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stutzen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung stut-zen
Wortbildung  mit ›stutzen‹ als Erstglied: Stutzbart · Stutzflügel · Stutzkäfer · Stutzuhr · Stutzung
 ·  mit ›stutzen‹ als Letztglied: abstutzen · einstutzen · wegstutzen · zurechtstutzen · zurückstutzen · zustutzen
 ·  formal verwandt mit: Reiherstutz
Mehrwortausdrücke  jmdm. die Flügel stutzen

Bedeutungsübersicht+

  1. etw. kürzer schneiden, beschneiden, verkürzen
    1. [bildlich] ...
    2. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutung

etw. kürzer schneiden, beschneiden, verkürzen
Beispiele:
jmd. lässt sich die Haare, den Bart stutzen
er hatte dunkles, kurz gestutztes Haar
er trug einen gestutzten Spitzbart
die Hecken, Bäume, Sträucher waren streng, sorgsam (mit der Schere) gestutzt
man hat dem Pferd den Schwanz gestutzt
eine Dohle, ein Storch, Hahn mit gestutzten Flügeln
bildlich
Beispiel:
jmdm. die Flügel stutzen (= jmds. Übermut dämpfen, jmds. Bewegungsfreiheit einschränken)
übertragen
Beispiele:
das Stück wurde um alle Szenen gestutzt, die den historischen Hintergrund beleuchten
sie gaben sich mit den gestutzten (= eingeschränkten) Rechten nicht zufrieden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stutzen · stutzig · Stutzer
stutzen Vb. ‘innehalten, (erschreckt) stehenbleiben, aufmerksam werden, zurückschrecken’, auch (älter bzw. landschaftlich) ‘zum Stillstand bringen, hemmen, gegenstoßen, Widerstand leisten’, ahd. irstuzzen ‘wegscheuchen, ins Unglück stürzen’ (um 1000), spätmhd. stutzen ‘scheu werden’ (vom Pferd), eigentlich ‘durch Anstoßen gehemmt werden und sich versteifen, anhalten’, dann auch ‘steif, aufrecht gehen, stolzieren, prunken, protzen’ (16. Jh.), mnl. stutten, nl. stuiten, wohl eine Intensivbildung mit expressiver Konsonantengemination (germ. *stuttjan) zu dem unter stoßen (s. d.) behandelten Verb. Die heutige Bedeutung entwickelt sich aus ‘anstoßen und dadurch scheu und gehemmt sein’, dann ‘stehenbleiben, zurückschrecken’; anfangs auf das Verhalten der Pferde, seit dem 16. Jh. auch auf menschliche Reaktionen bezogen. Dann auch (unter Einfluß von Stutzen m., s. d.) ‘kürzer machen, abschneiden, verstümmeln’ (16. Jh.), übertragen ‘beeinträchtigen’ (17. Jh.). – stutzig Adj. ‘mißtrauisch, befremdet’ (16. Jh.). Stutzer m. ‘Modenarr, Elegant, Geck’ (17. Jh.); zu stutzen ‘stolzieren, protzen’ (s. oben), oder wer eine modisch gestutzte Kleidung, Haar- oder Barttracht trägt.

Stutzen · Stutz
Stutzen m. ‘Stumpf, Stummel’, mit Endungs-en aus den flektierten Kasus neben Stutz Auszugehen ist wohl von mhd. stuz, stutz m. ‘Stoß, Anprall’. Danach auch etw. gleichsam durch Stoß, Anprall ‘Gestauchtes, Abgestumpftes, Gedrungenes’, vgl. spätmhd. stotze m. ‘Stamm, Klotz’, stutze m. ‘Trinkglas ohne Fuß, Becher’, stutze f. ‘rundes, weites Gefäß’, nhd. Stutz(en) m., Stütze f., (obd.) Stotz(en) m. ‘Stumpf, Holzgefäß’. Dann im Sinne von ‘Kurzes, Abgeschnittenes, Abgestutztes’ in zahlreichen speziellen Bedeutungen wie ‘Pulswärmer, Muff’ (17. Jh.), ‘kurzes Gewehr’ (18. Jh.), ‘kurzes Rohrstück’ (Ende 19. Jh.), ‘(Sport)strumpf ohne Füßling, Wadenstrumpf’ (19. Jh.). Wahrscheinlich (wie auch stutzen Vb., s. d.) Intensivbildung zu der unter stoßen, Stoß (s. d.) behandelten Wortgruppe.

