tändeln

Grammatik Verb · tändelt, tändelte, hat getändelt
Aussprache  [ˈtɛndl̩n]
Worttrennung tän-deln
GrundformTand
Wortbildung  mit ›tändeln‹ als Erstglied: Tändelschürze · Tändler  ·  mit ›tändeln‹ als Letztglied: Getändel · vertändeln
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
veraltend jmd. tändeltoberflächlich, unverbindlich und spielerisch irgendetw., meist Nichtiges tun, um sich die Zeit zu vertreibenWDG
Beispiele:
er trödelt und tändelt immer nur, statt etw. Ordentliches zu lernenWDG
sie spielte und tändelte (= scherzte) gern mit ihren KindernWDG
Mit dem Verweis auf körperliche Arbeit soll dem Verdacht begegnet werden, dass Dichter nur träumen und tändeln, die Arbeit scheuen und Mühsal nie erfahren haben, stattdessen nur Bier und Boheme, nur Kater und Kaffeehaus kennen. [Die Welt, 30.11.2019]
Während Politiker, aber auch Wissenschaftler einen »Reformstau« beklagen, tändeln Kohl und seine letzte Regierung kraft‑ und planlos in die Zukunft. [Der Spiegel, 16.06.2017 (online)]
Irgendein lausiger Malerjüngling spielte den Romantischen, trug ein kühnes Barett, lag rücklings am Geländer hingestreckt und tändelte mit einer langhalsigen Gitarre. [Hesse, Hermann: Peter Camenzind. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1974 [1904], S. 57]
2.
Synonym zu flirten
Beispiele:
Der gemeinnützige Erzgauner Cartouche (Jean‑Paul Belmondo) ist frecher, als die französische Polizei erlaubt, sogar so frech, Claudia Cardinale links liegen zu lassen und lieber mit der Gattin des Kommissars zu tändeln. [Süddeutsche Zeitung, 30.12.2015]
Nina Siewert als kecke Sascha tändelt, verführt und will was vom Leben, hat aber Iwanows Problem sehr gut verstanden. [Badische Zeitung, 20.11.2019]
Echten Darstellern zuzusehen, wie sie singen und um Gefühle ringen, wie sie tanzen, tändeln, turteln und zwischen den Szenen auch noch blitzschnell das Bühnenbild umbauen, das ist einfach unschlagbar. [Der Tagesspiegel, 24.09.2019]
Das Verb schäkern führt seit einiger Zeit schon ein geißblattumranktes Nischendasein. In Wörterbüchern wird bei seiner Nennung auf ähnlich verblasste Synonyme verwiesen, auf liebäugeln, tändeln, balzen und sogar scharmutzieren. [Süddeutsche Zeitung, 19.10.2015]
Auch Götter tändeln und lieben galant. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.): Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 49149]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tand · tändeln · Tändelei
Tand m. ‘wertloses Zeug, wertlose hübsche Kleinigkeiten’, mhd. mnd. tant ‘Nichtigkeit, leeres Geschwätz, Possen’, in der Kaufmannssprache mhd. ūf den tant ‘auf Borg’, mnd. tant van Nurenberch ‘Nürnberger Spielwaren’, ist wohl entlehnt aus lat. tantus ‘so groß, so viel’ bzw. aus dessen substantiviertem Neutrum tantum ‘Kleinigkeit, Nichtigkeit’. Eine Vermischung mit zu ahd. tantarōn ‘verrückt sein, faseln’ (10. Jh.), einem Verb unbekannter Herkunft, gebildeten Wörtern ist nicht auszuschließen. tändeln Vb. ‘spielen, verspielt sein, scherzen, flirten, mit Nichtigkeiten die Zeit totschlagen’ (15. Jh.), frühnhd. auch ‘mit Kleinigkeiten, mit Kram handeln’, Iterativbildung zu spätmhd. tanten, tenten ‘spielen, Kurzweil, Possen treiben, schwatzen’, einer Ableitung vom Substantiv; vgl. mhd. tendelieren ‘feilschen, schachern’. Tändelei f. ‘Spielerei, Liebhaberei, Flirt’ (17. Jh.); vgl. mhd. tenterīe, frühnhd. tanderei, tänderei, tentelei ‘Spielerei, Possen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bummeln · tingeln · tändeln
Assoziationen
Synonymgruppe
bebalzen · beturteln · herumschäkern · herumturteln · kokettieren · liebäugeln · schäkern · turteln  ●  flirten  Hauptform · poussieren  veraltet · scharmutzieren  veraltend · tändeln  veraltend · herummachen mit  ugs. · liebeln  ugs. · rummachen mit  ugs.
Assoziationen
Zitationshilfe
„tändeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/t%C3%A4ndeln>.

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