Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

tauen

Grammatik Verb · taut, taute, ist/hat getaut
Aussprache  [ˈtaʊ̯ən]
Worttrennung tau-en
Wortbildung  mit ›tauen‹ als Erstglied: Taupunkt · Tausalz · Tauwetter · Tauwind
 ·  mit ›tauen‹ als Letztglied: abtauen · antauen · auftauen · forttauen · wegtauen
 ·  mit ›tauen‹ als Grundform: zertauen
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
a)
es tautes herrschen Temperaturen vor, die Eis und Schnee schmelzen (und Tauwetter einsetzen) lassen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Auf dem grönländischen Eisschild hat es in den letzten beiden Jahrzehnten im Sommer zunehmend getaut. [Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2017]
Über Nacht hatte es angefangen zu tauen, und jetzt versanken die Straßen und Gehsteige im Schneematsch. [Vogel, Maja von / Wich, Henriette: Total verknallt! In: Die drei !!! Stuttgart 2009]
Es taut! Beide Jungen blinzeln in die Sonne und genießen die Wärme. [Bauer, Insa / Jung, Alexander: Leselöwen-Steinzeit-Wissen. In: Leselöwen. Abenteuer- und Sachgeschichten. Bindlach 2007]
Wenn es bei Temperaturen um Null [sic!] Grad nicht anfängt zu tauen, wird die Schneedecke bis auf 10 Zentimeter anwachsen. [Berliner Zeitung, 04.12.1998]
Am 23. Januar fing es an zu tauen, es wurde wärmer. [Berliner Zeitung, 31.01.1987]
Wenn es taut, haben Elbe, Oder und auch die Spree genug, um immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel der Schiffe zu garantieren. [Berliner Zeitung, 23.01.1975]
b)
etw. tautvon Gefrorenem   durch Wärme schmelzen, flüssig werden, allmählich in einen flüssigen (Aggregat-)‍Zustand übergehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
In normalen Jahren tauten im Juli nur 60 bis 70 Milliarden Tonnen Eis, sagte die Chefin des [meteorologischen] Instituts dem Sender CNN. [Die Welt, 05.08.2019]
Am Wochenende taute in der Vogtland‑Arena bei Regen sogar der Kunstschnee. [Die Zeit, 15.12.2014 (online)]
Der Boden ist getaut, das Wasser steht auf dem noch gefrorenen Untergrund. [Die Welt, 30.06.2007]
Die dünne Eisfläche auf dem Spielfeld war getaut, so dass die Platzkommission am Mittag entschied, dass gekickt werden kann – aber auf morastigen Terrain. [Berliner Zeitung, 04.03.2003]
[…] es kommt zeitweise zu schauerartigem Niederschlag, der im Bergland und nachts meist als Schnee fällt, jedoch im Tiefland tagsüber bei höheren Temperaturen wieder taut. [Neues Deutschland, 19.11.1988]
Infolge wärmerer Temperaturen taute zugleich innerhalb weniger Stunden die bis zu 90 Zentimeter dicke Schneedecke im Erzgebirge und im Thüringer Wald. [Neues Deutschland, 16.12.1974]
c)
etw. taut (von etw.)sich aufgrund von Wärme verflüssigen und als Tropfen von einem Objekt herunterfallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Schnee taut von den Tannen. [Welt am Sonntag, 01.10.2017]
Auf den Objektiven tauen Schneeflocken zu unfröhlichen Tropfen. [Der Spiegel, 14.08.2006]
Der letzte Schnee taut von den Ästen der Zwergbirken und Polarweiden – bizarr gekrümmte Überreste aus der vergangenen Eiszeit. [die tageszeitung, 25.02.1992]
2.
jmd., etw. taut etw.Schnee, Eis, gefrorene Substanzen oder Lebensmittel erwärmen (und dadurch in einen weichen oder flüssigen Zustand bringen)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Ein Hunderte Meter dicker Gletscher bedeckt den Vulkan, den mit zweitausend Metern zweithöchsten Berg Islands. 800 Grad heiße Lava hätte Eis tauen und Schmelzwasserfluten zu Tal schicken müssen. [Der Spiegel, 26.08.2014 (online)]
Sie putzt die Küche, taut das Eis von den Wänden des Gefrierfachs. [Die Zeit, 05.12.2013]
Gebirge blockieren den Zustrom von Gletschern, Fallwinde tauen jede Schneeflocke. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2008]
Ein Primus‑Kocher spendete Wärme, um das Eis von den Bärten, Handschuhen und Schuhen zu tauen. [Neues Deutschland, 07.07.1979]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tauen2 Vb. ‘schmelzen’ (von Eis, Schnee). Ahd. thouwen, thewen, mhd. döuwen, douwen ‘auflösen, verdauen’ (s. verdauen) entwickelt, ausgehend von ‘auflösen, verflüssigen’, in Anlehnung an ahd. mhd. tou (s. Tau1 m.) ein mit t- anlautendes mhd. touwen ‘sich auflösen, zergehen, schmelzen’. Als verwandt sind zu vergleichen mnd. douwen ‘verdauen, tauen’, mnl. dōyen, doyen, douwen. nl. dooien ‘tauen’, anord. þeyja, schwed. töa ‘tauen’, ferner nl. dooi, schwed. ‘Tauwetter’, anord. þeyr ‘Tauwind’ sowie anord. þā (aus urnord. *þawō) ‘schneefreies Feld’ und das ōn-Verb aengl. þawian, engl. to thaw ‘tauen’. Man kann für die germ. Formen von einer mit u erweiterten Wurzel ie. *tā- ‘schmelzen, sich auflösen (fließen), hinschwinden’ ausgehen, die auch in osset. tajyn (maŭын) ‘tauen’, aslaw. tajati ‘schmelzen’, russ. tájat’ (таять) ‘schmelzen, tauen’, kymr. tawdd ‘Geschmolzenes’, toddi ‘schmelzen’, mit b(h)-Erweiterung in lat. tābēre ‘schmelzen, verwesen’, tābēs ‘das allmähliche Vergehen durch Schmelzen, Fäulnis, Krankheit, Verwesung’, mit k-Erweiterung in griech. tḗkein (τήκειν) ‘schmelzen’, takerós (τακερός) ‘schmelzend, schmachtend’ vorliegt.

