taub

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›taub‹ als Erstglied: ↗Taubblinde · ↗Taubheit · ↗Taubnessel · ↗Taubstumme · ↗Taubstummheit · ↗taubblind · ↗taubstumm
 ·  mit ›taub‹ als Letztglied: ↗stocktaub  ·  mit ›taub‹ als Grundform: ↗Taube2 · ↗betäuben · ↗vertauben
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ohne Hörvermögen, gehörlos
Beispiele:
er ist auf einem Ohr, dem rechten, linken, auf beiden Ohren taub
er ist taub geboren
der Taube las mir die Worte von den Lippen ab
schrei nicht so, ich bin doch nicht taub!
sich taub stellen (= Taubheit vortäuschen)
übertragen
Beispiele:
gegen alle Bitten, Warnungen stellten sie sich taub (= sie gingen auf die Bitten, Warnungen nicht ein)
umgangssprachlich er predigte tauben Ohren (= mahnte vergeblich)
umgangssprachlich, scherzhaft auf diesem Ohr ist er taub (= in dieser Angelegenheit reagiert er nicht)
2.
ohne körperliche Empfindung, gefühllos
Beispiele:
vor Kälte waren ihm die Hände, Füße taub geworden
Er hatte keine Schmerzen, aber es war ihm, als sei sein Körper taub [R. BartschGeliebt12]
3.
ohne nutzbaren Wert, gehaltlos
Beispiele:
eine taube Nuss, Ähre (= eine hohle, leere Nuß, Ähre)
ein taubes Ei (= ein Ei, aus dem sich nichts entwickelt)
Bergmannssprache taubes Gestein (= Gestein, das kein nutzbares Mineral enthält)
bildlich
Beispiele:
auf tauber Fährte sein
Die Meuterei, eine taube (= vergebliche) Handlung, brachte die Kenntnis, daß ... [JahnnNiederschrift1,81]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taub · betäuben · Taubnessel · taubstumm
taub Adj. ‘gehörlos, ohne körperliche Empfindung, abgestorben, ohne nutzbaren Wert, gehaltlos, leer’, ahd. toub ‘gehörlos, unempfindlich, stumpf, unsinnig’ (9. Jh.), mhd. toup, toub, auch ‘leer, wertlos, abgestorben, dürr’, mnd. dōf (s. ↗doof), mnl. nl. doof, aengl. dēaf, engl. deaf, anord. daufr, schwed. döv, got. daufs, germ. *dauba-. Dazu (ablautend) ↗toben (s. d.) und (nasaliert) ↗dumm (s. d.), außergerm. griech. typhlós (τυφλός) ‘blind, stumpf, unsinnig, verstopft, dunkel, versteckt’, so daß sich Rückführung auf ie. *dheubh-, *dhūbh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt’ (auch vom Geist und den Sinnen), eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln, besonders von Staub, Rauch, Dampf’ (s. ↗Duft, ↗Dunst), ergibt. Die Ausgangsbedeutung ‘umnebelt, empfindungslos, stumpfsinnig’ wird im Germ. schon früh auf den Gehörsinn bezogen. Aus der Bedeutung ‘gefühllos, abgestorben’ entwickelt sich in mhd. Zeit ‘gehaltlos, unfruchtbar’, vgl. taube Nuß ‘hohle, leere Nuß’, taubes Gestein ‘kein nutzbares Mineral enthaltendes Gestein’. betäuben Vb. ‘gegen Schmerz unempfindlich machen, das Bewußtsein trüben, benommen machen’, mhd. betouben ‘taub machen, betäuben, entkräften, betören, erzürnen’; vgl. ahd. toubēn ‘taub werden’ (um 800), toubōn ‘zähmen, bezwingen’ (9. Jh.), touben ‘vermindern, schwächen’ (11. Jh.), mhd. touben ‘taub werden, taub machen, betäuben, empfindungslos machen, abstumpfen, dämpfen, zunichte machen, vernichten’, nhd. tauben, täuben ‘taub sein oder werden, rasen, wüten, vernichten’ (nach dem 16. Jh. nicht mehr gebräuchlich). Taubnessel f. Lippenblütler mit Blättern, die denen der Brennessel ähnlich sind, aber bei Berührung keine brennenden Hautreizungen verursachen (15. Jh.). taubstumm Adj. ‘von Geburt an unfähig zu hören und (deshalb auch) unfähig, artikuliert zu sprechen’ (2. Hälfte 18. Jh.), aus der Fügung taub und stumm.

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
blutleer · ↗empfindungslos · ↗gefühllos · taub
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Finger Gefühl Gesichtshälfte Gestein Glied Großmutter Korn Nuß Ohr Zeh Zunge anfühlen beinahe blind dumm dumpf fast geboren gefühllos gelähmt gänzlich lahm nahezu schwerhörig sowieso stellen stumm stumpf Ähre

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›taub‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich hat es auch die Jahre zuvor geholfen, sich einfach taub zu stellen.
Der Tagesspiegel, 15.05.2001
Die ist taub, das hat mit mir als Person nichts zu tun.
Süddeutsche Zeitung, 29.10.1994
Sie war zu allem Überfluß auch noch Fan von meinen tauben Witzen.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 106
Er selber strengte seine tauben Ohren mit Zuhören nicht mehr an.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 708
Ich versuchte, die Mutter zu bewegen, mich mitzunehmen; aber auf dem Ohr war sie taub.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6823
Zitationshilfe
„taub“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/taub>, abgerufen am 21.09.2019.

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