stützen · Stütz · Liegestütz · Stütze · Stützpunkt
stützen Vb. ‘Halt geben, am Fallen, Zusammenbrechen hindern’, reflexiv ‘auf etw. ruhen, zur Grundlage haben’. Ahd. untarstuzzen (Hs. 12. Jh.), mhd. understützen, mnd. stütten, mnl. nl. stutten, eigentlich ‘von unten etw. mit einer Stütze halten, dagegenhalten’, steht als Intensivbildung (mit Konsonantendoppelung germ. *stuttijan) zu gleichbed. ahd. gistuden (8. Jh.), anord. styðja, schwed. stödja, das von einem in spätmhd. stud ‘Stütze, Pfosten, Säule’, aengl. studu, stuþu, engl. stud ‘Knopf, Knauf’, (älter) ‘Pfosten’, anord. stoð ‘Stütze, Säule, Pfeiler’, schwed. stöd ‘Stütze, Halt, Unterstützung’ überlieferten Substantiv abgeleitet ist. Dieses wird als Bildung mit -Formans (wie Staude, s. d.) zur schwundstufigen Form der unter stauen (s. d.) angeführten Erweiterung ie. *st(h)āu-, *st(h)ū- der Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. stehen) gestellt. Als Simplex ist das Verb im Hd. erst seit Anfang des 17. Jhs. belegt. – Stütz m. in der Turnersprache ‘Stellung, bei der das Gewicht des Körpers auf den (gestreckten) Armen ruht’ (19. Jh.), besonders Liegestütz m. ‘sich auf Hände und Füße stützende Turnfigur’ (19. Jh.). Stütze f. ‘stützender Pfahl, Pfosten’, mhd. stütze, mnd. stütte, abgeleitet vom Verb; seit dem 16. Jh. auch ‘Halt und Hilfe bietender Mensch’. Stützpunkt m. ‘fester, Halt bietender Punkt oder Ort’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›stutzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stutzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›stutzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man kann einen erwachsenen Mann dazu zwingen, sich die Haare zu stutzen. [Schulz, Johannes: Erziehung zum Untertan. In: Haug, Hans-Jürgen u. Maessen, Hubert (Hgg.) Kriegsdienstverweigerer – Gegen die Militarisierung der Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Fischer 1971, S. 24]
Als er mit einem Tuch die Schrift auswischen wollte, stutzte er. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 278]
Allerdings stutzte er, denn das Bild sah irgendwie fremdartig aus. [C't, 1995, Nr. 12]
Sein Sohn stutzt derweil die Zweige, und seine Frau räumt auf. [Die Zeit, 10.10.2011, Nr. 41]
Ich stutzte, dann lächelte ich plötzlich erleichtert, um gleich darauf den Kopf zu schütteln. [Arjouni, Jakob: Chez Max, Zürich: Diogenes 2006, S. 161]
Zitationshilfe
„stutzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stutzen#1>.

Weitere Informationen …

stutzen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung stut-zen
eWDG

Bedeutung

plötzlich (überrascht, erstaunt, verwundert, misstrauisch) einen Augenblick lang anhalten
a)
plötzlich einen Augenblick lang anhalten und stehenbleiben
Beispiele:
auf halbem Wege stutzte er plötzlich und lauschte
das Pferd stutzte (= scheute) bei dem Geräusch, vor dem Hindernis, Graben
Überall stutzten die eiligen Passanten, lasen das Plakat [ KreuderGesellschaft158]
b)
aufmerken und innehalten, stutzig werden
Beispiele:
sie blätterte in dem Tagebuch, stutzte plötzlich kurz und blätterte dann rasch weiter
sie stutzte einen Moment, als hätte sie schon zu viel gesagt
diese Frage, Reaktion ließ ihn stutzen
dass sie so verlegen war, machte ihn stutzen
ich stutzte, als ich seinen Namen las
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stutzen · stutzig · Stutzer
stutzen Vb. ‘innehalten, (erschreckt) stehenbleiben, aufmerksam werden, zurückschrecken’, auch (älter bzw. landschaftlich) ‘zum Stillstand bringen, hemmen, gegenstoßen, Widerstand leisten’, ahd. irstuzzen ‘wegscheuchen, ins Unglück stürzen’ (um 1000), spätmhd. stutzen ‘scheu werden’ (vom Pferd), eigentlich ‘durch Anstoßen gehemmt werden und sich versteifen, anhalten’, dann auch ‘steif, aufrecht gehen, stolzieren, prunken, protzen’ (16. Jh.), mnl. stutten, nl. stuiten, wohl eine Intensivbildung mit expressiver Konsonantengemination (germ. *stuttjan) zu dem unter stoßen (s. d.) behandelten Verb. Die heutige Bedeutung entwickelt sich aus ‘anstoßen und dadurch scheu und gehemmt sein’, dann ‘stehenbleiben, zurückschrecken’; anfangs auf das Verhalten der Pferde, seit dem 16. Jh. auch auf menschliche Reaktionen bezogen. Dann auch (unter Einfluß von Stutzen m., s. d.) ‘kürzer machen, abschneiden, verstümmeln’ (16. Jh.), übertragen ‘beeinträchtigen’ (17. Jh.). – stutzig Adj. ‘mißtrauisch, befremdet’ (16. Jh.). Stutzer m. ‘Modenarr, Elegant, Geck’ (17. Jh.); zu stutzen ‘stolzieren, protzen’ (s. oben), oder wer eine modisch gestutzte Kleidung, Haar- oder Barttracht trägt.

