Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

trügerisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung trü-ge-risch
eWDG

Bedeutungen

1.
betrügerisch, heuchlerisch
Beispiele:
trügerische Worte
trügerische Beredsamkeit
ein trügerisches Spiel treiben
sein Versprechen hat sich als trügerisch erwiesen
O wie so trügerisch sind Weiberherzen [ VerdiRigolettoIV 2]
2.
einen falschen Eindruck oder eine falsche Hoffnung bei jmdm. erweckend, die Sinne täuschend
Beispiele:
ein trügerisches Merkmal, Zeichen, ein trügerischer Schein
eine trügerische Ähnlichkeit, Stille
ein trügerischer Schluss (= Trugschluss), Wohlstand
der äußere Prunk der Feste war trügerisch
eine trügerische Eisdecke, Luftspiegelung
Die Ruhe nach der Verhaftung war trügerisch [ ApitzNackt250]
illusorisch
Beispiele:
sich keinen trügerischen Hoffnungen hingeben
Als es tagte, wollte sich wiederum ein trügerischer Hoffnungsschimmer in ihr Herz einschleichen [ Kellerm.Totentanz386]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Synonymgruppe
trügerisch · täuschend  ●  trügend  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
schimärisch · trügerisch
Synonymgruppe
kein echter (keine echte, kein echtes) · kein richtiger (keine richtige, kein richtiges) · nicht echt · nicht wirklich · sieht nur so aus · trügerisch  ●  (nur) angetäuscht  ugs., fig.
Assoziationen
  • gefühlt · nicht real · scheinbar · virtuell
  • (nur) auf den ersten Blick (... scheinend) · (nur) zum Schein · Schein... · in Wirklichkeit nicht · vermeintlich  ●  scheinbar  ugs.
Synonymgruppe
falsch · hintergehend · in Täuschungsabsicht · irreführend · missverständlich · trügerisch  ●  delusorisch  geh., veraltend, lat.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›trügerisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trügerisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›trügerisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An diesem Abend ging man zusammen spazieren, doch dann riß der trügerische Frieden. [Der Spiegel, 13.04.1981]
Das starke Wachstum der damaligen Zeit, das wissen wir heute, war trügerisch. [Die Zeit, 02.12.2013, Nr. 49]
Doch für die trügerische Sicherheit zahlen Investoren einen hohen Preis. [Die Zeit, 06.06.2011, Nr. 23]
Die Erwartung, mit dem Auto schneller zu sein, erwies sich ebenfalls als trügerisch. [Die Zeit, 21.02.2011, Nr. 08]
Er hatte für den Fonds einen Namen bereit, noch von den armen, trügerischen Zeiten seines Vaters her. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 362]
Zitationshilfe
„trügerisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tr%C3%BCgerisch>.

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