Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

theatralisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung the-at-ra-lisch · thea-tra-lisch
Wortbildung  mit ›theatralisch‹ als Erstglied: Theatralik · theatralisieren
Herkunft zu theātrālislat ‘zum Theater gehörig’
eWDG

Bedeutungen

1.
das Theater, die Schauspielkunst betreffend
Beispiele:
die theatralische Kunst
als Angehörige des theatralischen Fachs genossen sie das glanzvolle Spiel doppelt
diese Aufführung wurde das theatralische Ereignis der Festwochen
bühnengerecht
Beispiel:
Schon die Erfassung der neuen Stoffgebiete kostet eine neue dramatische und theatralische Form [ BrechtSchriften z. Theater1,242]
2.
in der Gestik, im Gebaren übertrieben, unnatürlich, gespreizt
Beispiele:
theatralische Gesten, Gebärden
eine theatralische Pose, Aufmachung
sein Verhalten wirkte verlogen und theatralisch
In theatralischer Abwehr hob der Chef die Hände [ JohoWendemarke114]
[dieses Urteil] war theatralisch (= wie inszeniert, wie im Theater, auf bestimmte Effekte berechnet) wie Brückenverbrennen und genauso gefährlich [ H. KantAula10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Theater · theatralisch
Theater n. ‘Gesamtheit der darstellenden Künste (Schauspiel, Oper, Operette, Bühnentanz), Gebäude für deren Aufführung, Bühne, Vorstellung, Gesamtheit der dramatischen Werke eines Volkes, einer Zeit, Gesamtheit der Zuschauer’, (seit Anfang des 20. Jhs. auch übertragen) ‘Getue, Aufregung’. Im 16. Jh. wird, zunächst in lat. flektierten Formen, lat. theātrum, aus griech. théātron (θέατρον) ‘Ort zur Aufführung von Schauspielen, Schauplatz, die Zuschauer’, einer Ableitung von griech. theā́sthai (θεᾶσθαι) ‘schauen, zuschauen, betrachten’, ins Dt. übernommen. In der Mitte des 17. Jhs. begegnet erstmals, wohl unter Einfluß von (ebenfalls aus dem Lat. entlehntem) frz. théâtre, die eingedeutschte Form Theater, die sich im 18. Jh. durchsetzt. theatralisch Adj. ‘das Theater, die Schauspielkunst betreffend, bühnenwirksam’, auch ‘übertrieben, überzogen’ sowie ‘pathetisch, schwülstig, gespreizt’ (18. Jh.), lat. theātrālis ‘zum Theater gehörig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
Assoziationen
  • nicht mehr Herr seiner Gefühle (sein) · von Gefühlen übermannt (werden) · von seinen Gefühlen fortgerissen werden  ●  von Gefühlen überwältigt (werden)  Hauptform
Synonymgruppe
mit (großem) Tremolo in der Stimme · mit übertriebenem Pathos · theatralisch · wie auf der Theaterbühne · wie vor (großem) Publikum
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
aufgesetzt · gedrechselt · gekünstelt · geschwollen · gespreizt · gestelzt · gewunden · geziert · künstlich · manieriert · schwülstig · theatralisch · unecht · unnatürlich · verschwurbelt · überkandidelt  ●  verquast  abwertend · (übertrieben) bildungssprachlich  fachspr. · affektiert  geh. · artifiziell  geh. · geschraubt  ugs. · preziös  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›theatralisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›theatralisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›theatralisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aus dem Versenken in die dichterische erwächst ihm die theatralische Vision. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1924]]
Geringer ist die Zahl theatralisch konzipierter Werke größeren Stils geworden. [Redlich, Hans Ferdinand: Strawinsky. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 21170]
Später werden die Bahnen fallen, am Ende wird das Portal theatralisch einstürzen. [Die Zeit, 29.03.1996, Nr. 14]
Seine melodische Linie offenbart allgemein das fortwährende Bemühen um gute theatralische Wirkungen. [Paduano, Luigi: Monti. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1961], S. 41470]
Theatralisch legt er «den ersten Gang» ein und tritt aufs Gas. [Die Zeit, 10.10.2012 (online)]
Zitationshilfe
„theatralisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/theatralisch>.

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