Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

traditionell

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung tra-di-ti-onell · tra-di-tio-nell
Wortzerlegung Tradition -ell
Wortbildung  mit ›traditionell‹ als Erstglied: traditionellerweise
Herkunft aus gleichbedeutend traditionnelfrz
eWDG

Bedeutung

der Tradition entsprechend
Beispiele:
eine traditionelle Feierlichkeit
das traditionelle Sonntagsessen, Weihnachtsessen, Silvesteressen
eine traditionelle (= mit einer Tradition verbundene) Stätte
der traditionelle (= herkömmliche) Sitz der Regierung
Die traditionelle Demonstration zu den Gräbern von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,179]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tradition · tradieren · traditionell
Tradition f. ‘Überlieferung, Herkommen, Gewohnheit, Brauch, Gepflogenheit’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. trāditio (Genitiv traditiōnis) ‘Vortrag, Lehre, Satzung, überkommene, weitergegebene Meinung, Überlieferung’, eigentlich ‘Auslieferung, Übergabe’, zu lat. trādere (s. unten tradieren). Zunächst Schlagwort der Reformationszeit zur Bezeichnung der Lehren, Satzungen und Institutionen der jüdischen und christlichen Religion, die nicht unmittelbar aus der Bibel, sondern aus der Überlieferung stammen, darauf (2. Hälfte 16. Jh.) juristischer Fachausdruck für bestimmte Formen der Eigentumsübertragung, -übereignung, -übergabe, dann (Anfang 17. Jh.) in der Bedeutung ‘Prozeß, Akt, Handlung des Überlieferns, der Weitergabe von Glauben, Wissen, Verhaltensweisen’, ferner ‘von alters her mündlich oder schriftlich überlieferte Kunde von Begebenheiten der Vergangenheit’ (als Sage, Mythos, Erzählung), schließlich (2. Hälfte 18. Jh.) in der (heute vorherrschenden) Bedeutung ‘im Laufe der Zeit, der Geschichte innerhalb einer bestimmten Gruppe von Menschen Entwickeltes und Weitergegebenes, das üblich, zur Sitte, Gepflogenheit geworden ist’. tradieren Vb. ‘(Kenntnisse, Erfahrungen, kulturelle Werte der Nachwelt mündlich oder schriftlich) überliefern, Überliefertes weiterführen, weitergeben’, entlehnt (2. Hälfte 15. Jh.) aus lat. trādere ‘(von Hand zu Hand) weitergeben, überreichen, anvertrauen, überlassen, abtreten, übereignen, mündlich oder schriftlich weitergeben, überliefern, aufzeichnen, berichten, mitteilen, vortragen, lehren’, eigentlich ‘übergeben’, aus lat. trāns- ‘durch-, hin-, über-, hinüber-, über … hin(aus)-’ (s. trans-) und dare ‘geben’; im Dt. zuerst vereinzelt in der Bedeutung ‘geben, unterweisen, berichten, ausliefern, verraten’ (16. Jh.), dann (entsprechend der juristischen Bedeutung von Tradition, s. oben) ‘übergeben, übereignen’ (2. Hälfte 16. Jh. bis Anfang 19. Jh.), schließlich in der oben angeführten Bedeutung (Mitte 16. Jh. bis 19. Jh. selten, in neuerer Zeit häufiger). traditionell Adj. ‘der Tradition entsprechend, auf Tradition beruhend, althergebracht, herkömmlich, überliefert, übernommen’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. traditionnel (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
altehrwürdig · althergebracht · altüberliefert · angestammt · gebräuchlich · hergebracht · herkömmlich · klassisch · konventionell · tradiert · traditionell · überliefert  ●  von Alters her  geh. · überkommen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
gediegen · gravitätisch · hochwertig · traditionell · würdevoll

Typische Verbindungen zu ›traditionell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›traditionell‹.

Verwendungsbeispiele für ›traditionell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An der traditionellen wissenschaftlichen Methode zerbricht zuletzt auch das stärkste politische Interesse. [Heimpel, Hermann: Geschichte und Geschichtswissenschaft. In: ders., Der Mensch in seiner Gegenwart, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1957 [1957], S. 207]
Die Intention auf Veränderung findet sich allerdings bei emanzipatorischer Psychologie ebenso wie bei traditioneller. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 1]
Die moderne Forschung aber hat diese wie viele andere »traditionelle« Deutungen aufgegeben. [Finscher, Ludwig u. a.: Psalm. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 42750]
Die waren sehr traditionell, sehr klassisch, und das bin ich nicht. [Der Spiegel, 20.12.1993]
Eines sollte jedoch niemand vergessen: der wichtigste Kunde der New Economy ist die traditionelle Wirtschaft. [Die Zeit, 27.04.2000, Nr. 18]
Zitationshilfe
„traditionell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/traditionell>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
traditionalistisch
traditional
tradieren
traden
tracken
traditionellerweise
traditionsbewusst
traditionsgebunden
traditionsgemäß
traditionsreich