Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unberufen

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-be-ru-fen
eWDG

Bedeutung

ohne Berechtigung, Befugnis
Beispiele:
er sollte das Urteil nicht aus unberufenem Munde erfahren
sie wollte nicht, dass der Brief in unberufene Hände (= in Hände, für die er nicht bestimmt war) falle
Kein Unberufener durfte das Haus betreten [ Wasserm.Wahnschaffe1,221]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›unberufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unberufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›unberufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß er hier und jetzt unberufen Stellung nimmt, ist bedenklich. [Die Zeit, 27.12.1965, Nr. 53]
Indem man nicht sieht, bewahrt man sich vor den Bildern, die sich in die Seele graben, sich dort fortsetzen und unberufen wiederkehren könnten. [Die Zeit, 14.03.1986, Nr. 11]
Sie erzählt so sublim und doch so klar und kurz, daß sich auf den schönsten Seiten des Buches Dichtung unberufen eingestellt hat. [Die Zeit, 29.09.1955, Nr. 39]
Zumal wenn sie seit Jahrzehnten aus berufenem und unberufenem Mund als Wahrheit verkündet werden. [Die Welt, 19.08.2003]
Der Chef überlässt es einer Ministerin, das Erachten des UN‑Generalsekretärs als Äußerung aus unberufenem Munde abzutun. [Die Zeit, 29.09.2004, Nr. 40]
Zitationshilfe
„unberufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unberufen#1>.

Weitere Informationen …

unberufen

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-be-ru-fen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich unberufen!drückt abergläubische Angst vor der Gefährdung (zukünftiger) günstiger Verhältnisse aus
Beispiele:
es geht ihr unberufen wieder etwas besser
eine recht gute Ernte ist trotzdem gewachsen. Unberufen! [ FalladaWolf1,309]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›unberufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unberufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›unberufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß er hier und jetzt unberufen Stellung nimmt, ist bedenklich. [Die Zeit, 27.12.1965, Nr. 53]
Indem man nicht sieht, bewahrt man sich vor den Bildern, die sich in die Seele graben, sich dort fortsetzen und unberufen wiederkehren könnten. [Die Zeit, 14.03.1986, Nr. 11]
Sie erzählt so sublim und doch so klar und kurz, daß sich auf den schönsten Seiten des Buches Dichtung unberufen eingestellt hat. [Die Zeit, 29.09.1955, Nr. 39]
Zumal wenn sie seit Jahrzehnten aus berufenem und unberufenem Mund als Wahrheit verkündet werden. [Die Welt, 19.08.2003]
Der Chef überlässt es einer Ministerin, das Erachten des UN‑Generalsekretärs als Äußerung aus unberufenem Munde abzutun. [Die Zeit, 29.09.2004, Nr. 40]
Zitationshilfe
„unberufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unberufen#2>.

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