tilgen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungtil-gen
Wortbildung mit ›tilgen‹ als Erstglied: ↗tilgbar  ·  mit ›tilgen‹ als Letztglied: ↗austilgen · ↗ungetilgt · ↗wegtilgen
eWDG, 1976

Bedeutung

etw. (spurlos, restlos) beseitigen, auslöschen
Beispiele:
einen Druckfehler, den Schreibfehler tilgen
eine Aktennotiz tilgen
Jura eine Strafe, die Eintragung im Strafregister tilgen (= eine im Strafregister verzeichnete Strafe nach einer bestimmten Zeit entfernen, sodass sich der Verurteilte als unbestraft bezeichnen kann)
Bankwesen, Börsenwesen eine Schuld tilgen (= eine Schuld durch Rückzahlung oder Leistung einlösen)
Bankwesen, Börsenwesen einen Kredit, die Schulden (in Raten, durch Ratenzahlung) tilgen
Planrückstände tilgen (= aufholen)
gehoben etw. von der Erde, vom Erdboden tilgenetw. restlos vernichten, ausrotten, sodass keine Spur von ihm bleibt
Beispiele:
diese verheerenden Seuchen hatten ganze Völkerschaften vom Erdboden getilgt
trotzdem er selber und seine Vorgänger in den vierzehn Jahren seit dem Sturz des Kaisers sich bemüht hatten, alle seine Bauten zu vernichten und seine sichtbaren Spuren zu tilgen [Feuchtw.Söhne497]
übertragen
Beispiele:
eine Erinnerung, ein Bild aus dem Gedächtnis tilgen
jmdn. aus der Erinnerung tilgen
dieses Ereignis hatte den letzten Rest Zuversicht, Hoffnung in ihr getilgt
etw. durch etw. ausgleichen, wettmachen, in Ordnung bringen
Beispiele:
eine Schmach tilgen
eine Schuld (durch Buße) tilgen
ein schwer zu tilgender Makel
daß Eifersucht ... noch selten durch die Würde stiller Beherrschung getilgt worden ist, eher schon durch eigene Untreue [FrischGantenbein218]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tilgen · Tilgung · austilgen · vertilgen · Vertilgung
tilgen Vb. ‘streichen, auslöschen, beseitigen, vernichten’, ahd. tīligōn (um 1000; firtīligōn, 8. Jh.), mhd. tīligen, (mit Kürzung von -i- vor Doppelkonsonant) tilgen, tiljen, tillen ‘auslöschen, vernichten’ ist wie mnd. dē̌lgen, dēligen, dēlegen, delligen, dilligen, mnl. delighen, nl. delgen im Zuge der angelsächsischen Mission aus gleichbed. aengl. ādīlegian, ādīl(i)gian hervorgegangen, das als Wort der Klostersprache vor allem ‘Geschriebenes auswischen, auslöschen’, dann ‘vernichten’ bedeutet. Das aengl. Verb ist eine Entlehnung aus lat. dēlēre ‘zugrunde richten, zerstören, vernichten’, auch ‘Eingegrabenes, Geschriebenes tilgen, auslöschen’, eigentlich ‘abwischen’ (Geschriebenes von Wachstafeln). Daneben steht ahd. tīlōn (9. Jh.), irtīlēn ‘vernichten’ (8. Jh.), das direkt auf lat. dēlēre zurückgeht. Heute vor allem im Sinne von ‘streichen, auslöschen, aufheben’ in Wendungen wie eine Strafe, die Eintragung im Strafregister, eine Schuld, Schulden tilgen, während die Bedeutung ‘vernichten’ meist durch aus- und vertilgen (s. unten) ausgedrückt wird. Tilgung f. ‘Streichung, Beseitigung, Vernichtung, Rückzahlung’ (Ende 17. Jh.); doch vgl. ahd. tīligunga (um 1000) und mnd. dē̌lginge ‘Tilgung, Löschung einer Eintragung’. austilgen Vb. ‘vernichten, ausrotten’ (Ungeziefer), übertragen ‘auslöschen’ (Erinnerung, Andenken), spätmhd. ūʒtīligen, ūʒtilgen. vertilgen Vb. ‘vernichten, ausrotten’ (Ungeziefer, Unkraut), ahd. firtīligōn (8. Jh.), mhd. vertīligen, vertī̌ljen ‘vernichten, zerstören’; vgl. aengl. fordīlegian, fordīl(i)gian. Landschaftlich vertilgen ‘(große Mengen) verzehren, aufessen, austrinken’ (19. Jh.). Vertilgung f. ‘Vernichtung, Ausrottung’, ahd. firtīligunga (Hs. 12. Jh.), spätmhd. vertilgunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
abbedingen · ↗abbestellen · ↗abkündigen · ↗abschaffen · ↗annullieren · ↗aufheben · ↗aufkündigen · ↗auflösen · ↗ausgleichen · außer Kraft setzen · für aufgehoben erklären · für nichtig erklären · für null und nichtig erklären · für ungültig erklären · ↗kippen (journal.) · ↗kündigen · ↗stornieren · ↗terminieren · tilgen · ↗zurückziehen
Synonymgruppe
ausmerzen · ↗ausrotten · ↗austilgen · ↗beseitigen · ↗exterminieren · tilgen · ↗vernichten  ●  (etwas) den Garaus machen  ugs. · ↗(etwas) plattmachen  ugs. · ↗plätten  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
  • auslöschen · ↗eliminieren · ↗löschen · tilgen  ●  ↗annihilieren  geh.
Synonymgruppe
abzahlen · tilgen  ●  ↗abstottern  ugs.
Synonymgruppe
auslöschen · ↗eliminieren · ↗löschen · tilgen  ●  ↗annihilieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
annullieren · ↗durchixen · ↗löschen · ↗stornieren · tilgen · ungültig machen · x-förmig durchstreichen  ●  ↗canceln  engl.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altlast Altschuld Auslandsschuld Bankschuld Darlehen Erdboden Erlös Fleck Flecken Gedächtnis Hypothek Jahresrate Kredit Landkarte Makel Rate Restschuld Schmach Schuld Schulden Spur Staatsschuld Stadtbild Steuerschuld Verbindlichkeit Verkaufserlös Verlustvortrag austilgen verzinsen vorzeitig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tilgen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie habe rund 64000 Mark der gemeinsamen Schulden tilgen müssen.
Der Tagesspiegel, 10.10.2001
Dadurch hat die Fähigkeit der Unternehmen Schulden zu tilgen entsprechend abgenommen.
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2000
Also muß er ihn binnen einer angemessenen Zeit, man könnte sagen nach seiner Ernte, tilgen können.
Rieger, Wilhelm: Einführung in die Privatwirtschaftslehre, Erlangen: Palm & Enke 1964 [1928], S. 86
Vor allem mußten sich die Grundherren darein tilgen, daß das gesamte Land vermessen wurde.
Altheim, Franz: Das alte Iran. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 24435
Man darf nur dann etwas auf Borg entnehmen, wenn man nicht nur die Absicht, sondern auch die Gewißheit besitzt, seine Schuld tilgen zu können.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 17858
Zitationshilfe
„tilgen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tilgen>, abgerufen am 16.10.2019.

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