treubrüchig

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Nebenform selten treuebrüchig · Adjektiv · ohne Steigerung
Worttrennungtreu-brü-chig
WortzerlegungTreuebrüchig
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutung

einen Treubruch begangen habend Quelle: DWDS, 2018;
der Felonie schuldig
Beispiele:
Hätte damals [1914] die Mehrheit im Reichstag die [Kriegs-]Kredite abgelehnt, hätte das Deutsche Reich gegenüber Österreich allerdings treubrüchig werden müssen. [VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V., 07.01.2012, aufgerufen am 29.04.2016]
Da dies [die Befriedung der Sachsen unter Karl dem Großen] nicht gelang und die Sachsen mehrfach treubrüchig wurden und Orte und Festungen angriffen, kam es zu weiteren Feldzügen gegen sie […]. [Mos Maiorum, 09.01.2015, aufgerufen am 15.02.2017]
Zu der Zeit [in den 1920er Jahren] galt sie [die »treulose Tomate«] […]als Schelte auf die im Ersten Weltkrieg als unzuverlässig und treubrüchig geltenden Italiener. Da sie viel Tomaten anbauten und aßen, wurden sie damit identifiziert. [Süddeutsche Zeitung, 10.01.2009]
Du sollst mich einen Schelm heißen, wenn ich das nicht tue. Diese Beteuerungsformel ist ein Rest der mittelalterlichen Sitte, treubrüchigen, meineidigen Leuten ehrenrührige Scheltbriefe zu senden oder öffentlich anschlagen zu lassen. [Röhrich, Lutz: Schelm. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 5313]
Als Hitlerdeutschland treubrüchig die Sowjetunion überfiel und wir zu Verbündeten Frankreichs, Englands und der USA im Kampf gegen Hitlerdeutschland wurden, erfüllte unser Land, wie bekannt, seine Bündnisverpflichtungen treu und redlich. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1955]]
Sie [die Italiener] wurden als unzuverlässig und treuebrüchig angesehen, weil sie den 1886 zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien geschlossenen Dreibund ignorierten[…]. [Süddeutsche Zeitung, 21.04.2012] ungewöhnl.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treu · Treue · traun · Treubruch · treubrüchig · Treuhänder · treulich · treulos · Treulosigkeit · betreuen · Betreuung
treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘treu, getreu, wohlmeinend’, mnd. trūwe, mnl. trūwe, trouwe, nl. trouw, aengl. trīewe, trēowe, engl. true (‘wahr, richtig, echt’) hat neben sich den a/ō-Stamm anord. tryggr ‘treu, vertrauensvoll’, schwed. trygg ‘sicher, geborgen’, got. triggws ‘treu, zuverlässig’. Das Adjektiv gehört zusammen mit den unter Treue (s. unten), ↗trauen und ↗Trost (s. d.) genannten Formen zu dem unter ↗Teer (s. d.) dargestellten Ansatz ie. *deru-, *dreu-, *drū- ‘Baum’, eigentlich wohl ‘Eiche’, und ‘baumstark, hart, fest, treu’ (s. auch ↗Trog und ↗Truhe). Treue f. ‘unverändert feste Verbundenheit, beständige Anhänglichkeit, Zuverlässigkeit’, ahd. triuwa ‘Treue, Zuverlässigkeit, Vertrag, Bündnis’ (8. Jh.), mhd. triuwe, triwe, triu ‘Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Versprechen, Gelübde’, asächs. treuwa ‘Treue, Frieden, Bund’, mnd. trūwe, trouwe ‘Treue, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Eheversprechen, Verlobung’, mnl. trouwe, trūwe, nl. trouw ‘Treue, Heirat, Trauung’, aengl. trēow ‘Treue, Wahrheit, Glaube, Versprechen’, got. triggwa ‘Bund, Bündnis’ (germ. *trewwō), ablautend aengl. trūwa ‘Treue, Glaube, Vertrauen’, anord. trū ‘Treue, Gelöbnis, Glaube, Religion’, schwed. tro ‘Glaube, Treue’. Aus der ursprünglichen Bedeutung ‘gegenseitige feste Abmachung, Bündnis’ entwickelt sich ‘das Einhalten eines Vertrages’; in mhd. Zeit wird Treue zu einem Tugendbegriff der ritterlich-höfischen Ethik. In nhd. Zeit überwiegt der Sinn des Steten, Festen, Dauernden. Die feste präpositionale Wendung (Dativ Plur.) mhd. in triuwen ‘in Wahrheit’, verschmolzen zu einem Wort mhd. entriuwen, mnd. entrūwen, entwickelt sich unter Schwund der unbetonten Präposition zu mhd. triuwen, trouwen, (md.) trūwen, mnl. trouwen, nhd. traun Interjektion ‘fürwahr!, wahrhaftig!, ganz gewiß!’; doch bereits Adelung vermerkt: „in den gemeinen Sprecharten veraltet“. Treubruch m. ‘Verrat’ (um 1700), zuvor bereits treubrüchig Adj. ‘die Treue, den Treueid brechend’, spätmhd. triuwebrüchic ‘wortbrüchig, meineidig’. Treuhänder m. ‘wem etw. zu treuen Händen übergeben worden ist, Verwalter fremden Eigentums’, mhd. triuwehander, -hender, Rechtsausdruck nach Fügungen wie mhd. die triuwen hende, ze triuwer hant, ze triuwen handen. treulich Adj. ‘mit Treue, zuverlässig’, mhd. triuwelich. treulos Adj. ‘ohne Treue, nicht treu, verräterisch’, mhd. triuwelōs. Die ursprünglich rechtliche Bedeutung ‘vertragsbrüchig gegenüber einem Bündnis, gegenüber Abmachungen’ wird in mhd. Zeit zu ‘verräterisch, bertrügerisch’ erweitert, später auch ‘unzuverlässig’ (16. Jh.), ‘lügnerisch’ (18. Jh.), ‘(vom Gedächtnis) unbeständig, ungenau’ (19. Jh.); Treulosigkeit f. ‘treuloses Verhalten, Treubruch’ (Mitte 16. Jh.). betreuen Vb. ‘in Obhut nehmen, pflegen, für jmdn., etw. sorgen’, mhd. betriuwen ‘in Treue erhalten, schützen’. Betreuung f. ‘Zuwendung, Pflege, Bearbeitung’ (17. Jh.), zuvor ‘Zusicherung, Übereignung’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
treubrüchig · ↗treulos · ↗untreu
Assoziationen
Zitationshilfe
„treubrüchig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/treubr%C3%BCchig>, abgerufen am 04.04.2020.

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