streifen

GrammatikVerb · streift, streifte, hat/ist gestreift
Aussprache
Worttrennungstrei-fen
Wortbildung mit ›streifen‹ als Erstglied: ↗Streifband · ↗Streiferei · ↗Streifjagd · ↗Streiflicht · ↗Streifschuss · ↗Streifung · ↗Streifzug
 ·  mit ›streifen‹ als Letztglied: ↗abstreifen · ↗anstreifen · ↗aufstreifen · ↗durchstreifen · ↗heraufstreifen · ↗herumstreifen · ↗herunterstreifen · ↗hochstreifen · ↗umherstreifen · ↗zurückstreifen · ↗überstreifen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmdn., etw. mit einer (schnellen) Bewegung leicht, flüchtig berühren
Beispiele:
sie streifte ihn, seinen Arm im Vorübergehen, hat ihn an der Schulter gestreift
der Fußgänger wurde von einem vorbeifahrenden Auto gestreift
die Kugel, der Schuss hat ihn nur leicht (am Oberarm) gestreift
mit dem Kleid, Ärmel die Wand streifen
seine Lippen streiften nur flüchtig ihre Wange
über etw. streifen
über die Oberfläche von etw. streichen
Beispiele:
er streifte zärtlich mit der Hand über ihr Haar
gehoben ein Windhauch streifte sie, ihre Stirn
gehoben Seufzend in geheimer Klage / Streift der Wind das letzte Grün [Storm8,232]
bildlich
Beispiele:
jmdn., etw. mit einem kurzen, prüfenden Blick, mit den Augen streifen
ein verstohlener Blick streifte mich
gehoben der Tod hatte auch sie gestreift [SeghersTransit140]
übertragen
Beispiele:
ein Thema, das Problem streifen (= nur oberflächlich, nicht ausführlich behandeln)
diese wichtige Frage wurde in seinem Vortrag nur gestreift (= nur nebenbei erwähnt)
etw. streift an etw.etw. grenzt an etw., kommt einer Sache fast gleich
Beispiele:
etw. streift ans Lächerliche, Phantastische
seine Ordnungsliebe streift schon an Pedanterie
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. (lose Sitzendes) von etw. entfernen, indem man (mit der Hand) an etw. entlangfährt, über etw. hinfährt
Beispiele:
Beeren, Blätter von den Stielen, Perlen von der Schnur streifen
sie streift mit dem Ärmel den Reif vom Geländer
er hat die Asche von der Zigarre gestreift
Als Olafur sich niederhockte ... streifte ihm der Kotflügel die Mütze vom Kopf [Hausm.Abschied180]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmdm., sich etw. so ausziehen oder anziehen, dass es dabei den betreffenden Körperteil der Länge nach berührt
a)
etw. von etw. abstreifen
Beispiele:
die Handschuhe von der Hand, den nassen Badeanzug vom Körper, die Schuhe von den Füßen streifen
sie hat (sich) [Dativ] das Kleid von den Schultern, die Kappe vom Kopf gestreift
einen Ring vom Finger streifen (= abziehen)
Jägersprache einen Hasen, Fuchs streifen (= ihm das Fell abziehen, ihn abbalgen)
b)
etw. auf, über etw. ziehen, überstreifen
Beispiele:
das Hemd über den Kopf, den Handschuh über die Hand streifen
er hat ihr, sich [Dativ] den Ring auf den Finger gestreift
c)
etw. in die Höhe streifenetw. nach oben schieben, hochkrempeln
Beispiel:
sie hat sich [Dativ], dem Kind die Ärmel in die Höhe gestreift
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich ohne ein bestimmtes Ziel durch ein Gebiet vorwärtsbewegen
a)
eine Gegend kreuz und quer durchwandern, durchfahren
Beispiele:
durch die Wälder, Straßen, Stadt, durch das ganze Land streifen
er ist schon durch die halbe Welt gestreift
der Kater streift nachts über die Dächer
b)
(militärische) Streifzüge unternehmen, auf Streife gehen, sein
Beispiele:
Soldaten, Reiterscharen streiften durchs Land, in der Gegend, über die Grenzen
streifende Soldaten
die Kaiserlichen ... streiften bis Neiße [DroysenYork v. Wartenburg1,21]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streifen · abstreifen · Streife · Streifschuß
streifen Vb. ‘gleitend berühren, abstreifen, herumschweifen’, mhd. streifen ‘gleitend berühren, gleiten, ziehen, marschieren, abhäuten’, mnd. mnl. strīpen steht ablautend zu dem unter ↗Streifen (s. d.) behandelten Substantiv. Aus ‘gleitend berühren, flüchtig über etw. hinfahren’ entwickelt sich ‘durch Entlanggleiten etw. Umhüllendes abstreifen, abziehen’ und (spätmhd.) ‘umherziehen, umherschweifen’. abstreifen Vb. ‘etw. Umhüllendes, Enganliegendes abziehen, entfernen, enthäuten’, ahd. abastreifen (11. Jh.), mhd. abestreifen, frühnhd. auch ‘sich davonmachen’ (Ende 15. Jh.), ‘ein Gebiet durchstreifen, eine Strecke zurücklegen’ (19. Jh.). Streife f. älter Streif m. ‘Streifzug, Wanderung’, spätmhd. streif m.; ‘Gruppe, kleine Einheit des Militärs oder der Polizei auf Kontrollgang’ (18. Jh.), zuvor ‘umherziehender Heerhaufen’ (16. Jh.). Streifschuß m. ‘Verletzung durch ein den Körper nur leicht berührendes Geschoß’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
antasten · leicht berühren · streifen  ●  ↗tangieren  geh. · ↗touchieren  geh.
