toll
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›toll‹ als Erstglied: Tollhaus · Tollkirsche · Tollkopf · Tollwut · tolldreist · tollkühn
 ·  mit ›toll‹ als Letztglied: liebestoll · mannstoll · modetoll · weibertoll
 ·  Ableitung von ›toll‹: Tollheit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
verrückt, rasend, nicht bei Sinnen
Beispiele:
dabei, bei diesem Krach kann man ja toll werden
er war toll vor Wut, Schmerz, Verzweiflung
du bist wohl toll, dir so etwas vorzunehmen?
dieses Gerede macht mich noch toll umgangssprachlich
er gebärdete, benahm sich wie toll
wie toll schrien sie durcheinander
unsinnig
Beispiele:
das ist ja ein tolles Verlangen, eine tolle Zumutung
tolles Zeug (daher)reden umgangssprachlich
toll Zicken machen (= töricht handeln) salopp
veraltet wahnsinnig, geistesgestört
Beispiel:
er war toll geworden und musste in eine Anstalt gebracht werden
2.
veraltend tollwütig
Beispiele:
ein toller Fuchs
von einem tollen Hund gebissen werden
3.
ausgelassen, wild, übermütig
Beispiele:
ein toller Streich, ein tolles Treiben
in toller Stimmung, Laune sein
sie war toll vor Freude, als sie davon erfuhr
bei der Party ging es toll zu
ein toller Bursche, Kerl umgangssprachlich
ein tolles Huhn (= Mensch) salopp
ein toller Hecht (= Draufgänger) salopp
waghalsig
Beispiele:
ein toller Ritt
in toller Fahrt ging es bergab
sie hatten den tollen Plan, die schwierige Gebirgswanderung an einem Tage durchzuführen
4.
umgangssprachlich erstaunlich, außergewöhnlich, unglaublich
Beispiele:
ein tolles Erlebnis, Abenteuer, ein toller Zufall
eine tolle Geschichte
er hat ein tolles Buch geschrieben, eine tolle Erfindung gemacht
ein toller Film
da hat er aber tolles Glück, einen tollen Dusel gehabt
das ist ja toll, (einfach) toll! (= Ausruf des Staunens)
das Tolle, Tollste an der Sache ist, dass ...
salopp großartig, vorzüglich, prachtvoll
Beispiele:
ein toller Gedanke, Einfall
er hat sich ein tolles Wochenendhaus gebaut
dass ihr auch dabei sein könnt, ist eine tolle Sache, ist einfach toll
toll, wie er das macht, kann
er ist ein toller (= tüchtiger) Bursche, Kerl
sie ist eine tolle Frau
gestern abend trug sie wieder ein tolles (= sehr schickes) Kleid, sah sie wieder toll aus
im Urlaub hatten wir tolles (= sehr schönes) Wetter
5.
salopp schlimm
Beispiele:
ein toller Lärm, Krach
das Haus befand sich damals in einem tollen Zustand
das ist ja eine tolle Wirtschaft
er treibt es (wirklich, denn doch) zu toll
er hat ja heute wieder eine tolle (= sehr schlechte) Laune
(ein) tolles Wetter
6.
salopp sehr groß, stark
Beispiele:
ein tolles Verlangen nach etw. haben
tollen Hunger, Durst, tolle Angst haben
einen tollen Respekt vor jmdm., etw. haben
am Nachmittag war im Kaufhaus ein toller Betrieb, auf der Straße ein toller Verkehr
im tollsten Regen fuhr er mit dem Fahrrad nach Hause
überraschend groß
Beispiel:
das Instrument führt die Messungen mit toller Genauigkeit aus
adverbiell
sehr
Beispiele:
er ist toll in sie verliebt
über seinen Besuch hat sie sich toll gefreut
er war toll betrunken
es hat toll geschneit, gehagelt, gegossen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

