unbehaust

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-be-haust (computergeneriert)
formal verwandt mitbehausen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben keine Unterkunft, Wohnung habend, nirgends zu Hause, umherziehend
Beispiel:
Ein Flüchtling und Unbehauster [Th. MannJoseph3,228]
übertragen
Beispiel:
sein unstetes, unbehaustes Leben [St. ZweigUngeduld172]
2.
veraltet unbewohnt, wüst und öde
Beispiel:
ein ... unbehaustes Gräberfeld [Th. MannTod in Venedig9,456]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haus · Häuschen · hausen · behausen · Behausung · unbehaust · hausieren · Hausierer · Häusler · häuslich · Häuslichkeit · Hausfrau1 · Haushalt · haushalten · Haushälterin · haushälterisch · Hausherr · Hausmann · Hausmannskost · Hausrat · Haussuchung · Haustier · Hauswesen
Haus n. ‘Gebäude, Bewohner desselben, Geschlecht, Hauswesen’. Das gemeingerm. Substantiv ahd. hūs ‘Gebäude, Familie, Hauswesen, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. hūs ‘Gebäude, Wohnung, Hütte, Schloß, Rathaus, Haushaltung, Familie, Geschlecht’, asächs. mnd. aengl. anord. hūs, mnl. huus, nl. huis, engl. house, schwed. hus, got. in gudhūs ‘Gotteshaus’ läßt sich vielleicht im Sinne von ‘Bedeckendes’ an ie. *(s)keus- anschließen (wozu auch ↗Hose und ↗Hort, s. d.), eine s-Erweiterung der weitverbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ (s. ↗Haut, ↗Hode, ↗Hütte, ↗Scheune, ↗Schuh). Häuschen n. ‘kleines Haus’ (17. Jh.); vgl. ahd. hūsilī(n) (8. Jh.), hūsil (Hs. 13. Jh.), mhd. hiuselīn, hiusel. Die Wendung (ganz) aus dem Häuschen sein, geraten ‘aufgeregt, außer sich sein’ (um 1800) ist vielleicht beeinflußt von frz. Redensarten, die sich an den Namen Petites-Maisons eines ehemaligen Pariser Hospitals mit Irrenanstalt anschließen (vgl. z. B. frz. être un échappé des Petites-Maisons ‘sich wie ein aus dem Narrenhaus Entsprungener gebärden’). hausen Vb. ‘unter schlechten Bedingungen wohnen’, im Südd. und Schweiz. auch ‘sparsam wirtschaften’, ahd. hūsōn ‘wohnen’ (um 1000), mhd. hūsen ‘ein Haus bauen, sich häuslich niederlassen, wohnen, beherbergen, wirtschaften’, seit dem 15. Jh. auch ‘schlecht wirtschaften’, daraus ‘zerstören, verwüsten’ (16. Jh.). behausen Vb. ‘in einer Wohnung unterbringen’ (jetzt nur noch in gehobener Ausdrucksweise), mhd. behūsen ‘mit einem Haus versehen, besiedeln, beherbergen’; Behausung f. ‘Wohnstätte, Unterkunft’, mhd. behūsunge ‘Herberge, Wohnung’; unbehaust Part.adj. ‘keine Unterkunft, keine Wohnung habend, umherziehend’, mhd. unbehūset. hausieren Vb. ‘Waren von Haus zu Haus feilbieten’ (15. Jh.), vgl. mnd. hūsēren; Hausierer m. (16. Jh.). Häusler m. ‘als Tagelöhner arbeitender Dorfbewohner mit eigenem (kleinen) Haus, aber ohne oder mit nur wenig Landbesitz’ (17. Jh.). häuslich Adj. ‘das Haus(wesen), die Familie betreffend, gern zu Hause bleibend, in der Hauswirtschaft tüchtig, wirtschaftlich’ (15. Jh.); vgl. mhd. hiuslīche(n), hūslīche Adv. ‘häuslich, ein Haus besitzend’; Häuslichkeit f. ‘das Zuhause, hauswirtschaftliche Tüchtigkeit’ (16. Jh.). Hausfrau1 f. ‘das Hauswesen besorgende Frau’, mhd. hūsvrou(we), hūsvrowe ‘Herrin im Hause, Gattin’. Haushalt m. ‘Führung eines Hauswesens, alle Mitglieder eines Hauswesens, Aufrechnung von Einnahmen und Ausgaben