triefen

GrammatikVerb · trieft, triefte, ist/hat getrieft
Nebenform gehoben, veraltend triefen · Verb · trieft, troff, ist/hat getrieft
Aussprache
Worttrennungtrie-fen
Wortbildung mit ›triefen‹ als Erstglied: ↗Triefauge · ↗Triefnase · ↗triefnass · ↗triefäugig
 ·  mit ›triefen‹ als Letztglied: ↗hervortriefen  ·  formal verwandt mit: ↗Fett-triefend · ↗fetttriefend · ↗schweißtriefend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
in (unzähligen, dicken) Tropfen langsam und ohne Stocken fließen, rinnen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Regen triefte
das Wasser troff von den Bäumen, ist vom Dach getrieft
das Blut, der Schweiß troff (von seiner Stirn, ihm von der Stirn)
das Bratenfett triefte über ihre Hände, ihr über die Hände
es troff, triefte von den feuchten Kellerwänden, vom Regenschirm, durch das undichte Zeltdach, von den Bäumen
sie gingen im triefenden Regen spazieren
2.
so nass sein, dass in (unzähligen, dicken) Tropfen langsam und ohne Stocken rinnende Feuchtigkeit abgeht, sich absondert
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er, sein Körper troff, triefte (vor Nässe, von Angstschweiß)
sein Mantel, Anzug, seine Hosen trieften
die Haare trieften (von Wasser)
seine Stirn triefte (ihm) von Schweiß
sein linkes Auge, seine Nase triefte ständig
seine Hände troffen von Blut
der Baum, das Laub, die Mauer troff vor Nässe
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
er hat triefende Haare, Augen
eine triefende Nase
ein triefender Regenmantel, Schirm, Hut
triefende Äste, Büsche
ein mit triefendem Gänsefett, Honig beschmiertes Brot
er lief triefend (nass) ins Haus
seine Kleider waren triefend nass
abwertend, spöttisch, übertragen etw., jmd. trieft von etw.etw., jmd. weist übermäßig viel von etw. auf
Beispiele:
dieser Roman trieft von Moral, Sentimentalität
er, sein Benehmen trieft von Überheblichkeit, Geringschätzung, Freundlichkeit, Wohlwollen
er trieft nur so von weisen Reden, Milde, vor Weisheit
du triefst ja (förmlich) vor Güte, Edelmut
Indem sie vor Verehrung triefen allem dem gegenüber, was als klassisch registriert ist [Becher6,54]
Es ist eine Stadt, in der das Elend gedeiht neben dickfelliger, triefender Behaglichkeit [FusseneggerAntlitz119]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

triefen Vb. ‘vor Nässe anhaltend tropfen, naß sein’, ahd. triofan (8. Jh.), mhd. triefen, asächs. driopan, mnd. drēpen, drūpen, mnl. drūpen, nl. druipen, afries. driāpa, aengl. drēopan, anord. drjūpa (auch ‘den Kopf hängen lassen’), schwed. drypa (germ. *dreupan). Dazu gehören als Verwandte die unter ↗Traufe, ↗träufeln, ↗Tripper, ↗Tropf, ↗Tropfen (s. d.) behandelten Formen. Außergerm. vergleichbar ist wohl air. drucht (aus *dhruptu-) ‘Tau, Tautropfen’, so daß von ie. *dhreub- ausgegangen werden kann. Ferner sind griech. thrýptein (θρύπτειν) ‘zerreiben, zerbröckeln, entkräften’ und lett. drubazas ‘Stückchen, Splitter, Krümchen’ heranziehbar, die ie. *dhreubh- voraussetzen. Beide ie. Labialformen machen in Verbindung mit der s-Form ie. *dhreus- (s. ↗trauern) einen nur in diesen Erweiterungen auftretenden Wurzelansatz ie. *dhreu- ‘zerbrechen, zerbröckeln’ möglich. triefen flektiert ursprünglich stark. Da das Part. Prät. von triefen mit dem von treffen lautlich zusammenfällt, wird im 17. Jh. eine schwache Form getrieft und (daran anschließend) in der 2. Hälfte des 17. Jhs. schwaches triefte (neben troff) üblich. Transitiver Gebrauch von triefen in der Bedeutung ‘Flüssigkeiten in Tropfen fallen machen’ setzt Anfang des 16. Jhs. ein, als sich in Bedeutung und Form Übereinstimmungen mit träufen (s. ↗träufeln) zeigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
durch und durch nass sein · durchnässt sein · klitschnass sein · triefen · tropfnass sein · vor Nässe triefen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkommen Abmachung Absprache Aussage Auswahl Beschluß Blitz Bombe Entscheidung Festlegung Grundsatzentscheidung Kopf Kugel Maßnahme Nerv Personalentscheidung Rakete Regelung Schuß Schwarz Sicherheitsvorkehrung Verabredung Vereinbarung Vertreter Vorbereitung Vorentscheidung Vorkehrung Vorsorge Wahl ich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›triefen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schwarz verhüllte Frauen triefen in ihren Autos, in denen die Luft zu kochen scheint, vor sich hin.
Die Welt, 31.08.2004
Alle triefen nur so von Wohlwollen, dagegen ist nichts einzuwenden.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 160
Dort wallt dann der Nebel, trieft die Feuchtigkeit, naß, klamm.
Die Zeit, 20.11.1959, Nr. 47
Ein Fischer trieft als nasser Mann - sie baden aller Orten.
Tucholsky, Kurt: Badetag. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919]
Es troff von den Zelten, man patschte in die Pfützen.
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 30
Zitationshilfe
„triefen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/triefen>, abgerufen am 11.12.2019.

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