich dehnen, ausgedehnt hinlegen, sich erstrecken’. Das nur westgerm. bezeugte Verb ahd. (um 800), mhd. mnd. mnl. strecken ‘gerademachen, ausdehnen, ausbreiten, -spannen’, nl. strekken, afries. strekka, aengl. streccan, engl. to stretch (westgerm. *strakijan) stellt sich (faktitiv?) zu dem unter ↗stracks (s. d.) angegebenen Adjektiv (z. B. ahd. -strac) und bedeutet eigentlich ‘gerade, straff, steif machen’. In fester Wendung die Waffen strecken (‘niederlegen’) als Zeichen der Kapitulation (18. Jh.). Strecke f. ‘Wegabschnitt bis zu einem Zielpunkt’ (18. Jh.), zuvor (im Bergbau) ‘horizontaler Grubenbau’ (Ende 15. Jh.), ‘Reichweite’ einer Schiffsbrücke, (in der Mathematik) ‘gerade Linie’ (17. Jh.), dann ‘durch zwei Punkte begrenzter Abschnitt einer Geraden’ (19. Jh.), ‘bestimmter Abschnitt einer Verkehrslinie’ (19. Jh.). Vgl. die ältere Zusammensetzung mhd. zilstrecke, dafür nhd. Wegstrecke (17. Jh.), und die Wendung zur Strecke bringen ‘erlegen’ (19. Jh.), wohl zu Strecke im Sinne von ‘reihenweise nebeneinandergelegtes bei einer Jagd erlegtes Wild’ (19. Jh.). niederstrecken Vb. ‘ausgestreckt niederlegen, zu Boden werfen, töten’, ahd. nidarstrecken (9. Jh.), mhd. niderstrecken. vorstrecken Vb. (besonders einen Körperteil) ‘nach vorn bringen, recken’, mhd. vürstrecken; vgl. ahd. forastrecken ‘hinstrecken, niederwerfen’ (9. Jh.). Seit dem 16. Jh. auch ‘vorschießen, leihen’ (von Geld und anderen Dingen). erstrecken Vb. reflexiv ‘umfassen, eine Ausdehnung haben’, mhd. erstrecken ‘ausstrecken, ausdehnen, verlängern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) ausdehnen · ↗(sich) erstrecken · ↗ausstrecken · strecken
Synonymgruppe
ausstrecken · ↗dehnen · recken · ↗rekeln · strecken
Synonymgruppe
ergiebiger machen · mehr Menge gewinnen · strecken (Gericht) · ↗verlängern (Soße, Suppe) · ↗vermehren
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Hand heben · ↗(sich) melden  ●  aufstrecken  ugs., schweiz. · ↗aufzeigen (Unterricht)  ugs. · strecken (südwestdt.)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arm Arme Bein Decke Faust Finger Glied Himmel Luft Länge Waffe Zeigefinger Zunge ausstrecken dehnen durchstrecken emporstrecken entgegenstrecken herausstrecken hervorstrecken hinausstrecken hinstrecken hochstrecken niederstrecken rausstrecken recken vergeblich vollstrecken vorstrecken zeitlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›strecken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Solch eine ebene Strecke hätte er sich diesmal auch gewünscht.
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2001
Stattdessen liege es im Interesse des Programms, die Förderung über mehrere Jahre zu strecken.
Der Tagesspiegel, 10.05.2000
Er streckt sich aus, einen Meter zweiundachtzig, der Kasten erlaubt das.
Morgner, Irmtraud: Rumba auf einen Herbst, Hamburg u. a.: Luchterhand 1992 [1965], S. 71
Ich streckte den rechten Fuß im Gelenk; es schmerzte kaum mehr.
Fühmann, Franz: Das Judenauto, Zürich: Diogenes 1986 [1962], S. 139
Seine langen Beine streckte er bis zum nächsten Tisch hinüber.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 107
Zitationshilfe
„strecken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/strecken>, abgerufen am 19.11.2019.

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