topisch

GrammatikAdjektiv · Komparativ: topischer · Superlativ: am topischsten, Komparativ ungebräuchlich, Superlativ ungebräuchlich
Worttrennungto-pisch
HerkunftGriechisch, Latein
WortzerlegungTopos-isch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Medizin von der Wirkung und Anwendung bestimmter Medikamente   örtlich, äußerlich
Beispiele:
Leichte Formen der Psoriasis (= Schuppenflechte) sind in der Regel mit topischen Therapien – wie örtlich aufgetragenen Salben oder Cremes – gut behandelbar. [Der Standard, 13.04.2011]
Die Behandlung der Akne ist durch die Retinoide revolutioniert worden. Retinoide sind Abkömmlinge des Vitamin A. Sie helfen bei der Auflösung der Mitesser, drängen die Verhornungsstörung zurück und mildern die Entzündung. Die Substanzen werden entweder auf die Haut aufgetragen – man spricht dann von einer topischen Anwendung – oder geschluckt, was als systemische Therapie bezeichnet wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2005]
Durch die topische (Salbe, Creme) Anwendung der Substanz [Cortison] werden die bei der Atopischen Dermatitis gestörten immunologischen Vorgänge in der Haut wieder normalisiert und die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren und Cytokinen gehemmt. [Der Standard, 05.11.2001]
Für eine leichte oder mittelschwere Akne reicht eine äussere, lokale Therapie in der Regel aus. Mittels desinfizierender Lösungen wie Benzoylperoxid, topischer Retinoiden (= dem Vitamin A verwandte Substanzen) oder auch Antibiotika lässt sich die gestörte Verhornung und die mikrobielle Besiedlung wieder normalisieren. [Neue Zürcher Zeitung, 07.02.1996]
Die Pharma-Industrie kennt drei Grundtypen [von Menschen, die an Schnupfen leiden]: Die Verwender topischer Mittel, die das Schnüffeln und Schniefen lieber lokal bekämpfen; die Verwender systematischer Mittel, also die Tablettenschlucker; die Nicht-Verwender solcher Mittel. [Die Zeit, 04.12.1987, Nr. 50]
allgemeiner auf einen bestimmten Ort, Raum bezogenQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
Wird zum Gast nicht allein der, den man weder ein- noch ausschließt? Solche Fragen brachten [den Philosphen Hans-Dieter] Bahr darauf, die traditionell immer dem Subjekt zugeordnete Freiheit topisch, raumbezogen zu denken. Der Gast, das ist demnach der Mensch im offenen Raum; der, dem die Möglichkeiten mehrerer Richtungen zu Gebote stehen und der auch des Ausweichens fähig ist. [Süddeutsche Zeitung, 12.08.1994]
Wenn Seele und Geist, statt atopisch oder utopisch, nur noch topisch im Körper wohnen, und nur dort, und wenn sie mit jeder Regung dort anschaulich werden, muß der Dichter nur noch hinschauen und beschreiben können. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2000]
Er [der Geburtsort] steht für die Erstlokalisation unseres Lebens und gehört zusammen mit dem amtlichen Wohnsitz zu den Identitätsmerkmalen, die wir im Personalausweis mit uns herumtragen. Das ortsräumliche, das topische oder lokale Hingehörigkeitsbewußtsein ist Menschen wesentlich, bildet einen integralen Bestandteil ihrer Humanität. [Süddeutsche Zeitung, 29.08.1992]
2.
bildungssprachlich einen Topos behandelnd, ausdrückend, Topoi beinhaltend
Beispiele:
Auf jeden Fall zieht sich die [vermeintlich] anstehende Vernichtung der Erde als topisches Element menschlichen Denkens von den alten Griechen herauf über das Alte Testament und die Prophezeiungen einer Apokalypse im Buch Daniel oder in der Offenbarung des Johannes des Neuen Testaments relativ beständig durch die Geschichte. [Der Standard, 09.12.2011]
Darüber [über den Dopingsumpf im Sport] hinaus ist es freilich auch aufschlussreich, nach der topischen Bedeutung des Sumpfs in der abendländischen Kultur zu fragen, und der Versuch einer Antwort auf diese Frage führt einen auch wieder sehr direkt zum Teufel, denn der Sumpf gehörte seit je zu den höllischen Landschaften in der europäischen Vorstellungswelt: Im Sumpf der Hölle leiden bei Dante die Jähzornigen und bei Vergil die Selbstmörder. [Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2000]
Ende des 13. Jahrhunderts prägte Marco Polo das Bild Asiens als Wunderland. In der mittelalterlichen Tradition standen den Topoi von Gold und Reichtum die »gleichfalls topischen Greuel und Monster« gegenüber. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2000]
Man leitet Bücher zur Sprachphilosophie mit der topischen Bemerkung ein, daß in unserem Jahrhundert die Sprache ein zentrales Thema der Philosophie geworden sei[…]. Dieser Topos ist natürlich nicht falsch, und auch dieses Buch soll mit ihm beginnen. [Trabant, Jürgen: Einleitung. In: ders., Sprache denken, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1995, S. 9]
Nur innerhalb der Gruppe, der die Individuen zugehörten, konnte Individualität im Mittelalter sich ausprägen, und sogar die selbstbewußteste Persönlichkeit vermochte über sich kaum zu sprechen ohne das Vorbild topischer Muster, ohne die Einpassung in tradierte Formen […]. [Die Zeit, 02.12.1994, Nr. 49]

Thesaurus

Synonymgruppe
an manchen Orten · an manchen Stellen · ↗lokal · ↗stellenweise · ↗vereinzelt · ↗örtlich  ●  topisch  fachspr., griechisch
Assoziationen
Zitationshilfe
„topisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/topisch>, abgerufen am 19.03.2019.

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