Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

tendieren

Grammatik Verb · tendiert, tendierte, hat tendiert
Aussprache 
Worttrennung ten-die-ren
Herkunft aus tenderelat ‘spannen, ausdehnen, sich hingezogen fühlen, sich anstrengen’
eWDG

Bedeutung

eine Tendenz haben, in eine bestimmte Richtung streben, zu etw. hinneigen
Beispiele:
er tendiert zu solchen Auffassungen
er tendiert dazu, mit solchen Maßnahmen zu arbeiten
der nach links tendierende Flügel dieser liberalen Partei
dieses Rot tendiert zum Orange
eine Entwicklung tendiert nach oben, unten
In welche Richtung tendiert das berufliche Interesse der Stadt‑ und Landjugend? [ Tageszeitung1964]
Börsenwesen sich im Kurs entwickeln
Beispiele:
Aktien tendieren stetig, uneinheitlich
Die meisten Wertpapierbörsen der Welt tendieren schwächer oder zumindest zurückhaltend [ Tageszeitung1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tendieren · Tendenz · tendenziös
tendieren Vb. ‘zu etw. hinneigen, auf etw. gerichtet sein, in eine bestimmte Richtung streben’ (1. Hälfte 16. Jh., Paracelsus), entlehnt aus lat. tendere ‘spannen, ausdehnen, sich hingezogen fühlen, sich anstrengen’. Unter dem Einfluß des Substantivs Tendenz (s. unten) und unter Einwirkung von gleichbed. engl. to tend, frz. tendre (s. unten) gewinnt das Verb im 19. Jh. erheblich an Verbreitung. – Tendenz f. ‘Entwicklungsrichtung, Neigung, Anliegen, Bestrebung’ (2. Hälfte 18. Jh.), wohl entlehnt und relatinisiert aus gleichbed. frz. tendance, afrz. ‘Neigung, Streben’, einer Ableitung von afrz. frz. tendre ‘(auf)spannen, ausstrecken, darreichen, auf etw. abzielen, nach etw. streben’, aus lat. tendere (s. oben). Einfluß von engl. tendency (aus mlat. tendentia, ebenfalls zu lat. tendere) bzw. engl. (heute selten) tendence (aus afrz. tendance) auf den dt. Ausdruck ist wahrscheinlich. tendenziös, vereinzelt tendentiös Adj. ‘in eine bestimmte Richtung zielend, einer bestimmten Absicht dienend, für einen bestimmten Zweck zurechtgemacht’ (Mitte 19. Jh.), vgl. jüngeres frz. tendancieux, engl. tendentious.

Thesaurus

Synonymgruppe
in eine Richtung deuten · neigen · tendieren
Synonymgruppe
(sich) (durchaus) vorstellen können (zu / dass) · Sympathien zeigen (für) · nicht abgeneigt sein · sich aufgeschlossen zeigen (für)  ●  (dahin) tendieren (zu)  geh. · (für etwas) zu haben sein  ugs. · (sich für etwas) erwärmen können  ugs. · (sich) daran gewöhnen können  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
neigen (zu) · tendieren (zu)  ●  meistens (tun)  ugs. · pflegen (zu)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›tendieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tendieren‹.

Aktienbörse Aktienmarkt Auslandsanleihe Bondmarkt Börse Dm-auslandsanleihe Dm-ausländer Finanzwert Franken-obligation Frankenobligation Notierung Obligationenbörse Obligationenmarkt Rentenmarkt Us-aktienbörse Us-aktienmarkt Us-börse Us-rentenmarkt Wochenausklang behaupten dahin fest fester freundlich schwach schwaecher schwächer seitwärts uneinheitlich verändern

Verwendungsbeispiele für ›tendieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber jemand, der innerlich langweilig ist, tendiert eher dazu, sich auch langweilig anzuziehen. [Die Zeit, 21.11.1997, Nr. 48]
Der Weg, den sie gewählt hätten, tendiere entgegen ihrem guten Willen völlig entgegengesetzt. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]]
Sie tendierten, ohne es zu merken, zu den neuen Formen. [Corbin, Solange u. a.: Frankreich. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 14252]
In der Großen Koalition habe die Union zu sehr nach links tendiert. [Die Zeit, 06.01.2013 (online)]
Aus fünf Millionen ohne Job sind heute weniger als drei Millionen geworden; das Defizit tendiert gen null. [Die Zeit, 12.05.2012, Nr. 20]
Zitationshilfe
„tendieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tendieren>.

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