umkippen

Grammatik Verb · kippt um, kippte um, hat/ist umgekippt
Aussprache 
Worttrennung um-kip-pen
Wortzerlegung um-kippen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. umfallen
    1. a) das Übergewicht bekommen und umstürzen
    2. b) [umgangssprachlich] ohnmächtig werden
  2. 2. [umgangssprachlich, abwertend, übertragen] seine Meinung, Gesinnung überraschend ändern
  3. 3. [umgangssprachlich] ⟨etw. kippt um⟩ etw. schlägt plötzlich ins Gegenteil um
  4. 4. ...
  5. 5. etw. umwerfen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
umfallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
das Übergewicht bekommen und umstürzen
Beispiele:
die Vase, Flasche, das Weinglas ist umgekippt
der Schrank, die Leiter drohte umzukippen
er ist mit dem Stuhl, Boot umgekippt
b)
umgangssprachlich ohnmächtig werden
Beispiele:
bei der großen Hitze, in dem Gedränge sind viele umgekippt
Er kippte wie eine große Puppe nach hinten um, während sein Hut herunterfiel [AnderschSansibar167]
2.
umgangssprachlich, abwertend, übertragen seine Meinung, Gesinnung überraschend ändern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
bei der Auseinandersetzung ist er schließlich doch noch umgekippt
ich hätte nicht vermutet, dass er so leicht umkippen würde
3.
umgangssprachlich etw. kippt umetw. schlägt plötzlich ins Gegenteil um
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
die Stimmung im Saal kippte plötzlich um
4.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
jmds. Stimme kippt um (= schlägt in eine andere Stimmlage um)
5.
etw. umwerfen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er hat (versehentlich) die Tasse, das Tintenfass, den Papierkorb umgekippt
der Sturm hat das Boot umgekippt

Thesaurus

Synonymgruppe
umkippen · ↗umstoßen · ↗umstürzen · ↗umwerfen  ●  ↗umschmeißen  ugs.
Synonymgruppe
(einen) Kollaps erleiden · (einen) Kollaps haben · (einen) Schwächeanfall erleiden · (einen) Schwächeanfall haben · (einen) Zusammenbruch erleiden · (einen) Zusammenbruch haben · ↗kollabieren · ↗wegsacken · ↗zusammenklappen  ●  ↗zusammenbrechen  Hauptform · aus den Latschen kippen  ugs. · ↗umfallen  ugs. · umkippen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(seine) Gesinnung wechseln · (seine) Prinzipien verraten · (seine) Überzeugungen über Bord werfen · ↗(zur anderen Seite) überlaufen · die Seite(n) wechseln · ↗umfallen · umkippen · ↗umschwenken  ●  hinzugelernt haben  euphemistisch, ironisch
Assoziationen
  • (sich) opportunistisch verhalten  ●  (sein) Fähnlein nach dem Winde drehen  ugs.
  • (ein) Einsehen haben · ↗(sich) beugen · (sich) einsichtig zeigen · ↗(sich) fügen · ↗(sich) zurückziehen · ↗einlenken · klein beigeben · ↗weichen · ↗zurückweichen  ●  (den) Kopf einziehen  fig. · ↗(sich) ducken  fig. · das Handtuch werfen  fig. · die Stellung räumen  fig. · kein Rückgrat haben  fig. · kleine Brötchen backen (müssen)  fig. · ↗nachgeben  Hauptform · ↗zurückrudern  fig. · (einen) Rückzieher machen  ugs. · Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.  ugs., Sprichwort · den Schwanz einziehen  ugs., fig. · die Platte putzen  ugs. · ↗einknicken  ugs., fig. · ↗kuschen  ugs. · zu Kreuze kriechen  geh., fig., abwertend
  • (ein) Quisling · Abtrünniger · ↗Deserteur · Fahnenflüchtiger · Fahnenflüchtling · ↗Verräter (an einer Sache) · ↗Wendehals · ↗Überläufer
  • Ausverkauf (von ideellen Werten) · ↗preisgeben · untreu werden · ↗verraten  ●  Verrat begehen (an)  Hauptform · über Bord werfen  fig.
  • (persönlich) wachsen · an Statur gewinnen · ↗hinzulernen · ↗reifen · reifer werden
  • (etwas) (jetzt) anders sehen · (etwas) mit anderen Augen sehen · (jetzt) anders denken über · (seine) Einstellung ändern · (seinen) Standpunkt wechseln · (sich) auf einen anderen Standpunkt stellen · in seiner Meinung umschwenken · sich anders besinnen · ↗umschwenken · von seiner Meinung abgehen · zu einer anderen Auffassung gelangen  ●  (seine) Meinung ändern  Hauptform
  • Wackelkandidat · unsicherer Kantonist

Typische Verbindungen zu ›umkippen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›umkippen‹.

Verwendungsbeispiele für ›umkippen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur manchmal, wenn es sich zu flott in die Kurve legte, dann kippte es um.
Die Zeit, 04.02.2009, Nr. 07
Da ist schon mal was umgekippt, aber ich bin ihm nicht böse wegen der Flecken.
Bild, 22.03.2004
Bei dem langen Stillstehen kippen immer wieder einmal Wehrpflichtige um.
o. A. [swn]: Feierliches Gelöbnis. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1998]
Da haben sie sich Leitern aufgebaut, auf diesen Leitern stehen sie und jeden Augenblick können sie eigentlich umkippen, so schwanken sie!
o. A.: Reportage vom Besuch Mussolinis in Essen, 27.09.1937
Abel rieb die Hände an seinen Hüften und kam, einmal nach rechts, einmal nach links umkippend, näher.
Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika. In: ders., Gesammelte Werke, Berlin: Fischer 1983 [1932], S. 24
Zitationshilfe
„umkippen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/umkippen>, abgerufen am 12.08.2020.

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