Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

streiten

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GrammatikVerb · streitet, stritt, hat gestritten
Aussprache 
Worttrennung strei-ten
formal verwandt mitStreit, umstritten
Wortbildung  mit ›streiten‹ als Erstglied: Streitaxt · Streitbegier · Streitbegierde · Streiter · Streiterei · Streitfall · Streitfrage · Streitgedicht · Streitgegenstand · Streitgespräch · Streithahn · Streithals · Streithammel · Streitigkeit · Streitkolben · Streitkraft · Streitlust · Streitmacht · Streitobjekt · Streitpunkt · Streitross · Streitsache · Streitschrift · Streitsucht · Streitwagen · Streitwert · streitbar · strittig
 ·  mit ›streiten‹ als Letztglied: Gestreite · abstreiten · bestreiten1 · einstreiten · erstreiten · herumstreiten · widerstreiten · zerstreiten
eWDG

Bedeutungen

1.
mit jmdm. in Streit geraten, einen Streit austragen
a)
sich mit jmdm. (um etw.) zanken
Beispiele:
die Kinder streiten (sich) den ganzen Tag, haben (sich) schon wieder gestritten
musst du (dich) immerzu mit ihm streiten?
laßt doch das ewige Streiten!
sie versuchte, die Streitenden zu beruhigen
(sich) um eine Sache, über eine Angelegenheit, wegen eines Problems streiten
sie streiten sich um nichts und wieder nichts, wegen jeder Kleinigkeit
sprichwörtlichwenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichsich um des Kaisers Bart (= um etw. Belangloses) streiten
b)
über etw. verschiedene Ansichten vertreten, (heftig) diskutieren
Beispiele:
über eine Frage, ein wissenschaftliches Problem streiten
sie hatten sich die Köpfe heiß gestritten
darüber kann man streiten (= darüber kann man verschiedener Meinung sein)
umgangssprachlichüber den Geschmack lässt sich (nicht) streiten
Wir stritten erregt über moderne Musik [ BronnenDeutschland69]
Mit Worten läßt sich trefflich streiten [ GoetheFaustI 2009]
c)
übertragen etw. streitet (in jmdm.)etw. steht (in jmdm.) im Widerspruch, widerstreitet in jmdm.
Beispiele:
streitende Gefühle, Empfindungen
Brennende Neugier und kalte Angst streiten in ihrem Herzen [ KästnerLottchen129]
Das alles habe ich mir gesagt … und manches stand gegeneinander und stritt sich [ GaiserSchlußball236]
d)
Jura
Beispiel:
die streitenden Parteien (= Gegner in einem Rechtsstreit)
2.
gehoben kämpfen
a)
unter Einsatz aller Kräfte für, gegen etw. eintreten, um etw. ringen
Beispiele:
für eine Idee, seine Überzeugung, die gerechte Sache streiten
er hat sein ganzes Leben gegen das Unrecht gestritten
b)
veraltend mit Waffen gegen einen militärischen Gegner, gegen feindliche Kräfte vorgehen
Beispiele:
mit Waffen, Fäusten gegen jmdn. streiten
für sein Land, gegen eine feindliche Übermacht streiten

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
streiten · abstreiten · bestreiten · umstritten · Streit · Streitaxt · Streitwagen · Streitmacht · Streitfall · Streitschrift · Streithammel · streitbar · streitig · strittig · Streitigkeit
streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rechtsstreit führen, zanken, bewaffnet kämpfen’, (selten) ‘wetteifern’ (8. Jh.), mhd. strīten, vor allem ‘bewaffnet kämpfen’, auch ‘streben, trachten’, mnd. (stark und schwach) strīden ‘streiten’, (schwach) ‘große Schritte machen’, mnl. strīden, nl. strijden, afries. strīda ‘streiten’, aengl. strīdan ‘schreiten, spreizen’, engl. to stride ‘schreiten, große Schritte machen’, schwed. (stark und schwach) strida ‘kämpfen, streiten’ (germ. *streidan) hat neben sich das schwache Verb asächs. strīdian ‘streiten, bestreiten’, anord. strīða ‘plagen, Schaden zufügen’ sowie das unten dargestellte Substantiv Streit und anord. strīðr ‘hart, stark, hartnäckig, widerspenstig’, (mit anderer Ablautstufe) streitask ‘sich anstrengen, kämpfen’, strita ‘angestrengt ziehen, sich plagen’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ausgehend von einer Bedeutung ‘sich starrsinnig, widerspenstig, hartnäckig verhalten’, läßt sich ie. *strē̌idh- ansetzen, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ (s. starren). Die Verwendung im Sinne von ‘schreiten, große Schritte machen’ entwickelt sich vielleicht unter Einfluß von schreiten (s. d.; vgl. Seebold 476). – abstreiten Vb. ‘im (Rechts)streit, im Kampf abgewinnen, streitig machen, hartnäckig absprechen, aberkennen’, seit dem 18. Jh. vor allem ‘in Abrede stellen, leugnen’, mhd. abestrīten ‘im (Rechts)streit, Kampf abgewinnen’. bestreiten Vb. ‘(eine Meinung, eine Behauptung) anfechten, angreifen’, mhd. bestrīten ‘bekämpfen’; seit dem 17. Jh. ‘die Kosten, den Aufwand tragen’, entwickelt aus ‘einer Sache gewachsen sein, sie bewältigen’. umstritten Part.adj. ‘dem Streit der Ansprüche, der Meinungen unterliegend, umkämpft, zweifelhaft’ (19. Jh.). Streit m. ‘Meinungs-, Rechtsauseinandersetzung, Hader, Zerwürfnis innerhalb einer Gemeinschaft’, ahd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (über Meinungen oder rechtliche Dinge), Konflikt, Hader, tätlicher Kampf, Wettkampf, Empörung, Aufruhr’ (8. Jh.), mhd. mnd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (vor Gericht) oder mit Waffen, innerer Kampf, Widerstand, Streitmacht, Heeresabteilung, Schlachtordnung, Rache, Streben’, asächs. strīd ‘Streit, Eifer’, mnl. strijt, nl. strijd, anord. strīð, schwed. strid. In den oben angegebenen Bedeutungen ist Streit vor allem seit dem 19. Jh. gebräuchlich, nachdem älterer Gebrauch im Sinne von ‘Auseinandersetzung mit Waffen, Waffengang’ gegen Ende des 18. Jhs. von Kampf übernommen wird. Den alten Sinn bewahren Streitaxt f. ‘als Hieb- oder Wurfwaffe verwendete Axt’, spätmhd. (omd.) strīthax (um 1400); redensartlich die Streitaxt begraben ‘Frieden schließen’ (19. Jh.); Streitwagen m. ‘mit Kriegern besetzter Kampfwagen’ (15. Jh.) und Streitmacht f. ‘Kampfkraft eines bewaffneten Verbandes, kampfbereite Truppe’ (18. Jh.). Streitfall m. ‘Konflikt’ (rechtssprachlich, 19. Jh.). Streitschrift f. ‘polemische Abhandlung über religiöse, politische, wissenschaftliche Fragen’ (17. Jh.). Streithammel m. ‘zänkischer Mensch’ (um 1800). streitbar Adj. ‘kriegerisch, zu Polemik und Auseinandersetzung neigend’, mhd. strītbære ‘streithaft, zum Kampf dienlich oder gerüstet’. streitig Adj. ‘uneins, umstritten’, ahd. strītīg (um 1000), mhd. strītec, strītic ‘streithaft, kampflustig, streitsüchtig, rechthaberisch, ungestüm, ungehorsam, eifrig, strebend’; jmdm. etw. streitig machen ‘anfechten’ (16. Jh.). strittig Adj. ‘umstritten, uneins, streitsüchtig’ (15. Jh.). Streitigkeit f. ‘Konflikt, Uneinigkeit, Zank’ (16. Jh.).

