streitbar

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungstreit-bar (computergeneriert)
Wortzerlegungstreiten-bar
Wortbildung mit ›streitbar‹ als Erstglied: ↗Streitbarkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
zum Streit, zur polemischen Auseinandersetzung aufgelegt, geneigt
Beispiele:
ein streitbarer Mensch, Charakter
eine streitbare Gesinnung haben, zeigen
sie war in streitbarer Stimmung
es bildeten sich zwei streitbare Parteien
ein streitbares (= angriffslustiges) Wildschwein
Streitbar erwiesen sich zwei andere Damen [GaiserSchlußball186]
2.
sich aktiv und kritisch mit dem Leben, der Umwelt auseinandersetzend, kämpferisch
Beispiele:
ein streitbarer Humanist, Dichter
seine Schriften tragen einen streitbaren Charakter
Der Marxismus-Leninismus ist eine zutiefst kämpferische, streitbare und parteiliche Wissenschaft [Einheit1968]
3.
veraltend kampffähig, kriegerisch
Beispiele:
ein streitbares Volk
Und von den streitbaren Männern jeder Siebente ... wird willig dem Land zu Schutz und Wehr sich stellen [RoseggerGottsucher8,111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streiten · abstreiten · bestreiten · umstritten · Streit · Streitaxt · Streitwagen · Streitmacht · Streitfall · Streitschrift · Streithammel · streitbar · streitig · strittig · Streitigkeit
streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rechtsstreit führen, zanken, bewaffnet kämpfen’, (selten) ‘wetteifern’ (8. Jh.), mhd. strīten, vor allem ‘bewaffnet kämpfen’, auch ‘streben, trachten’, mnd. (stark und schwach) strīden ‘streiten’, (schwach) ‘große Schritte machen’, mnl. strīden, nl. strijden ‘streiten’, aengl. strīdan ‘schreiten, spreizen’, engl. to stride ‘schreiten, große Schritte machen’, schwed. (stark und schwach) strida ‘kämpfen, streiten’ hat neben sich das schwache Verb asächs. strīdian ‘streiten, bestreiten’, anord. strīða ‘plagen, Schaden zufügen’ sowie das unten dargestellte Substantiv Streit und anord. strīðr ‘hart, stark, hartnäckig, widerspenstig’, (mit anderer Ablautstufe) streitask ‘sich anstrengen, kämpfen’, strita ‘angestrengt ziehen, sich plagen’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ausgehend von einer Bedeutung ‘sich starrsinnig, widerspenstig, hartnäckig verhalten’, läßt sich ie. *strē̌idh- ansetzen, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ (s. ↗starren). Die Verwendung im Sinne von ‘schreiten, große Schritte machen’ entwickelt sich vielleicht unter Einfluß von ↗schreiten (s. d.; vgl. Seebold 476). abstreiten Vb. ‘im (Rechts)streit, im Kampf abgewinnen, streitig machen, hartnäckig absprechen, aberkennen’, seit dem 18. Jh. vor allem ‘in Abrede stellen, leugnen’, mhd. abestrīten ‘im (Rechts)streit, Kampf abgewinnen’. bestreiten Vb. ‘(eine Meinung, eine Behauptung) anfechten, angreifen’, mhd. bestrīten ‘bekämpfen’; seit dem 17. Jh. ‘die Kosten, den Aufwand tragen’, entwickelt aus ‘einer Sache gewachsen sein, sie bewältigen’. umstritten Part.adj. ‘dem Streit der Ansprüche, der Meinungen unterliegend, umkämpft, zweifelhaft’ (19. Jh.). Streit m. ‘Meinungs-, Rechtsauseinandersetzung, Hader, Zerwürfnis innerhalb einer Gemeinschaft’, ahd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (über Meinungen oder rechtliche Dinge), Konflikt, Hader, tätlicher Kampf, Wettkampf, Empörung, Aufruhr’ (8. Jh.), mhd. mnd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (vor Gericht) oder mit Waffen, innerer Kampf, Widerstand, Streitmacht, Heeresabteilung, Schlachtordnung, Rache, Streben’, asächs. strīd ‘Streit, Eifer’, mnl. strijt, nl. strijd, anord. strīð, schwed. strid. In den oben angegebenen Bedeutungen ist Streit vor allem seit dem 19. Jh. gebräuchlich, nachdem älterer Gebrauch im Sinne von ‘Auseinandersetzung mit Waffen, Waffengang’ gegen Ende des 18. Jhs. von Kampf übernommen wird. Den alten Sinn bewahren Streitaxt f. ‘als Hieb- oder Wurfwaffe verwendete Axt’, spätmhd. (omd.) strīthax (um 1400); redensartlich die Streitaxt begraben ‘Frieden schließen’ (19. Jh.); Streitwagen m. ‘mit Kriegern besetzter Kampfwagen’ (15. Jh.) und Streitmacht f. ‘Kampfkraft eines bewaffneten Verbandes, kampfbereite Truppe’ (18. Jh.). Streitfall m. ‘Konflikt’ (rechtssprachlich, 19. Jh.). Streitschrift f. ‘polemische Abhandlung über religiöse, politische, wissenschaftliche Fragen’ (17. Jh.). Streithammel m. ‘zänkischer Mensch’ (um 1800). streitbar Adj. ‘kriegerisch, zu Polemik und Auseinandersetzung neigend’, mhd. strītbære ‘streithaft, zum Kampf dienlich oder gerüstet’. streitig Adj. ‘uneins, umstritten’, ahd. strītīg (um 1000), mhd. strītec, strītic ‘streithaft, kampflustig, streitsüchtig, rechthaberisch, ungestüm, ungehorsam, eifrig, strebend’; jmdm. etw. streitig machen ‘anfechten’ (16. Jh.). strittig Adj. ‘umstritten, uneins, streitsüchtig’ (15. Jh.). Streitigkeit f. ‘Konflikt, Uneinigkeit, Zank’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
kampfbereit · ↗kriegerisch · ↗kämpferisch · streitbar
Assoziationen
Synonymgruppe
angreifend · auseinandersetzungsfreudig · jeden Fehdehandschuh aufnehmen(d) · ↗kampfesfreudig · ↗kampfesmutig · keinem Streit aus dem Weg(e) gehen(d) · konfliktbereit · ↗kämpferisch · ↗offensiv · streitbar · ↗streitlustig  ●  ↗angriffig  schweiz. · konfliktfreudig  verhüllend, auch ironisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Demokratin Einfalt Essayist Feministin Gewerkschafterin Gottesmann Humanist Juristin Kirchenfürst Kirchenmann Kämpe Kämpferin Polemiker Politikerin Publizist Publizistin Querdenker Sozialdemokratin Temperament Theologe Theologin Verfechter Vorkämpferin impulsiv streitlustig temperamentvoll unbequem unbestechlich wehrhaft wortgewaltig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streitbar‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor drei Jahren klagte die streitbare Frau in der SAT.
Bild, 17.08.2002
Er spielte den ausgleichenden Part in der streitbaren rot-grünen Koalition.
Der Tagesspiegel, 03.02.2000
Glaube ist streitbar und nichts steht ihm so gut wie eine Rüstung.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 88
Er erwiderte, frech lächelnd mit seinen sehr roten Lippen, provokatorisch, war heute besonders streitbar.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 437
Der Humanismus muß militant sein, streitbar, bis an die Zähne bewaffnet.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 345
Zitationshilfe
„streitbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/streitbar>, abgerufen am 24.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Streitaxt
Streit
Streikwelle
Streikversammlung
Streikverbot
Streitbarkeit
Streitbegier
Streitbegierde
streitbegierig
Streitbeilegung