Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

trüb

Grammatik Adjektiv
Nebenform trübe
Worttrennung trüb ● trü-be
Wortbildung  mit ›trüb‹ als Erstglied: Trübglas · Trübnis · Trübsinn · Trübstoff · trübgelb · trübrot · trübselig
 ·  mit ›trüb‹ als Letztglied: naturtrüb  ·  mit ›trüb‹ als Grundform: Trübe · Trübheit  ·  formal verwandt mit: Trub
Mehrwortausdrücke  trübe Tasse
eWDG

Bedeutungen

1.
ohne Leuchtkraft, ziemlich dunkel
in gegensätzlicher Bedeutung zu klar
a)
matt
Beispiele:
der trübe Schein der Petroleumlampe
Von der Decke stank ein trübes Lämpchen inmitten der verbrauchten Luft [ KolbSchaukel87]
b)
nicht hell und klar, sonnenlos, unfreundlich, düster
Beispiele:
ein trüber Novembertag, Morgen, Himmel
auch in der trüben Jahreszeit sollte man spazierengehen
heute ist trübes Wetter
bildlich
Beispiel:
Trübe Schatten haben sich auf den anbrechenden Herbst seines Lebens herabgesenkt [ WildenhainSchauspieler90]
c)
trübe Farben (= Farben, die wegen ihrer Zusammensetzung oder Verschmutzung nicht leuchtend und klar sind)
Beispiel:
ein trübes Rot, Gelb
2.
nicht durchsichtig
in gegensätzlicher Bedeutung zu klar
Beispiele:
das trübe Wasser des Kanals
ein trüber Strom schmutzigen Wassers
ein trüber Saft, Wein
nicht spiegelnd, stumpf
Beispiele:
er hat trübe Augen
der Spiegel, das Glas ist trüb (= beschlagen)
bildlichjmd. hat einen trüben Blick
abwertend, übertragen
Beispiele:
ein trübes (= unsauberes) Gewerbe
im Trüben fischen (= aus einer unklaren Lage Vorteile ziehen)
3.
traurig
a)
bekümmert, bedrückt
Beispiele:
eine trübe Stimmung, Laune haben
manchmal macht mich das ganz trübe
jmd. schaut trübe (= düster) drein, lächelt trübe vor sich hin
trübe saß er in einer Ecke des Zimmers
umgangssprachlicher ist eine trübe Tasse (= mit ihm ist nichts anzufangen)
b)
betrübend, bedrückend
Beispiele:
trübe Ahnungen, Aussichten, Erfahrungen, Zweifel
keine trüben Gedanken aufkommen lassen
damals waren es trübe Zeiten, Verhältnisse
das wird dir über trübe Stunden hinweghelfen
diese Epoche war ein trübes Kapitel in der Geschichte
Überraschend zwängte sich eine Erinnerung in seine trüben Betrachtungen [ O. M. GrafBolwieser16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trübe · trüben · Trübsinn · trübsinnig · Trübsal · trübselig · betrüben · betrüblich
trübe Adj. ‘undurchsichtig, nicht klar, nicht hell, freudlos’. Das westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. truobi ‘dunkel, undurchsichtig, getrübt, betrübt, verwirrt’ (8. Jh.), mhd. trüebe ‘lichtlos, glanzlos, düster, finster, traurig, bekümmert’, asächs. drōƀi ‘trübe, betrübt’, mnd. drȫve ‘betrübt, traurig’, mnl. droeve, nl. droef ‘betrübt, düster, dunkel, unklar, unverständlich’, aengl. drōf ‘unruhig, in Verwirrung, schmutzig, schlammig’ (germ. *drōbi-) ist verwandt mit den unter Treber angeführten germ. und außergerm. Formen und stellt sich mit diesen zu ie. *dherəbh-, *dhrāb-, *dhrəbh-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch von trüben Farbtönen. Ausgehend von ‘aufgewühlt’ (von Gewässern), ‘unklar, schlammig’, entwickeln sich bereits im Ahd. die übertragenen Bedeutungen ‘unklar, nicht oder kaum durchsichtig’ und (seelisch, geistig) ‘verwirrt, unruhig, verstört’. trüben Vb. ‘trübe, dunkler machen, beeinträchtigen, stören’, ahd. truoben ‘Bodensatz aufwühlen, Wasser verunreinigen, verwirren, beunruhigen, erschüttern’ (8. Jh.), mhd. trüeben, truoben ‘trübe machen, beunruhigen, verwirren’, reflexiv ‘sich betrüben’, aengl. drēfan ‘betrüben, erregen, beunruhigen’, got. drōbjan ‘trüben, irre machen’. Daneben steht intransitives ahd. truobēn ‘betrübt, dunkel werden’ (9. Jh.), mhd. truoben ‘trübe sein oder werden, traurig werden’, asächs. drōƀian ‘betrübt werden, zurückschrecken’, got. drōbnan ‘unruhig werden’. Im Nhd. wird das intransitive Verb aufgegeben und durch reflexives sich trüben ersetzt. Übertragener Gebrauch ist in den frühesten Zeugnissen bereits voll ausgebildet. Trübsinn m. ‘schwermütige, melancholische Gemütsverfassung’ und trübsinnig Adj. ‘schwermütig, hoffnungs- und mutlos, pessimistisch’ (beide Mitte 18. Jh.). Trübsal f. ‘Traurigkeit, Melancholie, Hoffnungslosigkeit’, ahd. truobisal n. m. (11. Jh.), mhd. trüebesal n. m. f. ‘Undurchsichtigkeit, Finsternis, Drangsal, Plage, Traurigkeit, Betrübnis’, bis ins 19. Jh. mit schwankendem Genus; zum Ableitungssuffix s. -sal, -sel. trübselig Adj. ‘mit Ungemach, Bedrängnis behaftet, traurig, mutlos’ (16. Jh.), besonders in neuerer Sprache ‘armselig, kümmerlich’; voraus geht Trübseligkeit f. (15. Jh.). betrüben Vb. ‘traurig machen’, ahd. bitruoben ‘verderben’ (Hs. 13. Jh.), mhd. betrüeben ‘trübe machen, verdunkeln, betrüben, heimsuchen’. betrüblich Adj. ‘traurig machend, Bedauern hervorrufend’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bedeckt · bewölkt · bezogen · trüb · trübe · wolkig
Synonymgruppe
trüb · trübe · unklar
Synonymgruppe
milchig · opak · opaque · transluzent · transluzid · trüb · trübe · undurchsichtig

Typische Verbindungen zu ›trüb‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›trüb‹ und ›trübe‹.

Verwendungsbeispiele für ›trüb‹, ›trübe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den Wein über dem Trub läßt man nun in ein anderes Faß laufen. [o. A. [thi.]: Federweißer. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1982]]
Johner hingegen geht schonender mit dem Most um und wartet, bis sich der Trub abgesetzt hat, dann zieht er den klaren Saft ab. [Die Zeit, 20.10.1999, Nr. 42]
Als er die Änderungen gelesen hatte, begann in seinen trüben Augen die Wut zu flackern. [Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 170]
Das war kein trüber Tag mehr, das war schon tiefe Nacht. [Kafka, Franz: Der Proceß, Frankfurt a. M.: Fischer 1993 [1925], S. 219]
Doch während sie beruflich aufsteigt, erlebt sie persönlich eher trübe Tage. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Zitationshilfe
„trüb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tr%C3%BCb>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
tröten
tröstlich
trösten
tröpfeln
tröpfchenweise
trübe
trübe Tasse
trüben
trübetümpelig
trübetümplig