taubstumm

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Aussprache
Worttrennungtaub-stumm
Wortzerlegungtaubstumm
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

(meist von Geburt an) gehörlos
Die Bezeichnung taubstumm gilt heute vor allem im offiziellen Sprachgebrauch als nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen wird mittlerweile das Adjektiv gehörlos verwendet.
Beispiele:
Taubstumme Kinder lernen die Gebärdensprache in den gleichen Entwicklungsschritten und mit der gleichen Perfektion wie ihre hörenden Altersgenossen die akustische Sprache. [Süddeutsche Zeitung, 09.05.2003]
»Den Begriff ʼTaubheitʼ verwenden wir eigentlich nicht«, sagt Hörgeräte-Akustik-Meister Dominik Weber, »das ist ein eher veralteter Terminus«. Noch dazu einer, der in der Verbindung »taubstumm« von den Betroffenen als diskriminierend empfunden werde. [Süddeutsche Zeitung, 24.11.2016]
Roberto Wirth, der Generalmanager des Luxus-Hotels [in Rom] […], liest den Gästen sprichwörtlich alle Wünsche von den Lippen ab, und das gleich in vier Sprachen. Wirth ist seit Geburt taubstumm und hat gezwungenermaßen diese einmalige Kunst der Kommunikation perfektioniert. [Die Welt, 08.11.2002]
Im Alter von sieben Monaten beginnen die Kinder taubstummer Eltern, ihre Hände langsam und rhythmisch zu bewegen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2001]
Fachleute sagen, für Kinder gehörloser Eltern sei es sogar besser, wenn sie auch taubstumm sind. […] Sabina hat als Kleinkind zunächst die Deutsche Gebärdensprache – also die Zeichensprache – von ihren Eltern gelernt. Erst im Kindergarten hat sie sprechen gelernt. [Berliner Zeitung, 13.03.1993]
übertragen Ungeachtet der taubstummen (= ignoranten) malaysischen Justiz bleibt der Korruptionsfall am Kochen. [Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2017]
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein taubstummes Kind
mit Adjektivattribut: taubstumme Eltern
in Koordination: taubstumm und blind
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taub · betäuben · Taubnessel · taubstumm
taub Adj. ‘gehörlos, ohne körperliche Empfindung, abgestorben, ohne nutzbaren Wert, gehaltlos, leer’, ahd. toub ‘gehörlos, unempfindlich, stumpf, unsinnig’ (9. Jh.), mhd. toup, toub, auch ‘leer, wertlos, abgestorben, dürr’, mnd. dōf (s. ↗doof), mnl. nl. doof, aengl. dēaf, engl. deaf, anord. daufr, schwed. döv, got. daufs, germ. *dauba-. Dazu (ablautend) ↗toben (s. d.) und (nasaliert) ↗dumm (s. d.), außergerm. griech. typhlós (τυφλός) ‘blind, stumpf, unsinnig, verstopft, dunkel, versteckt’, so daß sich Rückführung auf ie. *dheubh-, *dhūbh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt’ (auch vom Geist und den Sinnen), eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln, besonders von Staub, Rauch, Dampf’ (s. ↗Duft, ↗Dunst), ergibt. Die Ausgangsbedeutung ‘umnebelt, empfindungslos, stumpfsinnig’ wird im Germ. schon früh auf den Gehörsinn bezogen. Aus der Bedeutung ‘gefühllos, abgestorben’ entwickelt sich in mhd. Zeit ‘gehaltlos, unfruchtbar’, vgl. taube Nuß ‘hohle, leere Nuß’, taubes Gestein ‘kein nutzbares Mineral enthaltendes Gestein’. betäuben Vb. ‘gegen Schmerz unempfindlich machen, das Bewußtsein trüben, benommen machen’, mhd. betouben ‘taub machen, betäuben, entkräften, betören, erzürnen’; vgl. ahd. toubēn ‘taub werden’ (um 800), toubōn ‘zähmen, bezwingen’ (9. Jh.), touben ‘vermindern, schwächen’ (11. Jh.), mhd. touben ‘taub werden, taub machen, betäuben, empfindungslos machen, abstumpfen, dämpfen, zunichte machen, vernichten’, nhd. tauben, täuben ‘taub sein oder werden, rasen, wüten, vernichten’ (nach dem 16. Jh. nicht mehr gebräuchlich). Taubnessel f. Lippenblütler mit Blättern, die denen der Brennessel ähnlich sind, aber bei Berührung keine brennenden Hautreizungen verursachen (15. Jh.). taubstumm Adj. ‘von Geburt an unfähig zu hören und (deshalb auch) unfähig, artikuliert zu sprechen’ (2. Hälfte 18. Jh.), aus der Fügung taub und stumm.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Elter Eltern Junge Kind Mädchen Weberin blind gehörlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›taubstumm‹.

Zitationshilfe
„taubstumm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/taubstumm>, abgerufen am 19.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Taubnessel
Täubling
Täubin
Taubildung
Taubheit
Taubstumme
Taubstummenlehrer
Taubstummensprache
Taubstummenunterricht
Taubstummheit