eines Staates, einer öffentlichen Einrichtung für ein Jahr, Etat’ (15. Jh.), Rückbildung aus haushalten Vb. ‘sparsam wirtschaften, einteilen, den Haushalt führen’, mhd. hūshalten ‘ein Hauswesen führen’; Haushälterin f. ‘den Haushalt führende Angestellte, Wirtschafterin’ (16. Jh.), älter Haushälter (15. Jh.); haushälterisch Adj. ‘sparsam, wirtschaftlich’ (Anfang 18. Jh.), älter haushältisch (17. Jh.). Hausherr m. ‘Familienoberhaupt, Gastgeber’, (südd. öst.) ‘Hauswirt, Vermieter’, ahd. hūshērro ‘Familienoberhaupt’ (11. Jh.), mhd. hūsherre, auch ‘Hausverwalter’. Hausmann m. ‘mit der Instandhaltung und Reinigung eines Hauses Beauftragter’, früher ‘Vorstand einer Haushaltung, Hausvater, wer bei einem anderen zur Miete wohnt’, ahd. (11./12. Jh.), mhd. hūsman ‘Hausherr, Hausbewohner, Mietsmann’; Hausmannskost f. ‘einfache, nahrhafte, kräftige Kost’ (15. Jh.), wie sie ein Hausmann (‘Hausvater’) gewöhnlich für sich und die Seinen bereiten läßt. Hausrat m. ‘Hausgerät, für die Hauswirtschaft benötigte Gerätschaften und Möbel’, mhd. hūsrāt. Haussuchung f. ‘zur Aufklärung einer Straftat angeordnete Durchsuchung einer Wohnung, eines Gebäudes’ (14./15. Jh.); vgl. ahd. hūssuohha (um 1000), mhd. hūssuoche ‘Hausdurchsuchung’, dagegen mhd. hūssuochunge ‘Hausfriedensbruch’. Haustier n. ‘vom Menschen zur wirtschaftlichen Nutzung oder aus Liebhaberei in der Hauswirtschaft gehaltenes zahmes Tier’ (Mitte 18. Jh.). Hauswesen n. ‘alles, was zu Haushalt, Familie, Wohnung gehört’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
nicht sesshaft · ↗obdachlos · ohne festen Wohnsitz · ↗wohnsitzlos · ↗wohnungslos  ●  ohne Dach über dem Kopf  ugs. · unbehaust  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
nirgends zu Hause · nirgendwo zu Hause · ohne ein (wirkliches) Zuhause  ●  ↗heimatlos  fig. · unbehaust  geh., fig. · ungeborgen  geh., selten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dichter Existenz fühlen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unbehaust‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Männer sind in Ihren Filmen stets unbehauster als die Frauen.
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2004
Wenn es einen Gott gibt, dann ist er heutzutage offenbar unbehaust.
Die Zeit, 04.08.1989, Nr. 32
Ich muß wieder in geordnete Verhältnisse, hier in der fremden Wohnung, vor verschlossenen Schubläden verkomme ich unbehaust.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1920. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1920], S. 120
Die tragische Größe des unbehausten Menschen hat in der Malerei erstmals Caspar David Friedrich zu gestalten gewußt.
Hofmann, Werner: Das irdische Paradies, München: Prestel 1991 [1960], S. 127
Die Frage nach der Redintegration der abendländischen Ideenwelt kehrt im existentiellen Bereich als Frage der »unbehausten« Menschen nach der metaphysischen Heimat wieder.
Geiger, P.: Holthusen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 14785
Zitationshilfe
„unbehaust“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unbehaust>, abgerufen am 17.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
unbehauen
unbehaucht
unbehandschuht
unbehandelt
unbehandelbar
unbehelligt
unbeherrschbar
unbeherrscht
Unbeherrschtheit
unbeherzigt