Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

subtil

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [zʊpˈtiːl]
Worttrennung sub-til
Häufige Falschschreibung suptil
Wortbildung  mit ›subtil‹ als Grundform: Subtilität
Herkunft aus subtīlislat ‘fein, dünn, zart’, übertragen ‘genau, gründlich, feinfühlend, fein unterscheidend’ < tēlalat ‘Gewebe’
eWDG

Bedeutungen

1.
fein gegliedert, gestaltet
Beispiele:
subtile Formen
ein subtiler Stil
seine subtile Gestaltungskunst
subtile Unterschiede
denn so zart ist ja unser Gehirn, dies aus subtilster Substanz gestaltete Schaltwerk [ St. ZweigAmok199]
daß [die Psychologie] … schon mit viel feineren und subtileren Werkzeugen zu arbeiten gelernt hat [ BrechtSchriften z. Theater1,109]
2.
feinsinnig, zartfühlend
Beispiele:
ein subtiles Empfinden, eine subtile Beziehung
sich subtil in etw. einfühlen
subtile (= scharfsinnige, komplizierte) Gedankengänge, Überlegungen, Fragen
Aber die besten Späße, die höheren, subtileren, hat er sich entgehen lassen [ Feuchtw.Söhne495]
In der Tat bedarf es eines subtilen Umweges, um das Postulat der allgemeinen Relativität exakt anzuwenden [ EinsteinRelativitätstheorie50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

subtil Adj. ‘zart, fein, sorgsam, spitzfindig, schwierig’, mhd. subtīl, entlehnt aus lat. subtīlis ‘fein, dünn, zart’, übertragen ‘genau, gründlich, feinfühlend, fein unterscheidend’; aus *subtexlis ‘untergewebt, fein gewebt’, zu lat. tēla ‘Gewebe’, lat. texere (textum) ‘weben, flechten, zusammenfügend verfertigen, bauen, errichten’ (s. Text). In der Sprache der Mystiker bezeichnet subtīl die Feinheit geistiger Substanz, die Genauigkeit und Differenziertheit menschlichen Wahrnehmens, Erkennens und Denkens oder die Schwierigkeit, geistige Sachverhalte zu verstehen. Bereits bei den Mystikern entwickelt sich aus ‘(allzu)fein zergliedernd’ die Bedeutung ‘spitzfindig’ (danach mehrfach bei Luther).

Thesaurus

Synonymgruppe
subtil  ●  feingeschliffen  geh., fig. · feinsinnig  geh., Hauptform · feinziseliert  geh., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
fein · nur mit Feinsinn wahrnehmbar · sublim · subtil · unterschwellig
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›subtil‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›subtil‹.

Verwendungsbeispiele für ›subtil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber das alles war Handwerk, verglichen mit der subtilen Kunst des Maserns. [Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 230]
Die Folgen sind auf subtile Weise verheerend, vor allem für die Kultur. [Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10]
Aber wo drucken wir in einem Jahr unsere kleine subtile Freude hin? [konkret, 1995]
Das war länger als zehn Jahre her, als wir uns zu Beginn der Fünfziger daranmachten, die Art des Hauses subtiler zu gestalten. [Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 388]
Mit subtiler Überzeugungsarbeit haben diese folterähnlichen Methoden nichts zu tun, »bewährt« haben sie sich über die Jahrhunderte trotzdem. [Die Zeit, 12.06.2012 (online)]
Zitationshilfe
„subtil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/subtil>.

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