streiten
GrammatikVerb · stritt, hat gestritten
Worttrennungstrei-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›streiten‹ als Erstglied: ↗Streitaxt · ↗Streiterei · ↗Streitfall · ↗Streitfrage · ↗Streitgegenstand · ↗Streitgespräch · ↗Streithahn · ↗Streithammel · ↗Streitigkeit · ↗Streitkraft · ↗Streitlust · ↗Streitmacht · ↗Streitobjekt · ↗Streitpunkt · ↗Streitross · ↗Streitsache · ↗Streitschrift · ↗Streitsucht · ↗Streitwagen · ↗Streitwert · ↗streitbar
 ·  mit ›streiten‹ als Letztglied: ↗abstreiten · ↗einstreiten · ↗erstreiten · ↗herumstreiten · ↗widerstreiten
 ·  Ableitungen von ›streiten‹: ↗bestreiten1 · ↗strittig · ↗zerstreiten
 ·  formal verwandt mit: ↗umstritten
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit jmdm. in Streit geraten, einen Streit austragen
a)
sich mit jmdm. (um etw.) zanken
Beispiele:
die Kinder streiten (sich) den ganzen Tag, haben (sich) schon wieder gestritten
musst du (dich) immerzu mit ihm streiten?
laßt doch das ewige Streiten!
sie versuchte, die Streitenden zu beruhigen
(sich) um eine Sache, über eine Angelegenheit, wegen eines Problems streiten
sie streiten sich um nichts und wieder nichts, wegen jeder Kleinigkeit
wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte sprichwörtlich
bildlich
Beispiel:
sich um des Kaisers Bart (= um etw. Belangloses) streiten umgangssprachlich
b)
über etw. verschiedene Ansichten vertreten, (heftig) diskutieren
Beispiele:
über eine Frage, ein wissenschaftliches Problem streiten
sie hatten sich die Köpfe heiß gestritten
darüber kann man streiten (= darüber kann man verschiedener Meinung sein)
über den Geschmack lässt sich (nicht) streiten
Wir stritten erregt über moderne Musik [BronnenDeutschland69]
Mit Worten läßt sich trefflich streiten [GoetheFaustI 2009]
c)
etw. streitet (in jmdm.) übertragen etw. steht (in jmdm.) im Widerspruch, widerstreitet in jmdm.
Beispiele:
streitende Gefühle, Empfindungen
Brennende Neugier und kalte Angst streiten in ihrem Herzen [KästnerLottchen129]
Das alles habe ich mir gesagt ... und manches stand gegeneinander und stritt sich [GaiserSchlußball236]
d)
Jura
Beispiel:
die streitenden Parteien (= Gegner in einem Rechtsstreit)
2.
gehoben kämpfen
a)
unter Einsatz aller Kräfte für, gegen etw. eintreten, um etw. ringen
Beispiele:
für eine Idee, seine Überzeugung, die gerechte Sache streiten
er hat sein ganzes Leben gegen das Unrecht gestritten
b)
veraltend mit Waffen gegen einen militärischen Gegner, gegen feindliche Kräfte vorgehen
Beispiele:
mit Waffen, Fäusten gegen jmdn. streiten
für sein Land, gegen eine feindliche Übermacht streiten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streiten · abstreiten · bestreiten · umstritten · Streit · Streitaxt · Streitwagen · Streitmacht · Streitfall · Streitschrift · Streithammel · streitbar · streitig · strittig · Streitigkeit
streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rechtsstreit führen, zanken, bewaffnet kämpfen’, (selten) ‘wetteifern’ (8. Jh.), mhd. strīten, vor allem ‘bewaffnet kämpfen’, auch ‘streben, trachten’, mnd. (stark und schwach) strīden ‘streiten’, (schwach) ‘große Schritte machen’, mnl. strīden, nl. strijden ‘streiten’, aengl. strīdan ‘schreiten, spreizen’, engl. to stride ‘schreiten, große Schritte machen’, schwed. (stark und schwach) strida ‘kämpfen, streiten’ hat neben sich das schwache Verb asächs. strīdian ‘streiten, bestreiten’, anord. strīða ‘plagen, Schaden zufügen’ sowie das unten dargestellte Substantiv Streit und anord. strīðr ‘hart, stark, hartnäckig, widerspenstig’, (mit anderer Ablautstufe) streitask ‘sich anstrengen, kämpfen’, strita ‘angestrengt ziehen, sich plagen’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ausgehend von einer Bedeutung ‘sich starrsinnig, widerspenstig, hartnäckig verhalten’, läßt sich ie. *strē̌idh- ansetzen, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ (s. ↗starren). Die Verwendung im Sinne von ‘schreiten, große Schritte machen’ entwickelt sich vielleicht unter Einfluß von ↗schreiten (s. d.; vgl. Seebold 476). abstreiten Vb. ‘im (Rechts)streit, im Kampf abgewinnen, streitig machen, hartnäckig absprechen, aberkennen’, seit dem 18. Jh. vor allem ‘in Abrede stellen, leugnen’, mhd. abestrīten ‘im (Rechts)streit, Kampf abgewinnen’. bestreiten Vb. ‘(eine Meinung, eine Behauptung) anfechten, angreifen’, mhd. bestrīten ‘bekämpfen’; seit dem 17. Jh. ‘die Kosten, den Aufwand tragen’, entwickelt aus ‘einer Sache gewachsen sein, sie bewältigen’. umstritten Part.adj. ‘dem Streit der Ansprüche, der