stur

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›stur‹ als Erstglied: ↗Sturkopf  ·  mit ›stur‹ als Grundform: ↗Sturheit
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend (im Denken, Empfinden, Verhalten) sehr schwerfällig, hartnäckig, eigensinnig und zugleich verbissen
Beispiele:
ein sturer Draufgänger, Dummkopf
Schimpfwort so ein sturer Bock! (= Starrkopf!)
jmd. ist stur (wie ein Panzer, Brett)
wenn er etw. nicht will, kann er sehr, furchtbar stur sein
wir wollten ihn davon abbringen, aber er blieb stur (= wir wollten ihn davon abbringen, aber er blieb unnachgiebig)
salopp wir wollten ihn davon abbringen, aber er schaltete auf stur (= wir wollten ihn davon abbringen, aber er blieb unnachgiebig)
jmd. bleibt stur stehen, geht stur geradeaus
jmd. handelt stur nach Vorschrift, verfolgt stur sein Ziel
jmd. leugnet stur, bleibt stur bei seiner Meinung
stumpfsinnig, eintönig
Beispiele:
eine sture Arbeit, Büffelei
jmd. starrt, brütet stur (= interesselos) vor sich hin
mit sturer Monotonie, Hartnäckigkeit, sturem Eigensinn wiederholte sie diese Fragen immer wieder
ihre Antwort war ein stures Nein
Ein muffiges Nest, stur, engherzig [BaumKristall189]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stur · Sturheit
stur Adj. ‘starr, hart, uneinsichtig’, im 19. Jh. aus dem Nd., vgl. mnd. stūr(e), nd. stūr ‘starr, störrisch’, mnl. stuur ‘streng, hartherzig, barsch’ sowie anord. stūra f. ‘Düsterheit, Trauer, Kummer’, stūra ‘betrübt sein’, schwed. (mundartlich) stur ‘betrübt’, ferner ahd. stūr(i) (8. Jh.) neben ablautendem stiuri ‘stark, groß, stattlich, stolz’ (9. Jh.). Außergerm. ist ebenfalls r-Suffix aufweisendes aind. stūráḥ ‘groß, stark, dick’ heranzuziehen, so daß von ie. *steu-, *steu̯ə- bzw. *stū- ‘massiv, dick, breit, standsicher, feststehend’ ausgegangen werden kann, einer Form der unter ↗stehen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’. Sturheit f. ‘Uneinsichtigkeit, Engstirnigkeit’ (20. Jh.), mnd. stūrhēt ‘Strenge, Festigkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bockig · ↗eigensinnig · ↗halsstarrig · ↗hartnäckig · ↗rechthaberisch · ↗renitent · ↗starrköpfig · ↗starrsinnig · ↗störrisch · ↗unbelehrbar · ↗unbeugsam · ↗uneinsichtig · ↗unnachgiebig · ↗unverbesserlich · ↗widerspenstig  ●  stur  Hauptform · ↗beratungsresistent  ugs. · ↗dickköpfig  ugs. · ↗nickelig  ugs. · stur wie ein Panzer  ugs. · sturköpfig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
stur · ↗unempfänglich · ↗unzugänglich · wenig Verständnis zeigend · wenig aufgeschlossen (für) · wenig entgegenkommend  ●  ↗hartleibig  geh. · ↗zugeknöpft  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfragen Auswendiglernen Befolgen Beharren Beharrlichkeit Bock Bürokrat Defensivhaltung Dogmatiker Festhalt Festhalten Manndeckung Mecklenburger Pauken Schrat Weigerung Westfale beharren beharrlich bockig dickköpfig eigensinnig festhalten starr steif störrisch unbeirrt unbelehrbar uneinsichtig unflexibel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stur‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rechnet man stur hoch, hat die Stadt vier Theater zuviel.
Die Welt, 12.08.2000
Ich kann länger stur sein, als ihr bei Wahlen zu Hause bleiben könnt.
Der Tagesspiegel, 24.09.1999
Ich bin zu stur, um mich zu wandeln, und ich will es auch gar nicht.
Tucholsky, Kurt: An Walter Hasenclever, Juli 1934. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1934], S. 16238
Es zeigte sich aber alles andere als einsichtig und schaltete auf stur.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 49
Wir marschieren stur weiter, durch zerstörte Orte, an frischen Gräbern vorbei, immer weiter und weiter.
Brief von Alois Scheuer an Friedchen Scheuer vom 26.07.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0079
Zitationshilfe
„stur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stur>, abgerufen am 23.05.2019.

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