Synonymgruppe
dahinsäuseln · ↗fächeln · leicht wehen · sanft wehen · ↗streichen · streifen · ↗säuseln  ●  ↗streicheln  fig.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
herumlaufen · ↗herumstreichen · ↗laufen · ↗streichen · streifen · ↗stromern · ↗umherstreichen · ↗umherstreifen · ↗ziehen  ●  ↗schnüren  fig. · ↗strawanzen  bair., österr.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Thema) berühren · (Thema) kurz anfangen · (Thema) streifen · (auch) Thema sein · (auch) zu sprechen kommen auf · ↗(kurz) ansprechen · ↗andeuten · ↗anreißen · ↗erwähnen · nebenbei behandeln  ●  ↗antönen  österr., schweiz.
Assoziationen
Synonymgruppe
dicht an · dicht bei · gefährlich nahe (an) · gleich neben · haarscharf an · hart an der Grenze (zu / des) · in unmittelbarer Nachbarschaft (einer Sache) · unmittelbar an · unmittelbar angrenzend  ●  (die Grenze zu ...) streifen  fig. · ↗vorbeischrammen (an)  ugs., Jargon, fig.
Assoziationen
  • in (unmittelbarer) Reichweite · in greifbarer Nähe · kurz vor (dem Ziel) · nur noch (...) entfernt · zum Greifen nah(e)  ●  nur noch (wenige) ... trennen jemanden (von)  variabel
  • ganz nah · in Reichweite · in geringer Entfernung · in nächster Nähe · leicht erreichbar · ↗nahebei · nicht weit von hier · nur ein paar Schritte von hier entfernt · ↗unweit  ●  (gleich) da vorne  ugs. · (gleich) um die Ecke  ugs. · (nur ein) kurzes Stück zu laufen  ugs. · (nur eine) kurze Strecke zu laufen  ugs. · (nur) ein Katzensprung (von hier)  ugs., fig. · (nur) einen Katzensprung entfernt  ugs., fig. · (nur) einen Steinwurf entfernt  ugs., fig. · (nur) einen Steinwurf weit  ugs., fig. · da kannste hinspucken  ugs. · ganz in der Nähe  ugs. · gleich hier  ugs. · hier irgendwo  ugs. · irgendwo hier  ugs. · muss hier irgendwo sein  ugs. · nicht weit weg  ugs. · nur ein paar Schritte von hier  ugs. · nur ein paar Schritte von hier zu laufen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baum Baumwipfel Blick Finger Gasse Hauch Leitplanke Pkw Rand Tragfläche Wagen Wald abkommen abstreifen entlang entlangstreifen flüchtig herumstreifen herunterstreifen hochstreifen nachts prallen umher umherstreifen vorbeistreifen ziellos zurückstreifen Überholen überschlagen überstreifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nachdem er alle Fenster geöffnet hatte, streifte er durch das Haus.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 253
Man geht dicht an ihr vorbei, man streift sie fast, aber man sieht sie nicht.
Der Tagesspiegel, 02.10.1998
Vielleicht hat das Schicksal, das eben über den Garten hinwegschwebte, sie mit seinen Flügeln gestreift?
Kästner, Erich: Das doppelte Lottchen, Hamburg: Dressler 1996 [1949], S. 26
Sie streifte ihn, sooft sie konnte, mit dem harten Rock.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 119
Das ist natürlich nicht falsch, streift aber nur die Oberfläche.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 324
Zitationshilfe
„streifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/streifen>, abgerufen am 16.09.2019.

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