toll · tollen · Tollheit · Tollhaus · Tollkirsche · tollkühn · Tollwut
toll Adj. ‘verrückt, nicht bei Sinnen, ausgelassen, wild, großartig, unglaublich, schlimm’, steigernd ‘sehr groß, stark’, älter auch ‘geistesgestört, tollwütig’, ahd. tol (9. Jh.), mhd. tol, dol ‘töricht, unsinnig’, asächs. aengl. nl. dol, mnd. dul, mnl. dol, dul, engl. dull ‘dumm, schwerfällig, stumpf(sinnig)’ führen auf germ. *dwula- ‘getrübt, umnebelt, verwirrt’. Verwandt sind anord. dul ‘das Verbergen, Torheit, Hochmut’, isl. dulinn ‘eingebildet’, (hochstufig) mnd. dwal, dwel ‘irre’, got. dwals ‘töricht’ und die Verben ahd. twelan ‘säumig sein, einschlafen’ (8. Jh.), irtwelan ‘betäubt, kraftlos sein, verwelken’ (9. Jh.), mhd. -tweln, asächs. fardwelan ‘versäumen’, mnd. dwēlen ‘irren’, aengl. gedwolen (Part. Prät.) ‘verirrt, beirrt’, schwach flektierend ahd. twellen ‘zurückhalten, verweilen, säumen’ (9. Jh.), mhd. twellen ‘verzögern, (sich) aufhalten, weilen’, asächs. dwellian ‘aufhalten, hindern’, anord. dvelja ‘verzögern, sich aufhalten’, ferner ahd. twāla ‘Verzug, Verzögerung, Überdruß’ (9. Jh.). Außergerm. vergleichen sich griech. tholós (θολός, aus *θϜολός) ‘Schlamm, Schmutz, der dunkle Saft des Tintenfisches’, tholerós (θολερός) ‘schlammig, trübe, verwirrt’, air. kymr. korn. bret. dall ‘blind’, so daß ie. *dh(e)u̯el- ‘aufwirbeln, trüben, trübe, dunkel, geistig schwach’ angesetzt werden kann, eine l-Erweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln, wehen, blasen’ (s. ↗Dunst). tollen Vb. ‘ausgelassen, fröhlich, lärmend spielen, umherlaufen, -springen’ (Anfang 16. Jh.), mhd. in ertoln ‘toll, vermessen werden’; vgl. aostnfrk. gidolōn ‘sich überheben’ (9. Jh.), mnd. dullen ‘toll, närrisch sein, werden, rasen, unsinnig machen’. Tollheit f. ‘das Tollsein, Verrücktheit, verrückte, närrische Tat, Handlung’, ahd. tolaheit ‘Torheit’ (9. Jh.), mhd. tol(e)heit ‘törichtes Wesen’. Tollhaus n. früher für ‘Irrenhaus’ (17. Jh.), daher die Wendung es geht zu wie in einem Tollhaus. Tollkirsche f. Nachtschattengewächs mit braunen Blüten und kirschenähnlichen, schwarzen, giftigen, Alkaloide enthaltenden Beeren, die nach Genuß Erregungs- und Verwirrtheitszustände bewirken (1600). tollkühn Adj. ‘sehr kühn, verwegen’ (17. Jh.), mnd. dulkȫne ‘unüberlegt, unbesonnen’ (15. Jh.); vgl. frühnhd. ein toller küner man (16. Jh.). Tollwut f. bei warmblütigen Tieren vorkommende gefährliche, einen Zustand von Übererregtheit hervorrufende Viruskrankheit, die durch den Speichel kranker Tiere auch auf den Menschen übertragen werden kann (Ende 18. Jh.), älter tolle Wut (1. Hälfte 18. Jh.).
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
1A  ugs. · allererste Sahne  ugs. · astrein  ugs. · bombastisch  ugs. · bombig  ugs. · cool  ugs. · der Hit  ugs. · doll  ugs. · dufte  ugs. · erste Sahne  ugs. · fantastisch · geil  ugs. · genial  ugs. · großartig · hasenrein  ugs. · klasse  ugs. · knorke  ugs. · leinwand  ugs. · leiwand  ugs. · nicht schlecht  ugs. · phantastisch · phatt  ugs. · prima  ugs. · Sahne  ugs. · sauber  ugs. · spitze  ugs. · stark  ugs. · super  ugs. · tipptopp  ugs. · tofte  ugs. · töfte  ugs. · zum Reinlegen  ugs.
Unterbegriffe
  • fantastic  fachspr. · fantastisch  fachspr. · pontastisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(aller)erste Sahne  ugs. · (das) fetzt  ugs. · (das) rockt  ugs. · (ein) Traum · (eine) Offenbarung  geh. · absolut irre  ugs. · absolut super  ugs. · absoluter Wahnsinn  ugs. · affengeil  ugs. · atemberaubend · atemraubend · ausgezeichnet · begnadet  geh. · beispiellos · berückend  geh. · brillant · du kriegst die Motten! (Ausruf)  ugs. · einzigartig · erstklassig · exzellent · fabelhaft · fantastisch · fulminant · ganz große Klasse · ganz großes Kino  ugs. · geil (jugendsprachlich)  ugs. · genial · glänzend · grandios · großartig · Hammer! (Jugendsprache)  ugs. · hammergeil (Jugendsprache)  ugs. · herausragend · hervorragend · himmelsgleich  geh. · himmlisch · hinreißend · klasse  ugs. · magnifik  geh. · megacool  ugs. · nicht zu fassen  ugs. · nicht zu toppen  ugs. · ohne Beispiel · phänomenal · phantastisch · sagenhaft · saugeil (jugendsprachlich)  ugs. · Spitze  ugs. · super  ugs. · superb  geh. · süperb  geh. · top  ugs. · traumhaft · überragend  geh. · überwältigend · umwerfend · unglaublich · unübertrefflich · unübertroffen · unvergleichlich · urst (ostdeutsch-jugendsprachlich)  ugs. · vom Feinsten  ugs. · von außerordentlicher Qualität · von höchster ... (Intensität o.ä.) · Wahnsinn  ugs. · wumbaba (neol., ironisch)  ugs. · wunderbar · wundervoll · zum Niederknien  geh. · zum Sterben schön  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was war an den fünfziger Jahren eigentlich so toll, dass sie nun wieder überall gefeiert werden?
Die Zeit, 16.08.2010, Nr. 33
Wie toll der sei und was der alles schon erreicht hat.
Bach, Tamara: Marsmädchen, Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger 2003, S. 138
Bestimmt geht es nicht so toll zu, wie bei uns.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 29.11.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wenn alles so vor sich gegangen ist, wie ich mir das ausgedacht hatte, dann war es eine Überraschung, wirklich eine tolle Überraschung für Dich.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 12.11.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Die Erde dreht sich unter uns im tollen Wirbel, aber sonst ist es merkwürdig ruhig.
Töpfer, Carl: Der neue Franz. In: Flieger am Feind, Gütersloh: Bertelsmann 1934 [1934], S. 173
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Aufholjagd Comeback Einfall Einstand Erlebnis Fans Gefühl Geschenk Hecht Idee Job Kerl Kulisse Leistung Moral Paraden Party Preise Reflex Sache Show Solo Stadion Stimmung Tricks Typ fand finde Überraschung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›toll‹.

Worthäufigkeit

selten häufig

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