Stutzen · Stutz
Stutzen m. ‘Stumpf, Stummel’, mit Endungs-en aus den flektierten Kasus neben Stutz Auszugehen ist wohl von mhd. stuz, stutz m. ‘Stoß, Anprall’. Danach auch etw. gleichsam durch Stoß, Anprall ‘Gestauchtes, Abgestumpftes, Gedrungenes’, vgl. spätmhd. stotze m. ‘Stamm, Klotz’, stutze m. ‘Trinkglas ohne Fuß, Becher’, stutze f. ‘rundes, weites Gefäß’, nhd. Stutz(en) m., Stütze f., (obd.) Stotz(en) m. ‘Stumpf, Holzgefäß’. Dann im Sinne von ‘Kurzes, Abgeschnittenes, Abgestutztes’ in zahlreichen speziellen Bedeutungen wie ‘Pulswärmer, Muff’ (17. Jh.), ‘kurzes Gewehr’ (18. Jh.), ‘kurzes Rohrstück’ (Ende 19. Jh.), ‘(Sport)strumpf ohne Füßling, Wadenstrumpf’ (19. Jh.). Wahrscheinlich (wie auch stutzen Vb., s. d.) Intensivbildung zu der unter stoßen, Stoß (s. d.) behandelten Wortgruppe.

stützen · Stütz · Liegestütz · Stütze · Stützpunkt
stützen Vb. ‘Halt geben, am Fallen, Zusammenbrechen hindern’, reflexiv ‘auf etw. ruhen, zur Grundlage haben’. Ahd. untarstuzzen (Hs. 12. Jh.), mhd. understützen, mnd. stütten, mnl. nl. stutten, eigentlich ‘von unten etw. mit einer Stütze halten, dagegenhalten’, steht als Intensivbildung (mit Konsonantendoppelung germ. *stuttijan) zu gleichbed. ahd. gistuden (8. Jh.), anord. styðja, schwed. stödja, das von einem in spätmhd. stud ‘Stütze, Pfosten, Säule’, aengl. studu, stuþu, engl. stud ‘Knopf, Knauf’, (älter) ‘Pfosten’, anord. stoð ‘Stütze, Säule, Pfeiler’, schwed. stöd ‘Stütze, Halt, Unterstützung’ überlieferten Substantiv abgeleitet ist. Dieses wird als Bildung mit -Formans (wie Staude, s. d.) zur schwundstufigen Form der unter stauen (s. d.) angeführten Erweiterung ie. *st(h)āu-, *st(h)ū- der Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. stehen) gestellt. Als Simplex ist das Verb im Hd. erst seit Anfang des 17. Jhs. belegt. – Stütz m. in der Turnersprache ‘Stellung, bei der das Gewicht des Körpers auf den (gestreckten) Armen ruht’ (19. Jh.), besonders Liegestütz m. ‘sich auf Hände und Füße stützende Turnfigur’ (19. Jh.). Stütze f. ‘stützender Pfahl, Pfosten’, mhd. stütze, mnd. stütte, abgeleitet vom Verb; seit dem 16. Jh. auch ‘Halt und Hilfe bietender Mensch’. Stützpunkt m. ‘fester, Halt bietender Punkt oder Ort’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›stutzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stutzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›stutzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man kann einen erwachsenen Mann dazu zwingen, sich die Haare zu stutzen. [Schulz, Johannes: Erziehung zum Untertan. In: Haug, Hans-Jürgen u. Maessen, Hubert (Hgg.) Kriegsdienstverweigerer – Gegen die Militarisierung der Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Fischer 1971, S. 24]
Als er mit einem Tuch die Schrift auswischen wollte, stutzte er. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 278]
Allerdings stutzte er, denn das Bild sah irgendwie fremdartig aus. [C't, 1995, Nr. 12]
Sein Sohn stutzt derweil die Zweige, und seine Frau räumt auf. [Die Zeit, 10.10.2011, Nr. 41]
Ich stutzte, dann lächelte ich plötzlich erleichtert, um gleich darauf den Kopf zu schütteln. [Arjouni, Jakob: Chez Max, Zürich: Diogenes 2006, S. 161]
Zitationshilfe
„stutzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stutzen#2>.

Weitere Informationen …

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