Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

taumeln

Grammatik Verb · taumelt, taumelte, hat/ist getaumelt
Aussprache 
Worttrennung tau-meln
Wortbildung  mit ›taumeln‹ als Erstglied: Taumelkäfer  ·  mit ›taumeln‹ als Letztglied: Getaumel · auftaumeln · umhertaumeln · umtaumeln · vorbeitaumeln · vorwärtstaumeln · wegtaumeln · zurücktaumeln
eWDG

Bedeutung

sich schwankend, schaukelnd bewegen
a)
sich (unsicher) hin- und herbewegen, torkeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’/‘ist’
Beispiele:
er hat, ist vor Schwäche, Hunger, Müdigkeit, wie ein Betrunkener getaumelt
er stand so ruckartig auf, dass er getaumelt ist
er taumelte unter den Schlägen
etw. macht jmdn. taumeln
er schleppte sich taumelnd weiter, ging mit taumelnden Schritten davon
der Nachtfalter flatterte im taumelnden Flug um das Licht
taumelnde Schmetterlinge
Er mußte sich an den Pfosten festhalten, so taumelte er [ St. ZweigNovellen1,27]
bildlich
Beispiele:
vor dem Fenster taumelten große Schneeflocken
Metas Ohrring taumelte wieder vor meinen Augen [ H. W. RichterSpuren116]
nach vielen Stunden … war in meinem Kopf nur noch ein Taumeln von Gedanken [ KeunMitternacht79]
gehoben, übertragen taumelndrauschhaft, ekstatisch
Grammatik: im Partizip I
Beispiele:
ihn erfüllte eine taumelnde Glückseligkeit
in einem wahren Rausch taumelnder Verzückung [ BahrHimmelfahrt337]
b)
sich schwankend, torkelnd in einer bestimmten Richtung vorwärtsbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er ist betrunken nach Hause, durch die Straßen, von einer Straßenseite auf die andere getaumelt
er taumelte aus dem Bett, in das Zimmer, gegen die Wand, zum Fenster
der Falter taumelt (= flattert) von Blüte zu Blüte
die Schiffe taumeln über das stürmische Meer
bildlich
Beispiele:
jmd. taumelt in den Abgrund, ins Unglück
er taumelt von Vergnügen zu Vergnügen, von einem Liebesabenteuer zum anderen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taumeln · Taumel · taum(e)lig
taumeln Vb. ‘sich unsicher, schwankend vorwärts oder hin und her bewegen, schwanken, torkeln’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb ahd. tūmilōn ‘dröhnen, tosen’ (8. Jh.), tūmalōn ‘sich im Kreise herumdrehen, rollen’ (Hs. 15. Jh.), mhd. tūmeln ‘sich mit Heftigkeit bewegen, springen, tanzen’, frühnhd. ‘sich (im Schwindel, im Rausch) unsicher bewegen, hin und her wanken’, mnd. mnl. tūmelen, nl. tuimelen ist eine Iterativbildung zu dem untergegangenen Verb ahd. tūmōn ‘kreisen, drehen, (sich) winden’ (10. Jh.), mhd. tūmen. Es gehört als Bildung mit m-Formans zu der unter Duft, Dunst (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf, auch ‘in heftiger, wallender Bewegung sein’; s. auch tummeln. Taumel m. ‘Gefühl des Schwankens, Schwindel(gefühl), rauschhafter Gemütszustand, innere Erregung, Überschwang’ (17. Jh.), Rückbildung von taumeln. taum(e)lig Adj. ‘schwindlig, schwankend, benommen’ (17. Jh.), früher taumelicht.

Thesaurus

Synonymgruppe
schwanken · taumeln · torkeln · trudeln · wanken  ●  wackeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›taumeln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›taumeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›taumeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich erhebt er sich leicht taumelnd und streckt dem Arzt die Hand hin. [Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 281]
Er taumelt und seine Augen verdrehen sich auf eine seltsame Art. [Rilke, Rainer Maria: Der Totengräber. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1903], S. 6082]
Irgendwann taumelte sie nur noch von einem Auftrag in den anderen. [Die Zeit, 04.11.1999, Nr. 45]
Sie taumelt, sie kann nicht mehr richtig wahrnehmen, sie täuscht uns. [Die Zeit, 28.02.2011, Nr. 09]
Zweimal taumelte der "Gentleman", aber am Ende gewann er doch. [Die Zeit, 05.06.1995, Nr. 23]
Zitationshilfe
„taumeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/taumeln>.

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