trollen

Grammatik Verb · trollt, trollte, hat/ist getrollt
Aussprache 
Worttrennung trol-len
Wortbildung  mit ›trollen‹ als Letztglied: ↗davontrollen · ↗wegtrollen · ↗zurücktrollen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich] ⟨sich trollen⟩ sich (betrübt, beschämt) entfernen, sich fortbegeben
    1. ⟨sich irgendwohin trollen⟩ sich an eine bestimmte Stelle begeben
  2. 2. [umgangssprachlich] ⟨irgendwohin trollen⟩ gemächlich, langsam irgendwohin gehen
  3. 3. [Jägersprache] vom Schalenwild: sich in einer langsameren Gangart fortbewegen
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich sich trollensich (betrübt, beschämt) entfernen, sich fortbegeben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
troll(e) dich!
Ihr ... könnt euch nun trollen und die Rückfahrt antreten [ Th. MannJoseph5,51]
sich irgendwohin trollensich an eine bestimmte Stelle begeben
Beispiele:
sich in sein Zimmer, an seinen Arbeitsplatz trollen
sie ... trollten sich dann nach Brandenburg [ MehringMarx188]
2.
umgangssprachlich irgendwohin trollengemächlich, langsam irgendwohin gehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er trollte durch alle Räume
ich bin durch die Stadt getrollt
3.
Jägersprache vom Schalenwild   sich in einer langsameren Gangart fortbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
Im Traben trollt das Wild [der Hirsch], im Springen flüchtet es [ Sprachpflege1962]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trollen Vb. reflexiv ‘sich (kleinlaut, unwillig) entfernen’, spätmhd. trollen ‘sich in kurzen Schritten fortbewegen’, dann (vorwiegend reflexiv) ‘davongehen, sich davonmachen’ (Anfang 16. Jh.), vielleicht durch Assimilation entstanden aus germ. *truzlōn; vgl. nd. trūseln, trǖseln ‘langsam rollen, rollen lassen, sich im Kreis drehen’, nl. treuzelen ‘trödeln’ sowie ↗dröseln (s. d.) und die dort genannten Formen. Dann anzuschließen an eine mit s erweiterte Form von ie. *dreu-, seinerseits Erweiterung der unter ↗Treppe, ↗treten (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *der(ə)- ‘laufen, treten, trippeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bummeln · gemütlich gehen · langsam gehen · ↗schlendern · trollen · ↗trotten · ↗zotteln
Assoziationen
  • (gemütlich) hinterhergeschlendert kommen · (in aller Ruhe) hinterhertrollen · hinterhergeschlichen kommen · ↗hinterhertrotten · langsam hinterherkommen  ●  hinterhergezottelt kommen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) zurückziehen · ↗fortgehen · ↗verschwinden  ●  ↗weggehen (Ortswechsel)  Hauptform · ↗(sich) entfernen  geh. · (sich) trollen  ugs. · ↗(sich) verziehen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · Leine ziehen  ugs., salopp · abdackeln  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs., salopp · ↗abschieben  ugs. · ↗abschwirren  ugs., salopp · ↗abtreten  fachspr. · ↗abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · die Düse machen  ugs. · ↗entschwinden  geh., scherzhaft · ↗gehen  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ↗ausreißen · das Weite suchen · ↗durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · ↗sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
  • (Ort) verlassen · die (alte) Heimat verlassen · ↗fortziehen · ↗wegziehen · ↗ziehen (nach)
  • (aus einem Raum / Gebäude) gehen · ↗(einen Raum / ein Gebäude) verlassen
  • abziehen (Gruppe, Kolonne, Trupp ...)  ●  ↗abrücken  militärisch · ↗abmarschieren  fachspr., militärisch
  • (sich) auflösen · (sich) in Luft auflösen · ↗(sich) verziehen · ↗verpuffen · ↗verrauchen
  • (jemanden) verabschieden · ↗(sich) verabschieden · Abschied nehmen · Adieu sagen · Lebewohl sagen · Tschüs sagen · auf Wiedersehen sagen  ●  ↗(sich) empfehlen  geh. · ↗scheiden  geh., veraltet
  • (sich) am falschen Ort befinden · fehlplatziert sein · nicht (irgendwohin) gehören  ●  nichts verloren haben  ugs. · nichts zu suchen haben  ugs.
  • (sich) lossagen · ↗(sich) lösen · alles hinter sich lassen · ↗fortgehen · ↗fortziehen · goodbye sagen · ↗verlassen · ↗weggehen · ↗wegziehen  ●  (einer Sache) den Rücken kehren  fig. · (seine) Zelte abbrechen  fig. · auf Wiedersehen sagen  fig. · ↗(sich) abwenden  geh.
  • Geh weg! · Geh! · Mach, dass du fortkommst!  ●  Fort mit dir!  veraltend · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abflug!  ugs. · Abmarsch!  ugs. · Baba und foi ned.  ugs., wienerisch · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle!  derb, aggressiv · Geh (doch) dahin, wo der Pfeffer wächst!  ugs. · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Hau ab und komm nicht wieder!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Hinfort mit dir!  geh., altertümelnd · Hutsch dich!  ugs., österr. · Kratz die Kurve!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Sieh zu, dass du weiterkommst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde wie der Furz im Winde!  ugs., scherzhaft · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Verzupf dich!  ugs., österr. · Weiche von mir!  geh., veraltet · Zieh Leine!  ugs. · Zieh ab!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · ↗(sich) aufmachen · ↗losgehen · ↗losziehen · seinen Weg antreten  ●  ↗aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · ↗lossocken  ugs., regional
  • (sein) Bündel schnüren  fig. · mit unbekanntem Ziel verreisen  variabel, ironisch · (das) Weite suchen  ugs. · (das) sinkende Schiff verlassen  ugs., fig. · (den) Abgang machen  ugs. · (den) Adler machen  ugs. · (den) Sittich machen  ugs. · (die) Biege machen  ugs. · (die) Flatter machen  ugs. · (die) Fliege machen  ugs. · (die) Flocke machen  ugs. · (die) Kurve kratzen  ugs. · (einen) Abgang machen  ugs. · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · (einen) langen Schuh machen  ugs. · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · Leine ziehen  ugs., salopp · in die Ferne schweifen  geh.
  • (irgendwo) herausspazieren · ↗(unbehelligt) weggehen

Typische Verbindungen zu ›trollen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trollen‹.

Verwendungsbeispiele für ›trollen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch dann endet der Kampf ganz plötzlich - der Bär trollt sich.
Bild, 01.11.1999
Nachdem er sein Gift losgeworden ist, trollt er sich friedlich.
Die Zeit, 11.03.1988, Nr. 11
Ich nehme nachher meine Decke und trolle mich in den Garten.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 18.07.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Auch wir trollen uns jetzt, Friedrichshagen heißt das nächste Ziel.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 271
Im Erzählen waren sie landeinwärts um eine sandige Rheinbucht getrollt.
Matthiessen, Wilhelm: Das Mondschiff. In: ders., Das Rote U, Bayreuth: Loewes 1980 [1949], S. 191
Zitationshilfe
„trollen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/trollen>, abgerufen am 19.04.2021.

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