Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

tasten

Grammatik Verb · tastet, tastete, hat getastet
Aussprache 
Worttrennung tas-ten
Wortbildung  mit ›tasten‹ als Erstglied: Tastballen · Tastempfindung · Taster · Tastfaden · Tasthaar · Tastorgan · Tastsinn · Tastversuch · tastbar
 ·  mit ›tasten‹ als Letztglied: abtasten · antasten · austasten · betasten · durchtasten · eintasten · entlangtasten · ertasten · herantasten · herumtasten · hinauftasten · umhertasten · vortasten · vorwärtstasten · weitertasten
eWDG

Bedeutungen

1.
besonders mit den Händen vorsichtig oder unsicher über etw. hinweggleiten, nach etw. suchen
Beispiele:
der Blinde tastet mit der Hand, mit dem Stock
ich tastete im Dunkeln nach dem Lichtschalter, nach Streichhölzern
er suchte tastend nach den Zigaretten
Die alte Frau … tastete unruhig mit den Händen über die dünne Bettdecke [ AichingerHoffnung115]
bildlich
Beispiel:
die Lichtkegel der Scheinwerfer tasteten über den Himmel, nach dem Horizont
übertragen
Beispiel:
einen ersten, tastenden (= vorsichtig prüfenden) Versuch, Vorstoß, Schritt in dieser Richtung unternehmen
etw. mit der Hand prüfend berühren und zu erkennen suchen
Beispiele:
die Gallenblase, Leber tasten
die vom Frauenarzt getasteten vergrößerten Lymphknoten [ Gesundheit1970]
2.
sich tastensich vorsichtig oder unsicher mit den Händen um sich greifend vorwärtsbewegen
Beispiel:
ich tastete mich zur Tür, an der Mauer entlang, habe mich mühsam durch das dunkle Gebäude getastet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tasten · antasten · betasten · Taste
tasten Vb. ‘(mit den Händen) vorsichtig oder unsicher über etw. hinweggleiten, nach etw. suchen, greifen’, reflexiv ‘sich vorsichtig, mit den Händen um sich greifend vorwärtsbewegen’, mhd. mnd. tasten ‘(be)fühlen, berühren’ ist (vielleicht durch nl. Vermittlung?, vgl. mnl. nl. tasten) entlehnt aus afrz. taster ‘tasten, tastend suchen, betasten, prüfen’ (frz. tâter), woraus auch engl. to taste ‘prüfen, probieren, schmecken, kosten’. Voraus geht vlat. *tastāre, eine kontrahierte Form aus vlat. *taxitāre ‘mehrmals berühren, betasten’, Intensivbildung zu lat. taxāre ‘scharf anrühren, (prüfend) berühren, antasten, (durch Befühlen) den Wert einer Sache ermitteln und bestimmen, schätzen’ (s. taxieren). antasten Vb. ‘vorsichtig berühren, unberechtigt berühren, verletzen’, mhd. anetasten. betasten Vb. ‘mit den Fingern befühlen, prüfend anfassen’, mhd. betasten. Taste f. ‘mit dem Finger herabzudrückender Hebel’, besonders (dann oft Plur.) bei bestimmten Musikinstrumenten (1. Hälfte 18. Jh.), aus ital. tasto m. bzw. tasti (Plur.) ‘Griffsteg zum Anschlagen der Saiten eines Musikinstrumentes (insbesondere eines Klaviers), Griff(brett)’, eigentlich ‘das Tasten, Werkzeug zum Tasten’, zu (wohl aus dem Galloroman. entlehntem) ital. tastare ‘(be)tasten, wiederholt berühren’, aus lat. tastāre (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›tasten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tasten‹.

Verwendungsbeispiele für ›tasten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Finger tasteten nach etwas, womit sie sich beschäftigen konnten. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 314]
Wort für Wort tastete er sich durch den ersten Satz. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 707]
Das Auge der Kamera tastete sich langsam durch den dämmrigen Gang. [C't, 1996, Nr. 1]
Hinter seinem Rücken tastet er mit einer Hand suchend nach seiner viel jüngeren Frau. [Die Zeit, 25.10.2010, Nr. 43]
Er tastete nach ihrer Hand, sie zog sie nicht zurück. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 182]
Zitationshilfe
„tasten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tasten>.

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