tunlich

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungtun-lich
Wortbildung mit ›tunlich‹ als Erstglied: ↗Tunlichkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

papierdeutsch möglichst, nach Möglichkeit
Grammatik: meist im Superlativ
Beispiele:
das solltest du tunlichst bleibenlassen, vermeiden
er soll tunlichst schweigen
halte dich tunlichst aus dieser Affäre heraus!
erledige das tunlichst bald, schnell!
Grammatik: adjektivisch, attributiv
etw. ist tunlichetw. solle man tun, etw. ist ratsam, zweckmäßig
Beispiele:
etw. für tunlich halten
er hielt es nicht für tunlich, die Vorwürfe zurückzuweisen
daß da eine verbindliche Weisung des Ministeriums vorliege, die zu ignorieren nicht tunlich sei [H. KantAula204]
möglich
Beispiele:
sobald, solange, soweit als (irgend) tunlich
Absatz zwei verfügt die so bald als tunliche Übersiedelung der Unterzeichnerin nach Spanien [ZuckmayerBlombergI 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tun · tunlich · betulich · Tunichtgut · abtun · antun · umtun · vertun · zutun · Zutat
tun Vb. ‘eine Tätigkeit verrichten’, reflexiv (unpersönlich) ‘sich ereignen’. Das Verb (mit ehemals reduplizierenden Präteritalformen) ahd. (8. Jh.), mhd. tuon, asächs. mnd. dōn, mnl. nl. doen, aengl. dōn, engl. to do ‘tun’ setzt westgerm. *dō- voraus, eine wohl ablautende Form der Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’. Als Verwandte sind vergleichbar aind. dádhāti ‘setzt, stellt hin, legt’, griech. tithénai (τιθέναι) ‘stellen, setzen, legen’, lat. abdere ‘weggeben, -tun, entfernen, verbergen, verstecken’, addere ‘hinzutun, -fügen, vermehren’, condere ‘gründen, einlegen, bergen, bedecken’, facere (Perf. fēcī) ‘tun, machen’, air. dorat ‘hat gegeben’, lit. dė́ti ‘setzen, stellen, legen, hineintun, säen, pflanzen’, aslaw. děti ‘legen, setzen, stellen’, dějati ‘tun, verrichten’, russ. det’ (деть) ‘hinlegen, verbrauchen’. S. auch ↗Tat (mit anord. dāð und got. -dēþs, die Reflexe des im Nordgerm. und Ostgerm. nicht belegten Verbs zeigen) und ↗-tum. tunlich Adj. ‘zum Tun geeignet, ratsam, sinnvoll, zweckmäßig, möglich’ (16. Jh.). betulich Adj. ‘rührig, besorgt, zutraulich, beschaulich’ (18. Jh.), zu heute veraltetem betun ‘sich geschäftig zeigen, sich abgeben’, ahd. bituon ‘verschließen, zumachen, behandeln’ (8. Jh.), mhd. betuon ‘be-, einschließen’. Tunichtgut m. ‘wer öfters Unfug treibt, Taugenichts’ (17. Jh.), imperativischer Satzname; vgl. Thukeingut (1586), Thunichts (Stieler 1691). abtun Vb. ‘ablegen, mit Geringschätzung erledigen, ins reine bringen’, mhd. abetuon ‘entfernen, abschaffen, abstellen’, ahd. (zweifelhaft) abatuon ‘entfernen’ (9. Jh.). antun Vb. ‘anziehen, jmdm., sich etw. zufügen, bereiten, erweisen’, ahd. anatuon ‘anziehen, auflegen, aufsetzen, (Böses) zufügen’ (8. Jh.), mhd. anetuon ‘anlegen’, reflexiv ‘sich ankleiden’. umtun Vb. ‘umhängen, umlegen’, reflexiv ‘sich umsehen, sich erkundigen, sich bemühen’ (16. Jh.), mhd. umbetuon ‘herumbringen, von seiner Ansicht abbringen, überwinden’. vertun Vb. ‘verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen, nutzlos zubringen’, reflexiv ‘sich irren’, ahd. firtuon ‘freveln’, reflexiv ‘sich vergreifen an’ (9. Jh.; vgl. ahd. firtān Part.adj. ‘schlecht, böse’, 8. Jh.), mhd. vertuon ‘aufbrauchen, verzehren, vergeblich tun’, reflexiv ‘sich versammeln, verschwenderisch leben, sich durch Handeln verfehlen’. zutun Vb. ‘hinzufügen, zusetzen, hinzulegen, schließen’, ahd. (8. Jh.), mhd. zuotuon; Zutat f. ‘zur Herstellung einer bestimmten Sache notwendiger oder wünschenswerter Bestandteil, Beigabe, Ergänzung’ (18. Jh.), zuvor ‘zweckvolles Tun’ (16. Jh.); vgl. mnd. tōdāt ‘Hinzufügung, Hilfe’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(dringend) zu empfehlen · am Platz · ↗angebracht · ↗angezeigt · empfiehlt sich · ↗geraten · ↗ratsam · sehr zu empfehlen · zu raten  ●  tunlich  veraltend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

irgend vermeiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tunlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lebenspraktisch erwies es sich als tunlich, das Bild vom wahrheitssuchenden Menschen hoch zu halten.
Süddeutsche Zeitung, 31.05.2003
Wer über Öl schreibt, vermeidet es tunlich, sich die Ölgesellschaften zum Feind zu machen.
Die Zeit, 08.11.1968, Nr. 45
Zunächst ist innerhalb des täglichen Verkehrs die Prüfung der Münze auf ihr Schrot und Korn nur ausnahmsweise tunlich.
Simmel, Georg: Philosophie des Geldes. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1900], S. 15071
Ein Angriff in der gewöhnlichen geschlossenen Phalanx war nicht tunlich, da diese auf dem sehr unregelmäßigen Terrain beim Vorrücken hätte zerreißen und sich auflösen müssen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 343
Vor der Entscheidung soll der Nachlaßgläubiger, auf dessen Antrag die erste Frist bestimmt worden ist, wenn tunlich gehört werden.
o. A.: Bürgerliches Gesetzbuch. In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997
Zitationshilfe
„tunlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tunlich>, abgerufen am 15.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
tunken
Tunke
Tuning
Tunika
Tunichtgut
Tunlichkeit
tunlichst
Tunnel
tunnelähnlich
Tunnelausgang