tierisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungtie-risch (computergeneriert)
WortzerlegungTier-isch
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die Tiere betreffend
Beispiele:
tierische Schädlinge, Parasiten
tierische und pflanzliche Organismen
von Tieren herrührend
Beispiele:
tierische Fette, Faserstoffe, Erzeugnisse, Produkte
die Steigerung der tierischen Produktion in der Landwirtschaft
2.
nicht dem Wesen, der Würde des Menschen entsprechend, wie ein Tier
Beispiele:
ein tierischer Hass, Stumpfsinn, ein tierisches Verbrechen, ein tierischer Schrei
jmd. spürt eine tierische Angst
der Angeklagte hat mit tierischer Grausamkeit, Roheit zugeschlagen
jmd. schreit tierisch, brüllt tierisch laut
salopp etw. mit tierischem (= stumpfsinnigem, humorlosem) Ernst betreiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tier · tierisch · Tiergarten · Tierkreis · Untier
Tier n. sich bewegendes und von organischen Stoffen ernährendes Lebewesen, ahd. tior (8. Jh.), mhd. tier, asächs. dior, mnd. dēr, dērt, mnl. nl. dier, aengl. dēor, engl. deer (‘Rotwild’), anord. dȳr, schwed. djur, got. dius, germ. *deuza- vergleicht sich mit lit. dvė̄sti ‘den Geist aushauchen, (von Tieren) verenden’, dvasià ‘Geist, Atem’, lett. dvēsele ‘Atem, Seele, Lebewesen’, dvaša ‘Hauch, Atem, Lebewesen’, aslaw. duša ‘Seele, Geist, Leben’, duchъ ‘Geist, Hauch, Wind, Atem’, duchati ‘hauchen, blasen, wehen, atmen’, russ. dušá (душа) ‘Seele’, duch (дух) ‘Geist, Hauch, Atem’, (landschaftlich) dvóchat’, dvošít’ (двохaть, двошить) ‘keuchen, schwer atmen’. Damit ist Anschluß an ie. *dheus-, *dhū̌s-, *dhu̯ē̌s- ‘stieben, stäuben, wirbeln’, auch ‘blasen, wehen, keuchen, atmen’ möglich (s. ↗dösig, ↗Dusel), eine s-Erweiterung der etwa gleichbed. Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- (s. ↗Daune, ↗Duft, ↗Düne, ↗Dunst). Tier ist daher eigentlich das lebende, atmende Wesen (vgl. lat. animal ‘Geschöpf, Lebewesen, Tier’, zu lat. anima ‘Lufthauch, Atem, Seele, Leben’), bezeichnet dann lange Zeit (in Volkssprache und Mundart noch heute) das sich schreitend (auf vier Beinen) fortbewegende Lebewesen, besonders das wilde (jagdbare, nicht domestizierte) Tier (zum alten Einteilungsschema der Tierwelt s. ↗Wurm). tierisch Adj. ‘Tiere betreffend, ihnen eigen, von ihnen stammend’, auch ‘dumpf, triebhaft, grausam’ (Anfang 16. Jh.); vgl. ahd. tiorlīh (8. Jh.), mhd. tierlich. Tiergarten m. ‘Gehege für wilde Tiere’, ahd. tiorgarto (Hs. 12. Jh.), mhd. tiergarte. Tierkreis m. in der Astronomie Folge der zwölf Sternbilder der Ekliptik, mhd. tierkreiz, tierzirkel, Übersetzung von gleichbed. lat. zōdiacus, griech. zōdiakós (ζῳδιακός), zu griech. zṓdion (ζῴδιον) ‘Gebilde, Ornamente aller Art, Tiere, Pflanzen, Früchte’, spätgriech. ‘Tier- oder Sternbild des Tierkreises’, eigentlich ‘Tierchen’, Deminutivum von griech. zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Geschöpf, Tier’. Untier n. ‘schreckliches, wildes Tier, grauenerregendes Ungeheuer’, übertragen ‘grausamer roher Mensch, Scheusal, Unmensch’, mhd. untier.

Thesaurus

Synonymgruppe
tierisch  ●  ↗bestialisch  negativ, fig. · ↗viehisch  abwertend, fig.
Synonymgruppe
animalisch · tierisch
Synonymgruppe
arg · ausgeprägt · ↗ausnehmend · ↗beträchtlich · ↗deutlich · ein gerüttelt Maß · ↗enorm · ↗erheblich · ↗haushoch · ↗sehr · ↗viel · ↗weit · ↗wesentlich · ↗ziemlich  ●  ↗allerhand  ugs. · eine gehörige Portion  ugs. · ↗immens  geh. · jede Menge  ugs. · ordentlich was  ugs. · tierisch  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • gehörig · ↗gründlich · von vorne bis hinten  ●  nach allen Regeln der Kunst  fig. · (aber) so was von  ugs., salopp, Spruch · ... (und / aber) frag nicht nach Sonnenschein!  ugs., Spruch · ganz schön  ugs. · nach Strich und Faden  ugs. · ↗weidlich  geh., veraltend · wo man dabeisteht  ugs.
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eiweiß Eiweiße Eizelle Elektrizität Ernst Erzeugnis Exkrement Fett Fette Gewebe Hausgenosse Instinkt Insulin Laut Lebensmittel Magnetismus Nahrung Nahrungsmittel Nebenprodukt Organ Organismus Plankton Protein Schädling Ursprung Vergnügen Zelle menschlich mineralisch pflanzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tierisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn zum einen ist jeder Pfad von dort hinaus tierisch steil.
Der Tagesspiegel, 11.01.2004
Ja, aber grundsätzlich spricht nichts dagegen, tierisches Fett zu verfüttern.
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2001
Trainiert wurde ich als Mann, sie nur tierisch zu verstehen.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 32
Mit der Arbeit aber erfolgte die allmähliche Trennung aus dem tierischen Dasein.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 15
Wiederum greift aber auch tierisches Leben allerwärts vermittelnd in pflanzliches Dasein ein.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 11
Zitationshilfe
„tierisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tierisch>, abgerufen am 22.10.2019.

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