subjektiv

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung sub-jek-tiv
Wortzerlegung  Subjekt -iv
Wortbildung  mit ›subjektiv‹ als Erstglied: Subjektivismus · Subjektivist · subjektivieren
 ·  mit ›subjektiv‹ als Letztglied: intersubjektiv  ·  mit ›subjektiv‹ als Grundform: Subjektivität
Herkunft zu subiectīvuslat ‘hinzugefügt, nachgesetzt, zum Subjekt gehörig’
eWDG

Bedeutungen

1.
Philosophie nur dem Subjekt zukommend, vom Subjekt abhängig, bestimmt, bedingt
Beispiele:
subjektive Faktoren, Triebkräfte
das Subjektive in der Erkenntnis
objektive und subjektive Gründe, Voraussetzungen
subjektiver Idealismus (= Philosophie, die das tätige Subjekt verabsolutiert, indem sie der objektiven Realität kein selbständiges Dasein zuerkennt, sondern sie lediglich als Bewusstseinsinhalt auffasst)
eine subjektiv‑idealistische philosophische Richtung
2.
wesentlich stärker von der Vorstellung eines Urteilenden als von den wirklichen Eigenschaften des (von ihm) beurteilten Objekts bestimmt, unsachlich, willkürlich
Beispiele:
etw. (zu) subjektiv einschätzen, beurteilen
subjektive Vorstellungen, Meinungen, Kriterien
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Subjekt · subjektiv · Subjektivismus · subjektivistisch · Subjektivität
Subjekt n. ‘das Zugrundegelegte, Untergeordnete, Abhängige, Substanz, (Roh)stoff’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘Gegenstand der Erkenntnis, zugrundeliegender Begriff in einem Urteil’ (Ende 16. Jh.), in Kunst und Literatur ‘Gegenstand, Thema, Motiv’ (s. auch Sujet), in der Grammatik ‘Träger der Aussage, Satzgegenstand’ (Mitte 18. Jh.), in der Kanzleisprache ‘Person in abhängiger, untergeordneter Position’ (17. Jh.; später ‘anrüchige Person’, 19. Jh.), in der Philosophie (Kant) ‘mit Bewußtsein begabtes, erkennendes, handelndes Wesen, Ich, Individuum’ (18. Jh.), entlehnt aus spätlat. subiectum ‘das Daruntergelegte, Substanz, ursprünglich Gegebenes, grammatischer Satzgegenstand’, mlat. ‘Begriff, Gegenstand’, Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. subicere ‘unter oder an etw. werfen, legen, setzen, stellen, fügen, unterlegen, unterbreiten, unterwerfen’, zu lat. iacere ‘werfen’. Die Anwendung des Ausdrucks auf Personen ist vorgeprägt in lat. subiectī m. (Plur.) ‘die Unterworfenen, die Untertanen’ (mlat. auch der Sing. subiectus), doch zeigt das Dt. auch in diesem Falle das sonst übliche neutrale Genus. subjektiv Adj. ‘das Subjekt betreffend, von ihm abhängig, ausgehend, auf das Subjekt bezogen, persönlich, individuell bedingt’ (18. Jh.), danach auch ‘einseitig, willkürlich, abwertend’, vgl. lat. subiectīvus ‘hinzugefügt, nachgesetzt, zum Subjekt gehörig’. Subjektivismus m. philosophische Richtung, Denk- und Verhaltensweise, die das Subjektive überbewertet und das Objektive vernachlässigt, allgemein ‘Ichbezogenheit’ (1. Hälfte 19. Jh.), gelehrte Bildung zu subjektiv. subjektivistisch Adj. ‘den Subjektivismus betreffend, ichbezogen’ (2. Hälfte 19. Jh.). Subjektivität f. ‘Individualität, (nur) vom Subjekt bestimmte Verhaltens- und Handlungsweise, nur persönliche Auffassung, Unsachlichkeit durch Nichtbeachtung des Objektive’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
einseitig · nicht objektiv · parteiisch · persönlich · subjektiv · unausgewogen · unsachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›subjektiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›subjektiv‹.

Verwendungsbeispiele für ›subjektiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Subjektiv gefühlte Temperatur lasse sich nicht messen, wenden Kritiker ein.
Der Tagesspiegel, 01.12.1998
Denn diejenigen, um die es sich handelt, sind meistens subjektiv nicht mitleidsbedürftig.
Süddeutsche Zeitung, 10.05.1996
Dem subjektiven Erleben der Situation entsprechend gelangen unterschiedliche Reaktionsweisen zur Anwendung.
Lehr, Ursula: Gerontopsychologie. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 6213
Kunst ist bis zu einem gewissen Grade ein subjektiver Begriff.
Welles, C. Bradford: Die hellenistische Welt. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 7952
Doch forderte man für die meisten auch eine subjektive Disposition des Empfängers.
Schweizer, E. u. a.: Abendmahl. In: Galling, Kurt (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 180
Zitationshilfe
„subjektiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/subjektiv>, abgerufen am 28.09.2021.

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