ultramontan

Worttrennungul-tra-mon-tan · ult-ra-mon-tan
Wortbildung mit ›ultramontan‹ als Grundform: ↗Ultramontane
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

streng päpstlich gesinnt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ultra- · Ultramarin · ultramontan · ultrarot · ultraviolett · Ultrakurzwelle · Ultraschall
ultra- Bestimmungswort in gelehrten Zusammensetzungen mit der Bedeutung ‘jenseits von, über … hinaus, das (übliche Maß) übersteigend, hinausgehend über’. Zugrunde liegt lat. ultrā Adv. ‘jenseits, darüber hinaus, weiterhin’, Präp. ‘jenseits, über … hinaus, außerdem’, erstarrter Ablativ Fem. des Adjektivs lat. ulter ‘jenseitig, drüben befindlich’, abgeleitet von lat. ultis, älter uls Präp. ‘jenseits’. Als erstes Kompositionsglied begegnet ultrā im Lat. nur selten, hingegen im Mlat. häufig. Ultramarin n. kornblumenblaue Mineralfarbe, relatinisiert und substantiviert (Anfang 16. Jh.) aus ital. (älter) azzurro oltramarino ‘Lazurblau’; das ital. Adjektiv beruht auf mlat. ultramarinus ‘(von) jenseits des Meeres’ (vgl. lat. marīnus ‘zum Meer gehörig’, zu lat. mare ‘Meer’), da die Bestandteile der Farbe ‘von jenseits des Meeres’, d. h. ‘von weit her’ (aus Asien) eingeführt werden. ultramontan Adj. ‘jenseits der Alpen (wohnend, befindlich), von jenseits der Alpen stammend’, sowohl von Deutschland als auch von Italien aus gesehen (1. Hälfte 18. Jh.), aus gleichbed. ital. oltramontano, älter auch ultramontano (vgl. frz. ultramontain ‘jenseits der Alpen liegend, italienisch’), dieses aus mlat. ultramontanus ‘jenseits der Berge’ (zu lat. mōns, Genitiv montis, ‘Berg, Gebirge’); übertragen ‘düster, barbarisch’ (aus italienischer Sicht), ‘südländisch’ (aus deutscher Sicht); dann im Hinblick auf die katholische Kirchenpolitik ‘im Gegensatz zu protestantischen und nationalen Interessen stehend’ (18. Jh.), verallgemeinert ‘streng katholisch, römisch, päpstlich gesinnt’ (19. Jh.); auch ultramontanisch (2. Hälfte 18. Jh.). Im Bereich von Technik und Physik entstehen Zusammensetzungen mit ultra- wie ultrarot Adj. ‘jenseits des roten Endes des Lichtspektrums liegend, infrarot’ und ultraviolett Adj. ‘im Spektrum jenseits des sichtbaren Violetts liegend’ (Ende 19. Jh.); Ultrakurzwelle f. elektromagnetische Welle mit besonders kurzer Wellenlänge und Ultraschall m. Schallschwingungen, die oberhalb der Hörbarkeitsgrenze liegen (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
streng päpstlich gesinnt · ultramontan
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewegung Blatt Katholik Katholizismus Kreis Presse Strömung Tendenz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ultramontan‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von diesem Augenblick an war Rom entschlossen, die ultramontane Bewegung selbst in die Hand zu nehmen.
Aland, K.: Papsttum. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 26159
Dagegen verfolgte ihn ultramontaner Haß noch zwanzig Jahre nach seinem Tode.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 1308
Dies wiederum konnte den entschieden ultramontanen Teil des Klerus nicht abhalten, den Nuntius des Opportunismus zu beschuldigen.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16653
Holnstein war inzwischen ins ultramontane Lager gewechselt und hatte unauffällig Material für das geplante Entmündigungsverfahren gesammelt.
Süddeutsche Zeitung, 01.02.1995
Es geht nicht mehr um kleinstaatliche oder ultramontane Sicht, sondern um Weltprobleme.
Die Zeit, 06.03.1964, Nr. 10
Zitationshilfe
„ultramontan“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ultramontan>, abgerufen am 16.10.2019.

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