unanständig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-an-stän-dig
Wortzerlegungun-anständig
Wortbildung mit ›unanständig‹ als Erstglied: ↗Unanständigkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die in einer Gesellschaft gültigen Umgangsformen verletzend, unschicklich
Beispiele:
ein unanständiges Benehmen, Betragen
unanständige Äußerungen, Bemerkungen, Witze, Späße
er sang unanständige Lieder
es ist äußerst unanständig, das zu tun
jmd. ist unanständig
sich unanständig benehmen, aufführen
etw. unanständig finden
etw. wirkt unanständig, gilt als unanständig
vor Adv., Adj.
umgangssprachlich verstärkend
Beispiele:
er ist unanständig dick
daß ich unanständig oft gähne [A. ZweigRegenbogen13]
er aß unanständig viele Austern [Diggelm.Hinterlassenschaft96]
2.
unehrenhaft
Beispiel:
daß es ein unanständiges Geschäft war, für eine Fiktion zu bezahlen, die nicht zugab, daß sie eine war [J. RothRechts und links203]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anstand · anstandslos · beanstanden · anständig · unanständig
Anstand m. in verschiedenen Verwendungsweisen dem Präfixverb anstehen (s. ↗stehen) folgend. Anfangs (mhd. anstant) ‘das Anstehen-Lassen’, insbesondere ‘Aufschub der Kampfhandlungen, Waffenstillstand, Friede’, in dem allgemeinen Sinne ‘Aufschub, Einwand’ noch im 19. Jh.; dazu die Wendung (keinen) Anstand nehmen ‘(keine) Bedenken tragen’; ‘das Anstehen’, um zum Schuß zu kommen (18. Jh.), daraus ‘An-, Hochsitz’ des Jägers; ‘was wohl ansteht, der guten Sitte entsprechendes Benehmen’ (Ende 17. Jh.). anstandslos Adj. ‘ohne Einwände, ohne weiteres’ (19. Jh.). beanstanden Vb. nur vereinzelt ‘anstehen lassen, aufschieben’, sonst ‘Einwände erheben, rügen’ (19. Jh.). anständig Adj. ‘zuständig, geziemend’ (Ende 15. Jh.), ‘schicklich, höflich’ (17. Jh.); unanständig Adj. ‘anstößig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anstößig · ↗geschmacklos · ↗ordinär · unanständig · ↗vulgär  ●  bathisch  geh. · ↗obszön  geh. · unter der Gürtellinie  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
anstößig · eindeutig-zweideutig · nicht salonfähig · ↗obszön · unanständig · ↗unsittlich · ↗unzüchtig · ↗zotig  ●  ↗schmutzig  fig. · ↗dreckig  ugs., fig. · nicht stubenrein  ugs., scherzhaft, fig. · ↗priapeisch  geh., veraltet · ↗schweinisch  ugs. · ↗unkeusch  geh. · versaut  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
anmaßend · ↗dreist · ↗flapsig · ↗respektlos · ↗rücksichtslos · ↗salopp · schlecht erzogen · ↗unangemessen · unanständig · ↗unartig · ↗unflätig · ↗ungebührend · ↗ungebührlich · ↗ungehobelt · ↗ungehörig · ↗ungeschliffen · ↗ungesittet · ↗ungezogen · ↗unhöflich · ↗unmanierlich · ↗unverfroren · ↗unverschämt  ●  ↗frech  Hauptform · ↗präpotent  österr. · ↗dreibastig  ugs., regional · einen Ton am Leib (haben)!  ugs. · frech wie Dreck  ugs. · ↗impertinent  geh. · ↗kodderig  ugs. · ↗koddrig  ugs. · kotzbrockig  derb · ↗nassforsch  ugs. · ↗nickelig  ugs. · ↗pampig  ugs. · ↗patzig  ugs. · ↗rotzfrech  ugs. · ↗rotzig  ugs. · ↗rotznäsig  ugs. · ↗schnodderig  ugs. · ↗unbotmäßig  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
anzüglich · eindeutig-zweideutig · ↗frivol · nicht (ganz) stubenrein · ↗pikant · ↗schlüpfrig · ↗schmierig · unanständig · ↗zweideutig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geräusch Verhalten Vers Witz Wörter anständig beinahe benehmen derart fast geradezu höchst irgendwie obszön schamlos schlichtweg schäbig unangemessen unehrlich unerträglich unfair ungerecht unmoralisch unsachlich unsozial unverantwortlich verantwortungslos verhalten zutiefst zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unanständig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich halte dieses Tempo für vollkommen unangemessen, um nicht zu sagen unanständig.
Süddeutsche Zeitung, 05.06.2000
An den Wänden gab es ein paar außerordentlich unanständige Bilder zu betrachten.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 364
Manche heißen furchtbar unanständig, aber die Apotheker meinen das nicht so.
Tucholsky, Kurt: Die Apotheke. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930], S. 7434
Diesmal war sie wirklich hinter einem verdächtigen, unanständigen Geruch her.
Nöstlinger, Christine: Gretchen Sackmeier, Hamburg: Oetinger 1988 [1981], S. 33
Wenn diese sie als »unanständig« brandmarken, beweist das doch keine »orgiastischen Kulte«.
Baetke, W.: Germanische Religion. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 15814
Zitationshilfe
„unanständig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unanständig>, abgerufen am 16.10.2019.

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