trödeln

GrammatikVerb · trödelte, hat/ist getrödelt
Aussprache
Worttrennungtrö-deln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›trödeln‹ als Erstglied: ↗Trödelfritze · ↗Trödelliese  ·  mit ›trödeln‹ als Letztglied: ↗herumtrödeln · ↗rumtrödeln · ↗weitertrödeln
 ·  mit ›trödeln‹ als Grundform: ↗Trödelei · ↗vertrödeln
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend
1.
mit Hilfsverb ›hat‹
eine Tätigkeit in langsamem Tempo, nicht konzentriert ausführen, bummeln
Beispiele:
bei der Arbeit, beim Ankleiden trödeln
er hat schon als Kind immer getrödelt
2.
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
langsam gehen
Beispiele:
nach ein paar Schritten fing er schon wieder zu trödeln an
wir sind durch die Stadt getrödelt
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
mit altem Kram handeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trödel · Trödelmarkt · trödeln1 · Trödler
Trödel m. ‘wertloser, alter Kram, Kleinhandel (mit gebrauchten Sachen), Markt, wo mit Trödel gehandelt wird’ (16. Jh.); vgl. Trödelmarkt m. frühnhd. (omd.) dredelmarckt (15. Jh.). Etymologie unbekannt. trödeln1 Vb. ‘mit Kleinkram handeln, auf dem Trödelmarkt einkaufen’ (17. Jh.), auch übertragen (16. Jh.). Trödler m. ‘Händler mit Kleinkram, mit alten Sachen’ (Ende 15. Jh.).

trödeln2 Vb. ‘langsam, unentschlossen sein, nicht vorankommen, die Zeit verschwenden’ (1. Hälfte 18. Jh.), eigentlich wohl ‘(langsam) hin und her drehen’, vgl. obd. trödeln ‘drehen’, nd. tröddeln ‘rollen’, Nebenform zu ↗trudeln ‘sich drehend bewegen’ (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Zeit) vertrödeln · (es) langsam angehen lassen · (sich) Zeit lassen · ↗bummeln · die Mühlen der (Justiz/Bürokratie/...) mahlen langsam · langsam sein · trödeln · ↗vertändeln · ↗zögern  ●  vor sich hin trödeln  variabel · ↗(he)rumtrödeln  ugs. · (sich) lange aufhalten mit  ugs. · ↗klüngeln  ugs., veraltend, rheinisch
Assoziationen
  • halbherzig · ↗unentschlossen · ↗unsicher · ↗verhalten · zaudernd · ↗zögerlich · zögernd  ●  ↗zaghaft  Hauptform · ↗schüchtern  geh., fig.
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (ganz) gelassen · ↗(ganz) gemütlich · im Schlendergang · in gemütlichem Tempo · in langsamem Tempo · in lässiger Gangart · ↗langsam · ohne (jede) Hektik · ohne die geringste Spur von Eile · ohne die mindeste Eile  ●  ganz entspannt  ugs. · gemessenen Schrittes  geh. · in chilligem Tempo  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) nicht aus der Ruhe bringen lassen · Ruhe bewahren · die Ruhe selbst (sein) · nicht die Nerven verlieren · ruhig bleiben · ↗tiefenentspannt (sein)  ●  cool bleiben  ugs. · die Contenance wahren  geh. · die Ruhe weghaben  ugs., regional · ein starkes Nervenkostüm haben  ugs. · einen kühlen Kopf behalten  ugs. · ruhig Blut bewahren  ugs.
  • bummelig · herumtrödelnd · ohne Eile · ↗saumselig
  • Nachzügler  ●  ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · Zu-spät-Kommer  ugs.
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
Synonymgruppe
(sich) dahinschleppen · (sich) mit schleppendem Gang fortbewegen · ↗(sich) schleppen · schleppend gehen · ↗schlurfen · schlurfend gehen · ↗trotten  ●  ↗kriechen  fig. · ↗latschen  ugs. · ↗schlappen  ugs. · trödeln  ugs. · ↗zockeln  ugs. · ↗zuckeln  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) zieren · ↗innehalten · ↗pausieren · trödeln · ↗verweilen · ↗zaudern · ↗zögern
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

her herumtrödeln hin hinterher lange

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trödeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch ich darf nicht trödeln, sonst wird mir Mister Karl auf die Sprünge helfen.
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2003
Warum in aller Welt trödeln Sie eigentlich gerade da, wo Ihnen von Amts wegen freie Bahn gewährt wird?
Die Zeit, 27.12.1956, Nr. 52
Ich zog mich an, trödelte und hoffte, sie würde etwas sagen.
Schlink, Bernhard: Der Vorleser, Zürich: Diogenes 1995, S. 30
Was er nach Ihrer Meinung trödelt, sparen Sie später dreifach in der Lackierwerkstatt.
Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 116
Ringe, die du getrödelt, nach kurzem Handel gekauft, allzeit freigiebig verschenkt hast, tragen nun die männlichen Nippels, am Daumen komischerweise.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 421
Zitationshilfe
„trödeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/trödeln>, abgerufen am 21.11.2018.

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