Typische Verbindungen zu ›tauen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tauen‹.

Zitationshilfe
„tauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tauen#1>.

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tauen

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈtaʊ̯ən]
Worttrennung tau-en
Wortbildung  mit ›tauen‹ als Letztglied: betauen
eWDG

Bedeutung

es tautder Tau schlägt sich nieder, setzt sich ab
Beispiel:
am frühen Morgen hatte es getaut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tau1 · tauen1
Tau1 m. ‘an der Erdoberfläche sich tropfenförmig niederschlagende Feuchtigkeit der Nachtluft’, ahd. (8. Jh.), mhd. tou (Genitiv touwes) n. (md. auch m.), asächs. dou, mnd. douwe, dow, mnl. dau, dou, nl. dauw, aengl. dēaw, engl. dew (wa-Stamm germ. *dawwa- n.) und anord. dǫgg f., schwed. dagg (wō-Stamm germ. *dawwō f.) lassen sich im Sinne von ‘das Fließende, Tropfende’ außergerm. vergleichen mit aind. dhavatē ‘läuft, strömt’, (dehnstufig) dhā́vati ‘läuft, strömt, rinnt, gleitet’, griech. thé͞in (θεῖν) ‘laufen, eilen, rennen’, thoós (θοός) ‘schnell, flink’ und zur Wurzel ie. *dheu- ‘laufen, rinnen’ stellen. tauen1 Vb. ‘(sich) in Form von Tau niederschlagen’, ahd. touwōn (um 1000), mhd. touwen; gewöhnlich unpersönlich es taut.

Typische Verbindungen zu ›tauen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tauen‹.

Verwendungsbeispiele für ›tauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Draußen wird es kälter, aber in uns tauen die Herzen. [Die Zeit, 16.12.2002, Nr. 50]
Dann hatte es getaut, und nun waren sie wieder draußen. [Die Zeit, 07.11.1986, Nr. 46]
Als es vor mehr als 15000 Jahren allmählich wärmer wurde, begann das Eis zu tauen. [Süddeutsche Zeitung, 02.10.2002]
Taut das Eis, dann rutschen die Hänge, die Berge kommen in Bewegung. [Süddeutsche Zeitung, 10.01.2002]
Die Regierung, pünktlich, effektiv, verläßlich wie immer, ließ es tauen. [Die Zeit, 15.01.1979, Nr. 03]
Zitationshilfe
„tauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tauen#2>.

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