stumpf

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›stumpf‹ als Erstglied: ↗Stumpfnase · ↗Stumpfsinn · ↗stumpfwinkelig · ↗stumpfwinklig
 ·  mit ›stumpf‹ als Letztglied: ↗überstumpf
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
durch Gebrauch abgenutzt oder schlecht geschliffen
a)
schlecht schneidend
Gegenwort zu scharf
Beispiele:
ein stumpfes Beil, Messer
eine stumpfe Schere, Säge
stumpfe Zähne
dieser Bohrer ist stumpf
die Schneide der Klinge ist stumpf geworden
er hat das Werkzeug durch Unachtsamkeit stumpf gemacht
b)
nicht leicht in etw. eindringen, weil nicht spitz
Beispiele:
eine stumpfe Nadel, Feder
eine Spritze mit stumpfer Kanüle
c)
abgeschrieben, nicht gespitzt
Beispiel:
ein stumpfer Bleistift
2.
ohne Spitze, nicht spitz endend, zulaufend
Beispiele:
eine stumpfe Nase
ein stumpfer Turm
Mathematikein stumpfer Kegel
Mathematikeine stumpfe Pyramide
Mathematikein stumpfer Winkel (= Winkel zwischen 90 und 180 Grad)
3.
von rauer, unebener Oberfläche, nicht glatt oder geglättet
Beispiele:
wenn ich Rhabarber gegessen habe, fühlen sich meine Zähne immer stumpf an
die Rutschbahn war über Nacht stumpf geworden
Sport stumpfer Schnee
4.
matt, nicht glänzend
Beispiele:
stumpfe Farben
sie trug eine Bluse aus stumpfer schwarzer Seide
das Metall ist durch Oxydation stumpf geworden
hartes Wasser macht die Haare stumpf und glanzlos
5.
ohne innere, gefühlsmäßige oder geistige Tätigkeit, ausdruckslos
a)
gleichgültig, desinteressiert, geistig und gefühlsmäßig inaktiv und ohne entsprechende Bedürfnisse
Beispiele:
er war ein stumpfer Mensch
er ging mit stumpfen Sinnen an den Schönheiten der Natur vorüber
sie glaubt noch immer mit stumpfer (= verbohrter) Hartnäckigkeit, sie habe Recht
sie folgte stumpf (= willenlos) seinen Anordnungen
Gerade die Empfindlichen brauchen wir. Was sollen uns die Stumpfen nützen? [Ch. WolfGeteilter Himmel150]
b)
durch starke gefühlsmäßige oder körperliche Belastung ohne Empfindung, teilnahmslos, abgestumpft
Beispiele:
ganz stumpf vor Müdigkeit ging er an uns vorbei und aus dem Zimmer
in stumpfer Gleichgültigkeit, Resignation fand er sich mit allem ab
nach dem Unglück hockten sie stumpf und niedergeschlagen da
allmählich war er gegen den dauernden Schmerz stumpf (= unempfindlich) geworden
der ständige Lärm hat uns stumpf gemacht, wir hören ihn nicht mehr
6.
Literaturwissenschaft
Beispiel:
ein stumpfer (= auf eine Hebung endender, männlicher) Reim
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stumpf · stumpfen · abstumpfen · Stumpfheit · stumpfsinnig · Stumpfsinn
stumpf Adj. ‘ohne Spitze, nicht scharf’, ahd. stumph (Hs. 12. Jh.), mhd. stumpf, (md.) stump ‘verstümmelt, gestutzt, unvollkommen, übel’, mnd. stump, mnl. nl. stomp. Das nur im Dt. und Nl. heimische Adjektiv stellt sich mit ↗Stumpf, ↗Stümper und (ablautend) ↗Stempel (s. d.) sowie lit. stùmbas ‘Strunk, Stamm’, stimburỹs ‘Schwanzstumpf, Stummel’ zu der unter ↗stampfen (s. d.) angegebenen Variante ie. *stemb- der unter ↗Stab (s. d.) genannten Wurzel. Die älteste Bedeutung ist ‘verstümmelt, verkürzt’. In der Mathematik stumpfer Winkel (um 1400), d. h. ‘nicht spitzer, sondern breiter, weiter Winkel’ (wohl Übersetzung von lat. angulus obtūsus). stumpfen Vb. ‘stutzen, beschneiden, stumpf machen’, mhd. stumpfen. abstumpfen Vb. ‘stutzen, stumpf machen bzw. werden’ (16. Jh.), übertragen ‘abschwächen, unempfindlich, gefühllos machen bzw. werden’ (Ende 18. Jh.). Stumpfheit f. ‘Zustand des Stumpfseins’, spätmhd. stump-, stumpfheit; überwiegend übertragen (seit Ende 18. Jh.) auf die körperliche und geistige menschliche Haltung der ‘Unempfindlichkeit, Trägheit, mangelnden Reaktionsfähigkeit’. stumpfsinnig Adj. ‘geistesschwach, dumm’ (15. Jh.; vgl. mhd. stumpfer sin), ‘geistig uninteressiert und träge, gefühllos’ (18. Jh.); daraus rückgebildet Stumpfsinn m. ‘Geistesschwäche’ (Ende 18. Jh.), dann besonders ‘geistige Trägheit, Teilnahmslosigkeit’, auch ‘Langweiligkeit, Monotonie’.

Thesaurus

Synonymgruppe
dumpf · ↗plump · ↗unbeholfen  ●  stumpf  ugs.
Synonymgruppe
dumpf · ↗glanzlos · kontrastarm · ↗matt · stumpf
Assoziationen
  • kontrastarm  ●  ↗flau (Foto)  fachspr., Jargon
Synonymgruppe
(darauf) kann man (nach Rom) reiten · (durch Gebrauch) abgestumpft · ↗ungeschliffen  ●  stumpf  Hauptform
Antonyme
  • stumpf  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beat Beil Belag Bleistift Bug Fell Gegenstand Gewalteinwirkung Grau Kegel Klinge Kralle Messer Rasierklinge Rollenporträt Schnauze Schneide Schwert Säge Waffe Winkel apathisch dumpf geworden glanzlos matt rostig schartig spitz teilnahmslos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stumpf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die scheint gegen Spam ein eher stumpfes Instrument zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2003
Im Hof steht nur ein beigefarbener »Lada« mit stumpfem Lack.
Scherzer, Landolf: Der Erste, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1988], S. 10
Mit einemmal ist alles stumpf, als habe jemand das Licht ausgeschaltet.
Die Zeit, 09.04.1982, Nr. 15
Gott hat ihnen ein stumpfes Herz gegeben, ein großes Plus übrigens auf diesem Planeten.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 108
Aber er war so stumpf, dass es schwer war, sich mit ihm direkt zu unterhalten.
Peters, Carl: Im Goldland des Altertums, München: Lehmann 1902, S. 175
Zitationshilfe
„stumpf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stumpf>, abgerufen am 16.11.2019.

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