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

(sich) streiten (mit jemandem / um etwas / wegen etwas) · (sich) zanken  ●  (mit jemandem) ein Hühnchen zu rupfen haben ugs., sprichwörtlich · (sich) fetzen ugs. · (sich) kabbeln ugs. · (sich) zoffen ugs. · sich befetzen ugs. · sich in der Wolle haben ugs., fig.
Assoziationen
  • (einen) Streit beginnen · (mit jemandem) Ärger bekommen · Streit anfangen · Streit bekommen · in Streit geraten (mit)  ●  (einen) Streit vom Zaun brechen fig. · (mit jemandem) Krach bekommen ugs. · (sich) anne Köppe kriegen ugs., ruhrdt. · (sich) in die Haare kriegen ugs., fig. · (sich) in die Wolle geraten ugs., fig. · (sich) in die Wolle kriegen ugs., fig. · Krach kriegen ugs. · aneinandergeraten ugs. · das Kriegsbeil ausgraben ugs., fig. · zusammenknallen ugs., fig.
  • (ein) Streitgespräch führen · (einen) Disput haben · (sich) heftig auseinandersetzen (über) · (sich) streiten (über) · disputieren · lautstark aneinandergeraten  ●  (eine) Meinungsverschiedenheit haben verhüllend, distanzsprachlich · (sich) zoffen ugs. · sich wörteln ugs., landschaftlich
  • (einen) Strauß ausfechten · (einen) Streit austragen · (einen) Streit zur Entscheidung bringen · bis zur Entscheidung kämpfen

(ein) Streitgespräch führen · (einen) Disput haben · (sich) heftig auseinandersetzen (über) · (sich) streiten (über) · disputieren · lautstark aneinandergeraten  ●  (eine) Meinungsverschiedenheit haben verhüllend, distanzsprachlich · (sich) zoffen ugs. · sich wörteln ugs., landschaftlich
Assoziationen

(ein) gutes Wort einlegen (für) · (etwas) tun für · (sich) bemühen (um) · (sich) einsetzen (für) · (sich) engagieren · (sich) starkmachen (für) · Partei ergreifen (für, gegen) · agitieren (für, gegen) · eintreten für · kämpfen (für, um) · propagieren · streiten (für) · werben (für)  ●  (eine) Lanze brechen für fig. · (sich) aus dem Fenster hängen (für) ugs., fig.
Assoziationen

kämpfen (um etwas) · ringen (um etwas) · streiten (um etwas)
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›streiten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streiten‹.

Verwendungsbeispiel für ›streiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist sinnlos, mit ihm zu streiten, das wußte ich vorher. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 265]
Als wir dann wieder anfingen zu sprechen, haben wir uns nur noch gestritten. [Schulze, Ingo: Simple Storys, Berlin: Berlin-Verl. 1998, S. 195]
Auch über die von ihm getroffene Auswahl ließe sich streiten. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1927, S. 472]
Um diesen Kern geht es, über die Details kann man streiten. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Darüber stritten sich zwei chinesische Philosophen schon vor über 2000 Jahren. [Die Zeit, 18.02.1999, Nr. 8]
Zitationshilfe
„streiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/streiten>.

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