Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

tränenblind

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Worttrennung trä-nen-blind
Wortzerlegung Träne blind
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

gehoben durch die Tränen in den Augen kaum etwas sehen könnend
Beispiele:
Mit 70 Kilometern pro Stunde rast [der Schlittschuhläufer] […] übers Eis. […] Der Fahrtwind frisst sich sofort durch die Handschuhe. Ohne Brille wäre man tränenblind. [Süddeutsche Zeitung, 23.02.2012]
Man verstand […] [bei den deutsch gesungenen Opern der Nachkriegsjahre] den Text der meist tragischen Zusammenhänge sehr genau und nahm nach Ende der Vorstellung die Garderobe noch tränenblind entgegen. [Der Tagesspiegel, 07.02.2004]
»Weinst du, Papa?« hatte er [der Sohn] einmal gefragt, als er nicht mehr wußte, was er machen sollte mit diesem tränenblind vor sich hin stapfenden Mann, der niemanden grüßte, keinen Menschen mehr sah und entgegenkommende Spaziergänger zum Ausweichen zwang. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 200]
Hat jemand auf dem Ohlsdorfer Friedhof ein Zigaretten‑Etui mit einem Führerschein gefunden? Eine Busfahrerin ließ es – noch tränenblind – nach einer Beerdigung auf ihrem Autodach liegen und fuhr los. [Bild, 18.09.2002]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(heftig) weinend · in Tränen aufgelöst · tränenreich · unter Tränen  ●  tränenblind  geh.
Assoziationen
  • mit tränenerstickter Stimme
  • (es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
  • selbstmitleidig · tränenvoll · voller Selbstmitleid · weinerlich · überempfindlich · übersensibel  ●  wehleidig  abwertend · larmoyant  geh. · nah am Wasser gebaut (haben)  ugs., fig. · tränenselig  geh.
  • gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • (vom Weinen) ein verquollenes Gesicht haben · verweint (aussehen)  ●  verheult (aussehen)  Hauptform · (vom vielen Weinen) rote Augen haben  ugs.
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
Zitationshilfe
„tränenblind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tr%C3%A4nenblind>.

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