Meinungen unterliegend, umkämpft, zweifelhaft’ (19. Jh.). Streit m. ‘Meinungs-, Rechtsauseinandersetzung, Hader, Zerwürfnis innerhalb einer Gemeinschaft’, ahd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (über Meinungen oder rechtliche Dinge), Konflikt, Hader, tätlicher Kampf, Wettkampf, Empörung, Aufruhr’ (8. Jh.), mhd. mnd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (vor Gericht) oder mit Waffen, innerer Kampf, Widerstand, Streitmacht, Heeresabteilung, Schlachtordnung, Rache, Streben’, asächs. strīd ‘Streit, Eifer’, mnl. strijt, nl. strijd, anord. strīð, schwed. strid. In den oben angegebenen Bedeutungen ist Streit vor allem seit dem 19. Jh. gebräuchlich, nachdem älterer Gebrauch im Sinne von ‘Auseinandersetzung mit Waffen, Waffengang’ gegen Ende des 18. Jhs. von Kampf übernommen wird. Den alten Sinn bewahren Streitaxt f. ‘als Hieb- oder Wurfwaffe verwendete Axt’, spätmhd. (omd.) strīthax (um 1400); redensartlich die Streitaxt begraben ‘Frieden schließen’ (19. Jh.); Streitwagen m. ‘mit Kriegern besetzter Kampfwagen’ (15. Jh.) und Streitmacht f. ‘Kampfkraft eines bewaffneten Verbandes, kampfbereite Truppe’ (18. Jh.). Streitfall m. ‘Konflikt’ (rechtssprachlich, 19. Jh.). Streitschrift f. ‘polemische Abhandlung über religiöse, politische, wissenschaftliche Fragen’ (17. Jh.). Streithammel m. ‘zänkischer Mensch’ (um 1800). streitbar Adj. ‘kriegerisch, zu Polemik und Auseinandersetzung neigend’, mhd. strītbære ‘streithaft, zum Kampf dienlich oder gerüstet’. streitig Adj. ‘uneins, umstritten’, ahd. strītīg (um 1000), mhd. strītec, strītic ‘streithaft, kampflustig, streitsüchtig, rechthaberisch, ungestüm, ungehorsam, eifrig, strebend’; jmdm. etw. streitig machen ‘anfechten’ (16. Jh.). strittig Adj. ‘umstritten, uneins, streitsüchtig’ (15. Jh.). Streitigkeit f. ‘Konflikt, Uneinigkeit, Zank’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausfechten · ↗hadern · streiten  ●  (mit jemandem) ein Hühnchen rupfen  ugs., fig. · das Kriegsbeil ausgraben  ugs., fig. · ↗fetzen  ugs. · ↗kabbeln  ugs. · mit jemanden ins Gericht gehen  ugs. · ↗zanken  ugs. · ↗zoffen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) balgen · ↗(sich) befehden · ↗(sich) beharken · ↗(sich) zanken · Streit haben · im Clinch liegen (mit) · im Streit liegen · in Streit liegen (mit) · über Kreuz liegen (mit)  ●  (sich) streiten  Hauptform · auf Kriegsfuß stehen (mit jemandem)  fig. · ↗(sich) fetzen  ugs. · ↗(sich) herumstreiten  ugs. · ↗(sich) herumzanken  ugs. · (sich) in den Haaren liegen  ugs. · ↗(sich) kabbeln  ugs. · ↗(sich) kampeln  ugs. · (sich) streiten wie die Kesselflicker  ugs. · ↗(sich) zoffen  ugs. · Krach haben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) gutes Wort einlegen (für) · (etwas) tun für · ↗(sich) bemühen (um) · ↗(sich) engagieren · (sich) starkmachen (für) · Partei ergreifen (für, gegen) · ↗agitieren (für, gegen) · eintreten für · ↗kämpfen (für, um) · ↗propagieren · streiten (für) · ↗werben (für)  ●  (eine) Lanze brechen für  fig. · ↗(sich) einsetzen (für)  Hauptform · (sich) aus dem Fenster hängen (für)  ugs., fig.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bund Details Erbe Experten Fachleute Gelehrten Gericht Grüne Historiker Juristen Koalition Opposition Politiker Sorgerecht Vorherrschaft abstreitet darum darüber derzeit diskutiert erbittert heftig herumstreiten lange leidenschaftlich miteinander nun trefflich untereinander weiterstreiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streiten‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man kann darüber streiten, ob die Features nun alle gelungen sind.
Die Zeit, 21.03.2013, Nr. 12
Es ist sinnlos, mit ihm zu streiten, das wußte ich vorher.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 265
Über sie kann man sich beim besten Willen nicht streiten.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 171
Man stritt sich gerade um den literarischen Unwert des Herrn Kohn.
Lichtenstein, Alfred: Zwei Bruchstücke aus der ersten Fassung der Geschichte: »Cafe Klößchen«. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 43707
Über den Geschmack kann man wirklich nicht streiten, denn es verlohnt sich nicht; vernünftigerweise setzt man sich auf ihn oder man trinkt aus ihm.
Rubiner, Ludwig: Maler bauen Barrikaden. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 16748
Zitationshilfe
„streiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/streiten>, abgerufen am 11.12.2017.

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